Indien ist bunter, schärfer und anstrengender

Ab nach Indien: Unternehmen sollten sich auf eine komplett andere Kultur einstellen (© fotolia/oneinchpunch)
Ab nach Indien: Unternehmen sollten sich auf eine komplett andere Kultur einstellen.

Auch wenn Indien hohe Wachstumsraten verspricht, man sollte sich eher auf eine Marathonstrecke als auf einen Sprint einstellen. Viele gute Ratschläge sind nichts gegen den eigenen ernsthaften und aufrichtigen Willen, sich diesem Subkontinent und seinen Herausforderungen zu stellen. 

Das Essen ist Ihnen zu scharf, die Menschen zu viel und zu laut und Sie wollen lieber nicht allzu tief in die Abgründe der Korruption blicken? Völlig verständlich, aber dann laufen Sie Gefahr, ein Theater vorgespielt zu bekommen, das nicht der Realität entspricht. Nur bei echter Wertschätzung, vielen indischen Mahlzeiten und Eindrücken von verschiedenen Menschen werden Sie in der Lage sein, die Dinge selbst zu beurteilen. Selbst wenn Ihr Engagement hervorragend liefe, Sie könnten kaum herausbekommen, ob es nicht in Wirklichkeit noch besser laufen könnte. Für Korruption gilt: Nur bei genauen Regeln, scharfem Hinsehen und klaren Ansagen und – noch viel wichtiger – regelmäßigem Soll-Ist-Vergleich im eigenen Unternehmen kann man zeigen, dass man es ernst meint. Wegschauen und Agenten einschalten mag bequem sein, ist aber nicht wirklich zukunftsweisend und zielführend.

In Indien ist Checken der Partner gang und gäbe

Sich den indischen Geschäftsführer, Joint-Venture-Partner, Lieferanten oder Abnehmer auf Herz und Nieren prüfen zu lassen, ist keineswegs unüblich. Auch arrangierten Ehen in Indien (noch die Mehrzahl!) gehen tief gehende Checks der nahen Familie der angehenden Ehepartner voraus. Den Business Partner nur auf der Messe getroffen zu haben, ist allein kein Kriterium für eine Zusammenarbeit, auch wenn er noch so eloquent auftritt.

Wenn Sie meinen, langsam verstanden zu haben, worauf es ankommt, ist dem oft noch lange nicht so. Das Umfeld ändert sich rasant. Planungshorizonte von mehr als fünf Jahren gibt es selten. Alles verändert sich mit ungeheurer Dynamik, vor allem in den Städten, und vor allem was den Einsatz von Informationstechnologie in der Verwaltung angeht. Heute noch Aktenberge und Bürokratiefilz, morgen eine SMS auf Ihr Mobile, dass Ihr Online-Antrag gerade bearbeitet und Ihnen zügig zugesandt wird. Das wiederum erfordert ständigen Kontakt, ständige Auseinandersetzung mit den Themen und ständige Anpassung und Trainings. Indien ist anstrengend.

Märkte brauchen tiefes Verständnis

Wer braucht Ihr Produkt, an welche Klientel wenden Sie sich? Nachhaltigkeit, Lebenszykluskosten, Umweltverträglichkeit sind bei vielen Menschen in Indien nachrangig. Der Preis steht im Vordergrund, weil Geld einfach nicht genug vorhanden ist. Übrigens fängt kein Handwerker ohne Vorkasse an. In Indien gehen Fenster immer nach außen auf. Kleidung für Frauen in mütterlichen Größen ist immer noch vorwiegend Sari oder Salwar Kameez. Schokolade finden Sie nur in den gekühlten Läden der Metropolen.

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