Wer verfügt über Kapital?

 

Während das Geschäft der großen Buyout-Fonds nahezu zum Erliegen gekommen ist, geht das Leben für die Small- und Mid Market-Buyout-Fonds weiter. Dank kleinerer Transaktionsgrößen mit hohem Eigenkapitalanteil sind Beteiligungen an mittelständischen Unternehmen auch in der Finanzkrise weiterhin möglich.

Während das Geschäft der großen Buyout-Fonds nahezu zum Erliegen gekommen ist, geht das Leben für die Small- und Mid Market-Buyout-Fonds weiter. Dank kleinerer Transaktionsgrößen mit hohem Eigenkapitalanteil sind Beteiligungen an mittelständischen Unternehmen auch in der Finanzkrise weiterhin möglich.

Zunehmend erfahrene Investmentteams im Markt aktiv

Gegenwärtig treffen etwa 30 lokale Mid Market-Fonds in Deutschland auf zunehmenden Dealflow im Mittelstand. Dazu kommen diverse europäische oder US-amerikanische Fonds, die aber oft nur schwer den Zugang zum „deutschen Mittelstand“ finden (Ausnahmen bilden sicherlich Fonds aus der DACH-Region wie Capvis (Schweiz) oder Lead Equities (Österreich) oder auch das bereits seit Jahren in Deutschland tätige skandinavische Haus EQT). Auch ist eine Vielzahl an regionalen Initiativen in diesem Bereich tätig wie beispielsweise mittelständische Beteiligungsgesellschaften, die eher Minderheitsbeteiligungen eingehen. Parallel sind auf Mezzanine spezialisierte Häuser aktiv, die Mezzanine-Finanzierungen als alleinstehende Wachstumsfinanzierung oder im Rahmen von Buyout-Transaktionen ausgeben. Eine Auswahl der führenden, lokalen (deutschen) unabhängigen Private Equity-Fonds – ohne jegliche Wertung – sind in der nachfolgenden Tabelle aufgelistet. Insgesamt repräsentieren diese Fonds ein verfügbares Kapital von gut 7 Mrd. Euro. Die meisten der Fonds dürften sich in der Mitte ihrer Investitionsperiode befinden.

Nächste Fundraising-Welle 2010/11

Mit durchschnittlich gut zehn Jahren Investitionserfahrung bilden die führenden deutschen Finanzinvestoren im Mid Market eine bereits sehr erfahrene Gruppe, die im Moment meist aus ihrer zweiten oder dritten Fondsgeneration investiert. Dabei handelt es sich aktuell meist um „Vintage“ (Jahr, in dem der Fonds aufgelegt wurde) der Jahre 2006 bis 2008. Die durchschnittliche Fondsgröße liegt aktuell bei rund 250 Mio. Euro. Im Jahr 2009 wurden bisher noch keine neuen Fonds geschlossen. Aktuell sind aufgrund der momentanen Zurückhaltung institutioneller Investoren bezüglich der Anlageklasse Private Equity kaum Fonds im Fundraising. Die nächste Fundraising-Welle wird in den kommenden zwei Jahren (2010/2011) zu erwarten sein – dann sind viele der aktuell tätigen Fonds am Ende ihrer Investitionsphase bzw. Liquidität. Dabei werden die Fondsgrößen jedoch relativ stabil bleiben: Daraus lässt sich auch ableiten, dass die Mid Market-Fonds ihrer Strategie treu bleiben und jeglicher „style drift“ ausgeschlossen wird – die Fondsgröße determiniert letztendlich die fokussierte und lokale Investitionsstrategie der Mid Market-Fonds.

Inhabergeführte Unternehmen aus Deutschland stehen im Fokus

Einer der wesentlichen Differenzierungsfaktoren im Vergleich zu den großen Buyout-Häusern ist die Fokussierung auf den Heimatmarkt. Eine Branchenspezialisierung wird aufgrund der hier eingeschränkten Dealflow-Opportunitäten mehrheitlich nicht verfolgt. Der Zugang zu proprietären Transaktionen charakterisiert gute Mid Market-Fonds. Dementsprechend müssen diese frühzeitig enge und vertrauensvolle Beziehungen zu potenziellen Verkäufern aufbauen. Buyouts aus familiengeführten Unternehmen stellen dabei eine wichtige Quelle dar: Viele der inhabergeführten mittelständischen Firmen öffnen sich zunehmend der Finanzierungsalternative Private Equity, angetrieben auch durch die Nachfolgeproblematik und die restriktivere Kreditpolitik der Banken. Mid Market-Fonds arbeiten mit deutlich höherem Eigenkapitaleinsatz (im Durchschnitt um die 40 bis 50% der Gesamtfinanzierung) als bisher die großen auf „financial leverage“ fokussierten Buyout-Fonds. Daher sind Mid Market-Fonds weniger abhängig von der Verfügbarkeit von Fremdkapital und folglich von der Finanzmarktkrise weniger stark betroffen. Die Transaktionen in Deutschland finden schwerpunktmäßig im Umfeld der klassischen herstellenden/produzierenden Industrie statt, die international eine hohe Wettbewerbsfähigkeit genießt und viele marktführende mittelständische Unternehmen beheimatet. Aufkommende Segmente mit hohen Potenzialen in der Zukunft sind die Telekommunikationsindustrie, das Gesundheitswesen, der Dienstleistungssektor sowie die Freizeitindustrie. Die Fähigkeit operationalen und strategischen Mehrwert im Portfolio-Unternehmen zu schaffen, wird der Haupttreiber für (Fonds-)Renditen sein.

Fazit:
Viele namhafte, aber auch unbekannte Finanzinvestoren haben sich erfolgreich im Schatten der zuletzt in die Schlagzeilen geratenen Mega-Buyout-Fonds im deutschen Mittelstand etabliert. Small- und Mid Market-Buyout-Fonds können „Problemlöser“ bei Nachfolgefragen, in Unternehmenskrisen oder als Wachstumsfinanzierer eine Alternative zum klassischen Bankkredit sein. Die zunehmende Akzeptanz von Private Equity als ein Instrument der Unternehmensfinanzierung in der Breite des deutschen Mittelstandes bietet ein großes Potenzial für diese Finanzinvestoren und vielfältige Investitionsmöglichkeiten.

 


Zur Person: Götz A. Hoyer

Götz A. Hoyer (hoyer@fhpe.de) ist Managing Partner bei Fleischhauer, Hoyer & Partner (FHP) Private Equity Consultants. Das Münchner Beratungsunternehmen ist auf die Themen Venture Capital und Private Equity spezialisiert.
www.fhpe.de

Autorenprofil

Götz A. Hoyer (hoyer@fhpe.de) ist Managing Partner bei Fleischhauer, Hoyer & Partner (FHP) Private Equity Consultants. Das Münchner Beratungsunternehmen ist auf die Themen Venture Capital und Private Equity spezialisiert.
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