Bankgeschäfte ohne Filiale: Die Digitalisierung der Branche schreitet voran.
Bankgeschäfte ohne Filiale: Die Digitalisierung der Branche schreitet voran.

Die FinTech-Branche wächst in Deutschland und will gerade kleinen und mittleren Unternehmen ein alternatives Kreditangebot machen. Aktuell wird diese Kreditnachfrage nämlich nicht ausreichend bedient.

Immer mehr netzaffine Unternehmen digitalisieren im Sinne des papierlosen Büros auch Controlling, Finanz- und Rechnungswesen. Dadurch entstehen beim Firmenkundengeschäft neue Angriffspunkte für Quereinsteiger. Im Kreditgeschäft, der  Liquiditätsbeschaffung und in anderen Produktgruppen drängen immer mehr FinTechs auf den Markt. Sie eröffnen mit neukonfigurierten Wertschöpfungsketten die Möglichkeit, dass Unternehmen ihre gesamte Financial Supply Chain mit Internet- bzw. Cloud-basierten Lösungen optimieren.


Neuer Zugang zu Krediten

Die Digitalisierung verändert insbesondere die Art und Weise, wie und durch wen Fremdkapital für unternehmerische Aktivitäten bereitgestellt wird. Finanztransaktionen finden zunehmend automatisiert auf anonymen Märkten statt.

Der  neue Zugang zu Krediten führt dazu, dass sich digitale Kreditplattformen im mittelständischen Kreditgeschäft immer mehr etablieren. Hierbei übernehmen sie teilweise Geschäft, dass die Banken aus geschäftspolitischen oder aufsichtsrechtlichen Gründen nicht machen wollen oder dürfen. Immer häufiger picken sich die neuen digitalen Wettbewerber Bereiche heraus, in denen  sie sie kein  Filialnetz und oftmals auch keine Banklizenz benötigen.

Die meistens plattformbasierten Geschäftsmodelle der FinTechs bieten neben einem direkten Zugriff auf neue Finanzierungquellen wie zum Beispiel Crowdfunding, Crowdlending oder Factoring auch einen Überblick über andere  Finanzierungskonditionen als die der Hausbank. Dies führt auch zu einer weiteren Verstärkung des ohnehin schon hohen Margendruck im Kreditgeschäft, da das spezifische Wissen der Banken über wertvolle Marktressourcen und -informationen nicht länger vor Wettbewerb von außen schützt.

Betrachtet man das Thema aus der Sicht der kleinen und mittleren Unternehmen (KMUs) in Deutschland, so bestätigt sich das Marktpotential für Kreditplattformen. Für 52 Prozent der KMUs hat sich in den vergangenen zwölf Monaten der Zugang zu klassischen Bankkrediten verschlechtert. Dies ergab der zum zweiten Mal vom digitalen Kreditmarktplatz Creditshelf erhobene „Finanzierungsmonitor“, für den zusammen mit der TU Darmstadt mehr als 100 Finanzentscheider aus mittelständischen Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen befragt wurden.

Schwierige Kreditkonditionen für KMUs

Dies zeigt deutlich auf, wie ernst die Lage für einige Mittelständler derzeit ist. „Kleine und mittlere Firmen haben zuletzt im Gegensatz zu großen börsennotierten Unternehmen eher Zurückhaltung bei Kreditanfragen erfahren. Sie erwarten auch jetzt nicht, bei der Kreditaufnahme von der immer noch anhaltenden Niedrigzinsphase zu profitieren“, fasst Professor Dirk Schiereck von der TU Darmstadt die aktuelle Situation zusammen. „Im Gegenteil: 64 Prozent der für die Studie befragten Betriebe halten künftig sogar noch schwierigere Kreditkonditionen durch steigende Zinsen für wahrscheinlich, 67 Prozent fürchten dies als Folge einer verschärften Regulierung und 63 Prozent aufgrund einer restriktiveren Kreditvergabe seitens der Hausbanken.“ 60 Prozent von ihnen wünschen sich vor allem eine schnellere Kreditentscheidung, 47 Prozent die Möglichkeit, ihre Finanzierung breiter aufzustellen, und 45 Prozent den besseren Zugang zu unbesicherten Krediten.

Der Finanzierungsmonitor 2017 zeigt auch, dass zwei Drittel der befragten  KMUs schon über die Möglichkeit von Online-Betriebsmittelkrediten als Kreditvariante informiert sind, wenn es um den Finanzierungsmix geht. 28 Prozent der Mittelständler haben davon über ihre Hausbank erfahren, 19 Prozent über ein anderes Kreditinstitut. Beinahe jedes zweite Unternehmen hat die Angebote der FinTechs, die mit solchen Kreditplattformen im Finanzmarkt agieren, aktiv bei der eigenen oder einer anderen Bank angesprochen. Die „Empfehlungen durch die Hausbanken und Hinweise der Steuerberater werden künftig dazu beitragen, die Akzeptanz der Internet-Kreditplattformen im deutschen Mittelstand noch zu steigern“, glaubt Professor Dirk Schiereck von der Technischen Universität Darmstadt.

Fazit

Banken nehmen die neuen Wettbewerber aus dem FinTech-Segement zunehmend ernster. Sie müssen sich dabei strategisch entscheiden, ob die Weiterentwicklung der eigenen Prozesse und Strukturen der geeignete Weg oder eine Kooperation oder gar die Übernahme von FinTech-Unternehmen nicht sinnvoller und günstiger ist. Auf mittlere und lange Sicht werden Banken und FinTechs eher Kooperationspartner denn Konkurrenten sein.


Zur Person

Daniel Bartsch verfügt über mehr als 15 Jahre Erfahrung im internationalen Beratungs- und Bankenumfeld. Bei Creditshelf verantwortet er das operative Geschäft und die Beziehung zu Kunden sowie Geschäftspartnern.

www.creditshelf.com