Im Jahr 2007 hatte der weltweite M&A-Markt seinen absoluten Höhepunkt erreicht, seitdem ist er um über 60% eingebrochen. Jetzt hält er sich auf niedrigem Niveau stabil – ein Ausbruch nach oben wird nicht erwartet. Was bedeutet das für den deutschen Mittelstand?

Keine Belebung des M&A-Umfeldes absehbar

Die gute Botschaft zuerst: Laut der Marktbeobachtungsplattform Dealogic hält sich der globale M&A-Markt gegenüber dem ersten Halbjahr 2012 wertmäßig stabil (+ 1%). Im Quartalsvergleich nahm der Markt aber zum zweiten Mal deutlich ab, zuletzt um 14%. Am Horizont ist kein Faktor erkennbar, der M&A beflügeln könnte; die „7. M&A-Welle“ ist in weite Ferne gerückt. Als Hauptgrund dafür wird die schwelende Finanzkrise genannt. Grenzüberschreitende Transaktionen nahmen im Jahresvergleich zahlenmäßig mit -19% deutlich ab. Im letzten Halbjahr kamen sie auf 27% des Weltmarktes, den niedrigsten Wert seit dem 1. Halbjahr 2009. Einziger großer „Ausreißer“ im aktuellen M&A-Umfeld ist das Outbound M&A aus China: Es nahm im ersten Halbjahr 2013 um 72% auf 34 Mrd. USD zu, der inländische M&A-Markt belief sich auf 102 Mrd. USD. Damit war China dieses Jahr bislang der größte Einzelmarkt. Laut Dealogic wird M&A auf dem Gesundheitssektor mit 22% Wachstumserwartung von 2012 auf 2013 am günstigsten beurteilt. Während der Markt für Energie und Anlagenbau in den USA 2011 ein starkes Jahr hatte, ging dieser von 2011 auf 2012 bereits um 26% zurück und der Ausblick für 2013 ist noch schwächer.


Deutscher Mittelstand und M&A

Der deutsche Markt läuft weitgehend parallel mit dem Weltmarkt. In Großbritannien ist der Verkauf von Familienunternehmen das Mittel der Wahl; in Deutschland tun sich Familien damit noch schwer. Dies spiegelt sich am M&A-Markt wider: Laut Zahlen von Mergermarket hält Deutschland rund 13% vom Welt-M&A-Markt, während Großbritannien den europäischen Markt mit 21% vom Wert anführt.

Dennoch ist das Potenzial hierzulande besonders groß. Laut dem Bonner Institut für Mittelstandsforschung (IfM) stehen jährlich 22.000 Übergaben in Familienunternehmen an. Insgesamt werden in den nächsten acht Jahren 131.000 Unternehmen mit dem Thema Nachfolge konfrontiert sein. Familieninterne Lösungen haben Priorität. Sie sind jedoch immer schwieriger zu realisieren, weil die Nachfolger-Generation nicht geeignet ist oder andere Wege gehen will. In zunehmendem Maße müssen dann familienexterne Lösungen gefunden werden. Eine solche Möglichkeit besteht im Verkauf von Geschäftsanteilen an Private-Equity-Gesellschaften. Die meisten Mittelständler haben sich mit dieser Thematik bereits beschäftigt. In ihrer Einschätzung überwiegen jedoch die Risiken gegenüber den Chancen. Dabei werden deutsche Kapitalbeteiligungsgesellschaften gegenüber Ausländern stark präferiert.

Für die deutschen Unternehmen liegt Sicherheit an erster Stelle. Einer kürzlichen Studie von Hogan Lovells folgend hat M&A an Priorität verloren. 88% der befragten Unternehmen favorisieren organisches Wachstum in bestehenden Märkten, 59% würden mit eigenen Ressourcen in neue geografische Märkte einsteigen. Immerhin 56% fassen Zukäufe in bestehenden Märkten ins Auge, wenn sich Gelegenheiten böten und die Hälfte aller Befragten denken eher an strategische Partnerschaften. Bei der Umsetzung stehen drei Barrieren im Vordergrund: wirtschaftliche Unsicherheit (43%), politische Unsicherheit (21%) und fehlende Gelegenheiten (14%).

