Im Gespräch mit Jörg Schubert, Vorstandsmitglied der Bantleon AG, über künftige Ertragsperspektiven.

Unternehmeredition: Herr Schubert, Bantleon sieht für die Zukunft erhebliche Anlagerisiken. Welche langfristigen Trends belasten Ihrer Ansicht nach künftige Erträge?

Schubert: Die Zusammensetzung des Aktienmarktes wird sich mit der vierten industriellen Revolution deutlich verändern. Neue Technologien in Verbindung mit einem erheblichen Überschuss an Investitionskapital begünstigen schnelle, entscheidungsfähige Unternehmen. Hinzu kommt, dass das globale Wirtschaftswachstum und damit die Ertragsperspektiven der breiten Aktienmärkte in den nächsten Jahren durch abnehmendes Arbeitskräftepotenzial und die sinkende Sparquote in den alternden Industriegesellschaften belastet werden. Dann dürften die durchschnittlichen Aktienmarktrenditen von sieben Prozent auf drei bis fünf Prozent pro Jahr sinken. Zusätzlich machen tendenziell steigende Zinsen Anleiheinvestoren wegen drohender Kursverluste das Leben schwer.

Welche Möglichkeiten sehen Sie, sich diesen Risiken zu entziehen und neue Ertragspotenziale zu erschließen?

Anleger können sich auf nachhaltige Zukunftstrends konzentrieren – hier sehen wir vor allem in der industriellen Technologie und der Basisinfrastruktur großes Potenzial. Während Aktien aus dem Bereich Industrietechnologie überdurchschnittliche Kurszuwächse erzielen sollten, profitieren Infrastrukturaktien aufgrund der monopolistischen Geschäftsmodelle von langfristigen Zahlungsströmen und leisten hohe Dividenden. Auf der Anleiheseite braucht es vor allem Solidität und eine ordentliche Laufzeitstruktur. So kann dieses Segment im Notfall seine Funktion als Safe Haven erfüllen und ist auch für den Zinsanstieg gewappnet.

Beispiel Disruption: Wie versuchen Sie, rechtzeitig zu erkennen, welche Technologie sich durchsetzt, um hinreichend zu profitieren?

Mit dem Fokus auf industrielle Technologie meiden wir bewusst Social Media- und Lifestyle-Unternehmen, die bereits ein steiles Wachstum hinter sich haben und deren weitere Wachstumsdynamik sehr von Trends abhängig ist. Um die langfristig besten Unternehmen zu finden, arbeiten unsere Portfolio-Manager und Analysten mit neun führenden Wissenschaftlern verschiedener Forschungsgebiete zusammen, die den Bantleon Technology Council bilden. Gemeinsam wählen sie diejenigen Unternehmen aus, die technologische Wegbereiter sind und innovative Lösungen für die großen industriellen und gesellschaftlichen Herausforderungen der Zukunft anbieten.

Bantleon hat seine Tätigkeit als Asset Manager vom reinen Anleihespezialisten auf weitere Assetklassen ausgebaut. Welche Zukunft sehen Sie eigentlich noch für Anleihen?

Hochqualitative Anleihen werden auch künftig ihre Berechtigung im Portfolio haben – als Absicherung in Krisenphasen, aber auch als Ertragsquelle. Selbst wenn die Zinsen in den nächsten Jahren steigen, wird diese Entwicklung nicht linear sein. Kurzfristig fallende Zinsen bergen eine Chance auf Kursgewinne.

Sie haben unlängst Ihren Anteil am Laserspezialisten LPKF ausgebaut. Wie fügt sich dies in Ihre neue Investmentphilosophie?

LPKF ist ein innovatives Unternehmen im Bereich Industrietechnologie, also für uns sehr interessant. Wir haben hier als Ankerinvestor die Restrukturierung sehr konstruktiv begleitet und unter anderem mit einer Kapitalerhöhung auch die Basis für internes und externes Wachstum geschaffen.


Zur Person

Jörg Schubert

Vorstandsmitglied der Bantleon AG

kundenbetreuung@bantleon.com