Image des Factorings wird besser

Der Markt für Factoring zeigte in den vergangenen Jahren ein starkes Wachstum. Vor dem Hintergrund von Basel II, zeitweise zögerlicher Kreditvergabe der Banken und wachsender Bedeutung von Eigenkapital setzen viele mittelständische Unternehmen heute auf die Vorteile des Factorings – in erster Linie eine Stärkung der Bilanzstruktur und eine Verbesserung der Liquidität.
Der Markt für Factoring zeigte in den vergangenen Jahren ein starkes Wachstum. Vor dem Hintergrund von Basel II, zeitweise zögerlicher Kreditvergabe der Banken und wachsender Bedeutung von Eigenkapital setzen viele mittelständische Unternehmen heute auf die Vorteile des Factorings – in erster Linie eine Stärkung der Bilanzstruktur und eine Verbesserung der Liquidität. In den letzten fünf Jahren hat sich das Factoring-Volumen in Deutschland mehr als verdoppelt. Allein 2006 gab es nach Zahlen des Deutschen Factoring-Verbands ein Plus von 30,7%, nach rund 25% Wachstum im Jahr 2005. Der Umsatz der in dem Verband vertretenen Factoring-Unternehmen, die gut 95% des deutschen Marktes abdecken, belief sich auf 72 Mrd. Euro.

Vorteile: Bilanz- und Liquiditätsverbesserung

Beim Factoring tritt ein Unternehmen seine Forderungen gegenüber seinen Kunden an eine Factoringgesellschaft (Factor) ab. Diese überweist dem Unternehmen dafür binnen ein bis zwei Tagen rund 80 bis 90% der Forderungen auf sein Konto. Den Rest der Forderungen (Sicherheitseinbehalt) überweist der Factor, sobald die Kunden ihre Rechnungen beglichen haben. Für sich selbst behält er eine Gebühr ein – und berechnet Zinsen wegen der frühzeitigen Überweisung. Durch die Ausgliederung von Forderungen verkürzt ein Unternehmen seine Bilanz – und erhöht damit gleichzeitig seine EK-Quote. Aber auch andere Vorteile haben dazu beigetragen, die Akzeptanz des Factorings zu steigern. Insbesondere die rasche Verbesserung der Liquidität ist ein Pluspunkt. Das Unternehmen kann so Liquiditätsengpässen entgegenwirken und durch die schnelle Begleichung eigener Rechnungen Skonti beim Einkauf nutzen. Dazu kommt, dass es sein Risiko von Forderungsausfällen ebenso verringert (echtes Factoring) wie seinen Verwaltungsaufwand, der durch die Eintreibung der Forderungen entsteht. Im Grunde kann jedes Unternehmen – ob aus Industrie, Großhandel oder Dienstleistungsbereich – Factoring nutzen. Es muss allerdings eine gewisse Größenordnung haben – mindestens 500.000 Euro Forderungsvolumen. Manche Factoringgesellschaften setzen auch mehr voraus. Besonders eignet sich Factoring für Unternehmen, die ihren Kunden großzügige Zahlungsziele einräumen. Attraktiv ist es auch für Mittelständler mit einer weniger guten Bonität, die aber Kunden mit guter Bonität beliefern – denn auf diese kommt es dem Factor an.

Irritationen nicht ausgeschlossen

Factoring kann allerdings auch Nachteile mit sich bringen. Es ist zum einen teurer als eine klassische Fremdfinanzierung. Zudem können die Beziehungen zu Kunden des Unternehmens beeinträchtigt werden, wenn – was meist der Fall ist – tdie individuelle Inkasso-Betreuung an die Factoringgesellschaft abgegeben wird. Manche Kunden reagieren dann irritiert. Dem kann das Unternehmen entgegenwirken, indem es zumindest bei besonders wichtigen bzw. sensiblen Kunden die Inkasso-Verantwortung im eigenen Haus belässt. Dieser Trend nimmt offenbar zu. „Immer mehr Unternehmen nutzen das Inhouse-Factoring“, beobachtet Helmut Karrer, Geschäftsführer der RBS Factoring GmbH. „Dabei bleibt das Debitorenmanagement bis zur letzten Mahnstufe beim Unternehmen.“ RBS Factoring ist eine Tochter der Royal Bank of Scotland und hat Unternehmen aus allen Branchen als Kunden. Überhaupt sind etliche ausländische Finanzhäuser mit Tochtergesellschaften auf dem deutschen Markt. Sie haben deutlich über 50% Marktanteil. In Ländern wie Großbritannien, Italien und Frankreich ist das Factoring schon seit langem erheblich populärer als hierzulande. Durch das starke Wachstum holt Deutschland nun allmählich auf und lockt so zusätzliche Wettbewerber, insbesondere aus dem Ausland, in den Markt.

Export-Factoring wächst besonders stark

In Deutschland beläuft sich die Factoring-Quote, also das Verhältnis zwischen dem angekauften Forderungsvolumen und dem Bruttoinlandsprodukt (BIP), mittlerweile auf 3,1%. „Endlich haben wir die 3-Prozent-Marke geknackt“, freut sich Joachim Secker, Sprecher des Deutschen Factoring-Verbands. „Dazu haben die gute Konjunktur und die allgemein verbesserte Stimmung beigetragen. Aufgrund der starken Exporte nahm das internationale Factoring sogar überproportional zu.“ Im Export-Factoring stieg das Geschäftsvolumen von 2005 auf 2006 um 40,9% auf 17,2 Mrd. Euro. Daran war der Mittelstand wesentlich beteiligt. Denn im Zuge der Globalisierung wird er von Jahr zu Jahr exportorientierter und nutzt bei diesen Geschäften verstärkt das Factoring zur Finanzierung.

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