M&A in Europa

Die bedeutendste Zielregion in Europa war wiederum Großbritannien, obwohl der Wert der Transaktionen im Jahresvergleich um 14% zurückging. Der Markt mit dem Ziel Deutschland lag wieder an zweiter Stelle und wuchs zuletzt im Halbjahresvergleich um 10%.

Generell lagen M&A mit der Zielregion Europa wertmäßig im ersten Halbjahr 2013 gegenüber der ersten Jahreshälfte 2012 um 7% niedriger und erreichten damit den niedrigsten Wert seit dem ersten Halbjahr 2009. Trotz des Rückgangs nahm die durchschnittliche Dealgröße im ersten Halbjahr 2013 um 32% gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum zu. Das Volumen im zweiten Quartal 2013 war das niedrigste seit dem dritten Quartal 2012. US-Amerikaner traten zu 39% als Käufer in Europa an. Damit stellten sie den bisher größten Anteil. Die Asiaten waren als Käufer in Europa wertmäßig bei 11% dabei, der niedrigsten Zahl seit dem ersten Halbjahr 2009. Grenzüberschreitende M&A in Europa erscheinen Unternehmen aus allen Triadenmärkten zunehmend attraktiv, wobei unterbewertete Kandidaten im Fokus stehen. Erwartet wird, dass wertgetriebene grenzüberschreitende Transaktionen auch im aktuellen Jahr stark nachgefragt bleiben.

M&A-Markt in Asien und China aus deutscher Sicht

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Outbound-M&A-Aktivitäten der Asiaten, vor allem aus China, überschätzt werden. Zumindest sind sie bei weitem noch nicht dort angekommen, wo China mit dem 12. Fünfjahresplan hinwill. Der aktuelle Fünfjahresplan mit sieben strategischen Schwerpunktbereichen zeigt die Richtung, in die sich die Volksrepublik entwickeln wird. Der Konsumsektor wächst in den kommenden Jahren mit 15 bis 20% p.a., bei Maschinenbau und Chemie ist mit Wachstumsraten von 8 bis 10% zu rechnen. Der Durst nach Konsum und Technologie hat bereits 5.500 deutsche Unternehmen angelockt. Ein Großteil davon ist diesen Weg mit einem lokalen Partner gegangen, über ein Joint Venture oder durch eine Unternehmensübernahme.

Was bedeutet das für die Internationalisierung?

China hat derzeit mit 7,4% die seit Langem niedrigste Wachstumsrate, ein Großteil seiner Investitionen liegt in der Infrastruktur und ist kreditfinanziert. Die Leerstandsquote bei Immobilien ist beängstigend. Eine Blase zeichnet sich ab. Dennoch: An China kommt heute keiner vorbei. Da ist nicht nur der gewaltige Inlandsmarkt, da sind nicht nur die wirtschaftlich unterschiedlichsten Kantone, die einerseits hohen Industriestandard haben und eine große konsumbewusste Mittelschicht, und andere Regionen, die noch in der Entwicklung liegen und günstige Produktionsstandorte bieten. Nach dem Fünfjahresplan sind Auslandsinvestitionen ausdrücklich erwünscht, insbesondere im Technologiebereich. China wird in den kommenden Jahren seine M&A-Aktivität stark ausweiten. Auch der organische Ausbau und das Verdrängen von Wettbewerbern aus dem Markt werden weitergehen, wie die Aktivitäten im Solar- und Windenergiesektor zeigen. Derjenige, der nicht auf den chinesischen Angriff im deutschen Markt warten will, sollte sich überlegen, nach China zu gehen und dabei ins Auge fassen, ein chinesisches Unternehmen zu übernehmen oder ein nationales Joint Venture anzustreben, um an den hohen Wachstumsraten zu partizipieren. Europäische Beratungsunternehmen mit chinesischem Personal, die dabei helfen können, sind in reichem Umfang schon vor Ort.