„Mezzanine wird langfristig an Bedeutung gewinnen“

 

Die Deutsche Bank AG stellt über den „Mittelstandsfonds für Deutschland“ 300 Mio. EUR an Eigenkapital für deutsche Unternehmen zur Verfügung. Im Interview spricht Vorstand Jürgen Fitschen über die Zielsetzungen des Fonds..

Die Deutsche Bank AG stellt über den „Mittelstandsfonds für Deutschland“ 300 Mio. EUR an Eigenkapital für deutsche Unternehmen zur Verfügung. Im Interview spricht Vorstand Jürgen Fitschen über die Zielsetzungen des Fonds, die Entscheidung für M Cap Finance als externen Fondsmanager und über die Bedeutung von Mezzanine für den Mittelstand.

Unternehmeredition: Herr Fitschen, welche Ziele verfolgen Sie mit dem „Mittelstandsfonds für Deutschland“?
Fitschen:
Mit Blick auf die Unternehmensfinanzierung hat sich die Diskussion lange primär auf die Bereitstellung von Fremdkapital konzentriert. In Zukunft kann sich die Finanzierung zu einem limitierenden Faktor für den Aufschwung entwickeln, wenn die Kreditnachfrage der Unternehmen im Aufschwung anzieht, aber die Eigenkapitalbasis durch die Rezession geschwächt ist. Denn nur mit einer soliden Eigenkapitalausstattung können Unternehmen zusätzliche Kredite für Investitionen aufnehmen und Wachstum finanzieren. Der von der Deutschen Bank im März gestartete „Mittelstandsfonds für Deutschland“ zielt auf die Stärkung des Eigenkapitals und ist damit ein zentraler Hebel zur Finanzierung von Wachstum mittelständischer Unternehmen.

Unternehmeredition: Was sprach für die Zusammenarbeit mit M Cap Finance im Gegensatz zu einer eigenen Lösung?
Fitschen: Wir haben uns bei der Verwaltung des Fonds bewusst für einen externen Fondsmanager entschieden. M Cap Finance ist ein führender unabhängiger Fondsanbieter in Deutschland für Mezzanine-Kapital im Mittelstand. Das Unternehmen profitiert aufgrund einer mehrjährigen Erfahrung in diesem Segment von einer großen Expertise. Wichtig ist uns: Der Fonds ist unabhängig von der Deutschen Bank. M Cap stellt die Geschäftsführung des Fonds, und der Investmentausschuss ist mehrheitlich von M Cap besetzt. Durch diese Unabhängigkeit wollen wir weiteren Investoren eine Beteiligung erleichtern. Daneben hat der Rückgriff auf das Spezialistenteam von M Cap mit eingespielten Prozessen den Start des Projekts wesentlich beschleunigt. Die Deutsche Bank versteht sich mit der Investition nicht nur als Kapital-, sondern auch als Ideengeber. Wenn sich andere daran beteiligen wollen, sind sie herzlich eingeladen. Unabhängig davon ist es wichtig, dass Eigenkapital für den Mittelstand verstärkt angeboten wird.

Unternehmeredition: Wie wirkt sich derzeit die Wirtschafts- und Finanzkrise auf Ihr Firmenkundengeschäft aus? Ist generell mit einer Kreditklemme zu rechnen?
Fitschen: Unternehmen sind vorsichtiger bei Investitionen geworden. Gleichzeitig aber erkennen sie, wie wichtig Risikomanagement in der aktuellen Situation ist, sei es Rohstoffpreis- oder Währungsabsicherung oder auch die Beschäftigung mit dem Thema Rating. Die Gefahr einer flächendeckenden Kreditklemme sehen wir nicht. Es ist ganz natürlich, dass Kreditvolumina während einer Wirtschaftskrise nicht weiter steigen. Das erklärt sich durch abnehmenden Betriebsmittelbedarf und geringere Investitionstätigkeit der Unternehmen. Im Aufschwung rechnen wir allerdings wieder mit einer steigenden Nachfrage nach Finanzierung. Diese könnte dann gepaart mit einer Eigenkapitalschwäche zu Verengungen führen.

Unternehmeredition: Wird die Bedeutung von Mezzanine als Baustein im Finanzierungsmix des deutschen Mittelstandes zunehmen?
Fitschen: Trotz der momentanen Krise an den Finanzmärkten erwarten wir, dass kapitalmarktnahe Formen der Unternehmensfinanzierung wie z.B. Mezzanine langfristig an Bedeutung gewinnen werden. Genussrechte bieten dem Mittelstand einige Vorteile. So streben Halter von Genussrechten beispielsweise kein Mitspracherecht bezüglich operativer Entscheidungen in Unternehmen an, d.h. die unternehmerische Gestaltungsfreiheit wird bei inhabergeführten Familienunternehmen nicht eingeschränkt und es entsteht kein zusätzlicher Abstimmungsbedarf. Dieses ist bei direkt gehaltenen Minderheitsbeteiligungen in der Regel nicht gegeben. Auch die Ausstiegsproblematik von Minderheitsgesellschaftern verbunden mit komplexen und ressourcenintensiven Unternehmensbewertungen stellt sich nicht: Die vordefinierte Fälligkeitsstruktur der Genussrechte gewährleistet von Anfang an Planungssicherheit, Transparenz und eine Stärkung der Bilanzverhältnisse.

Unternehmeredition: Herr Fitschen, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Markus Hofelich.
markus.hofelich@unternehmeredition.de


Zur Person: Jürgen Fitschen
Jürgen Fitschen ist seit 2009 Mitglied des Vorstandes der Deutsche Bank AG und verantwortet seit 2005 das damals neu geschaffene Regional Management weltweit. Fitschen ist zudem seit 2002 Mitglied des Group Executive Committees. Die Deutsche Bank unterhält als weltweit tätige Investmentbank rund 2.000 Niederlassungen mit über 77.000 Mitarbeitern in 72 Ländern und erzielte im Geschäftsjahr 2009 Erträge in Höhe von knapp 28 Mrd. EUR. www.deutsche-bank.de

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