Vom Sound zum Sachwert

Warum Vintage-Gitarren die besseren Investments sind

Neben Kunst, Uhren oder Wein rückt nun ein Objekt ins Rampenlicht, das Musikerherzen höherschlagen lässt: die Vintage-Gitarre.
Foto: © HN Works_AdobeStock

In Zeiten schwankender Aktienkurse, überhitzter Immobilienmärkte und unberechenbarer Kryptowährungen wächst das Interesse an alternativen Anlageformen. Neben Kunst, Uhren oder Wein rückt nun ein Objekt ins Rampenlicht, das bisher vor allem Musikerherzen höherschlagen ließ: die Vintage-Gitarre. Wie Sammler und Anleger gleichermaßen von der Wertentwicklung legendärer Instrumente profitieren – und was Neueinsteiger beachten sollten.

Was einst aus Leidenschaft für Klang und Geschichte gekauft wurde, entpuppt sich heute immer häufiger als renditestarkes Investment. Eine aktuelle Untersuchung des niederländischen Gitarrenspezialisten The Fellowship of Acoustics zeigt, dass ausgewählte Modelle über Jahrzehnte hinweg außergewöhnliche Wertzuwächse erzielt haben – teils stärker als klassische Finanzanlagen.

Der Boom der Vintage-Gitarren

Vintage-Gitarren vereinen drei Eigenschaften, die sie für Investoren besonders interessant machen: kulturellen Wert, emotionale Bindung und finanzielle Stabilität. Während sich Anleger in den letzten Jahren zunehmend von digitalen oder immateriellen Anlageformen abwenden, steigt die Nachfrage nach greifbaren Objekten mit Geschichte.

„Eine Vintage-Gitarre ist vor allem eine Investition in Charakter und Klang“, erklärt Coen Bults, Inhaber von The Fellowship of Acoustics. „Hinter jedem Kratzer steckt eine echte Geschichte. Dieses Zusammenspiel aus Emotion, Authentizität und begrenzter Verfügbarkeit macht sie für Liebhaber wie für Investoren so begehrenswert.“

Von 213 bis 350.000 Euro – die besten Renditen

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Ein besonders spektakuläres Beispiel ist die Gibson Explorer von 1958. Ursprünglich für umgerechnet rund 213 EUR verkauft, erzielt sie heute durchschnittlich einen Marktwert von 350.000 EUR – eine jährliche Rendite von beeindruckenden 11,7 % über fast sieben Jahrzehnte.

Auch andere Ikonen der Musikgeschichte wie die Fender Telecaster (1950) und die Stratocaster (1954) haben sich als langfristige Wertanlagen etabliert. Beide Modelle erreichen derzeit Marktwerte von rund 110.000 EUR. Zum Vergleich: Der DAX erzielte im selben Zeitraum eine durchschnittliche Jahresrendite von etwa 8 %. Vintage-Gitarren haben damit viele klassische Anlageklassen – von Aktien über Immobilien bis hin zu Kunstwerken – klar übertroffen.

Warum Klang Geschichte schreibt – und Wert schafft

Der ökonomische Wert einer Vintage-Gitarre entsteht nicht allein durch Alter oder Marke. Entscheidend sind vor allem Originalität, Erhaltungszustand, Klangqualität und die musikalische Provenienz. Gitarren, die nachweislich von bekannten Künstlern gespielt wurden oder aus legendären Produktionsjahren stammen, gelten als besonders begehrt.

Darüber hinaus spielt die Handwerkskunst eine zentrale Rolle. Viele Gitarren aus den 1950er- und 1960er-Jahren wurden noch in kleinen Serien mit ausgesuchten Materialien gefertigt – ein Qualitätsniveau, das in der heutigen Massenproduktion kaum erreicht wird. Diese Kombination aus seltener Herkunft, klanglicher Einzigartigkeit und emotionalem Wert steigert den Marktpreis nachhaltig.

Marktvergleich: Überlegenheit gegenüber Kunst und Krypto

Während Kunstwerke in ihrer Wertentwicklung oft von subjektiven Trends abhängen und Kryptowährungen durch hohe Volatilität auffallen, überzeugen Vintage-Gitarren durch kontinuierliches Wachstum.

Laut The Fellowship of Acoustics verzeichnete der Markt für hochwertige Instrumente in den vergangenen zehn Jahren eine durchschnittliche jährliche Preissteigerung von 6 bis 10 %, selbst in Phasen wirtschaftlicher Unsicherheit.

Ein weiterer Vorteil: Vintage-Gitarren sind nicht nur Investment, sondern auch Erlebniswert. Anleger können ihr Objekt spielen, ausstellen oder verleihen – und dabei buchstäblich den Klang ihrer Investition genießen. Diese emotionale Komponente hebt sie deutlich von abstrakten Anlageformen ab.

Einstieg in den Markt: Chancen auch für kleinere Budgets

Nicht jeder Sammler muss sechsstellige Beträge investieren, um vom Vintage-Boom zu profitieren. Gitarren aus den 1970er-, 1980er- und 1990er-Jahren gelten als zugängliche Einstiegsoptionen, deren Preise in den kommenden Jahren voraussichtlich weiter steigen.

Coen Bults empfiehlt: „Wer einsteigen möchte, sollte auf Originalteile, guten Zustand und bekannte Marken wie Fender, Gibson oder Martin achten. Und vor allem: die Gitarre selbst in die Hand nehmen. Der persönliche Bezug bleibt entscheidend – das unterscheidet dieses Investment von allen anderen.“

Neben den großen US-Marken gewinnen auch europäische Hersteller zunehmend an Bedeutung. Marken wie Höfner, Hagström oder Framus erfahren auf dem Sammlermarkt wachsende Aufmerksamkeit, da ihre Instrumente bislang oft unterbewertet waren.

Zukunftsperspektive: Knappheit als Renditetreiber

Der Vintage-Markt profitiert langfristig von einem simplen ökonomischen Prinzip: limitierte Verfügbarkeit bei steigender Nachfrage. Viele historische Modelle sind nur in geringen Stückzahlen produziert worden, und jedes restaurierte oder verloren gegangene Instrument erhöht die Seltenheit der verbleibenden Exemplare.

Gleichzeitig wächst eine neue Generation von Musikliebhabern und Sammlern heran, die den analogen Charme und die Handwerkskunst dieser Instrumente zu schätzen wissen. In Kombination mit einem globalen Online-Markt, auf dem Transparenz und Vergleichbarkeit zunehmen, führt das zu einer anhaltend positiven Preisentwicklung.

Fazit: Klangvolle Alternative für kluge Anleger

Vintage-Gitarren haben sich von einem Liebhaberstück zu einer ernstzunehmenden Assetklasse entwickelt. Sie vereinen kulturelle Bedeutung, emotionale Bindung und finanzielle Stabilität in einer Weise, wie sie kaum eine andere Anlageform bietet.

Ob als Diversifikation im Portfolio, als Sammlerstück mit Geschichte oder als klingende Wertanlage – wer den richtigen Ton trifft, kann mit einer alten Gitarre nicht nur Musik machen, sondern auch Vermögen aufbauen.

Autorenprofil
Bert-Jan Vos

Bert-Jan Vos ist Senior Digital PR Manager mit über acht Jahren Erfahrung in der Entwicklung und Umsetzung internationaler und nationaler Kommunikationsstrategien. Er unterstützt Marken dabei, ihre Sichtbarkeit und Reputation durch datenbasierte Kampagnen und kreative Medienarbeit nachhaltig zu stärken.

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