„Unternehmen haben sich wetterfest gemacht“

Arndt Kirchhoff
Führt einen der größten Automobilzulieferer Deutschlands: Arndt Kirchhoff.

Der Automobilzulieferer Kirchhoff finanziert seine Expansion vor allem aus dem Cashflow und über Schuldscheindarlehen. Der geschäftsführende Gesellschafter Arndt Kirchhoff im Gespräch über die Russland-Krise, alternative Finanzierungsmodelle und die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens. 

Herr Kirchhoff, als Automobilzulieferer sind sie international tätig. Wie sehr fürchten Sie die Krise auf der Krim?

Im Moment belastet sie uns noch nicht. Allerdings spielt sie eine große Rolle, vor allem dann, wenn der GAU eintritt und wir wieder zwei Fronten in Europa bekommen. Das ist das, was wir uns nicht vorstellen wollen. Das Geschäft in Russland läuft insgesamt eher zäh. Das liegt zum einen am Rechtssystem und an den wirtschaftlichen Beziehungen, wie man sie in Russland pflegt. Doch haben wir uns damit arrangiert. Von Sanktionen halte ich nichts, da wir die Russen ansonsten weiter in den Osten treiben.

Wie ist das Jahr 2014 für Ihre Gruppe angelaufen?

Eigentlich ganz gut. In den vergangenen Jahren lief es bereits in Nordamerika und Asien sehr stabil. Noch lahmt das Geschäft in Europa etwas. Europa ist nur noch der drittgrößte Automarkt. China ist seit Herbst 2013 der größte, gefolgt von Nordamerika. Dennoch ist Europa für uns wichtig. Denn wir haben Kapazitäten in Westeuropa, die ausgelastet werden wollen.

Wie stark expandieren Sie?

Wir haben weltweit 40 Standorte. Zwei bis drei neue kommen jedes Jahr dazu. Zuletzt haben wir im Norden von China in Shenyang und in Texas Werke eröffnet.

Der starke Auslandsanteil drückt sich auch in Ihrer Mitarbeiterzahl aus.

Richtig. Von unseren 11.000 Mitarbeitern arbeiten 2.000 hierzulande.

Im Markt ist momentan sehr viel Liquidität vorhanden. Für ein solventes Familienunternehmen wie Ihres ein paradiesischer Zustand …

Auf deutschem Boden ist die Finanzierung in der Tat kein Problem. Das liegt vor allem daran, dass sich die Unternehmen während und nach der Finanzkrise wetterfest gemacht haben. Alle hatten Angst vor der Kreditklemme. Der Mittelstand hat sofort geschaltet und getreu dem Motto „Cash ist King“ versucht, mehr Geld zu generieren, Lager abzubauen und die Eigenkapitalquote mit den Möglichkeiten der Innenfinanzierung zu erhöhen. Das hat man in den vergangenen Bilanzen gesehen und das wird sich in der Bilanz von 2013 auch wieder zeigen. Im Schnitt erhöhten die Unternehmen ihre Eigenkapitalquote um 10 Prozentpunkte. Früher war sie die Schwäche, die die Banken beklagten. Jetzt haben die Unternehmen viel Geld und die Banken würden gerne mehr Kredite vergeben. Doch jetzt finanzieren wir uns erst einmal selbst.

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