Vier Manager übernehmen J.G. Weisser in St. Georgen

Automobilzulieferer J.G. Weisser Söhne
Automobilzulieferer J.G. Weisser Söhne

Ein Vierer-Konsortium aus dem Führungsteam übernimmt das St. Georgener Maschinenbauunternehmen J.G. Weisser Söhne GmbH & Co. KG. Das Management sichert durch dieses Management-Buy-out die langfristige Zukunft des Betriebs. Die vertragliche Vereinbarung über die umfassende Fortführungslösung wurde jetzt notariell beurkundet. Die geordnete Fortführung des Geschäftsbetriebes unter Insolvenzbedingungen lief über einen Zeitraum von insgesamt 21 Monaten. In dieser anspruchsvollen Zeit hielten viele Kunden dem Unternehmen unentwegt die Treue.

Laut dem Generalbevollmächtigten Markus Fauser von der Kanzlei Anchor Rechtsanwälte zeigten  auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter trotz aller Belastungen jeden Tag vollen Einsatz. „Es herrscht eine enorme und absolut berechtigte Freude im gesamten Team, dass nun nach einer so langen und intensiven Phase der Ungewissheit eine tragfähige und nachhaltige Lösung für J.G. Weisser Söhne gefunden werden konnte“, erklärt Fauser. Nur durch eine ganz besondere und geschlossene Teamleistung aller Akteure war dieses Ergebnis möglich. Der Sanierungsexperte dankt den Mitarbeitern, Kunden, Lieferanten und Gläubigern für den konstruktiven Weg unter schweren Rahmenbedingungen in einem volatilen Marktumfeld.

Das Sanierungsteam unter Führung von Anchor und dem Management vor Ort stabilisierte das Vertrauen der Hauptkunden. Zu den Verantwortlichen gehörte Ansgar Lienert als Interim Manager und CRO des Unternehmens. Durch gezielte Platzierung von Neumaschinenaufträgen in der Insolvenz konnte die Auslastung der Produktion über viele Monate gesichert werden. Parallel zum weltweiten Investorenprozess erarbeiteten die Verantwortlichen alternative Fortführungsszenarien. Dies bereitete den Boden für das nun erfolgreich umgesetzte Management-Buy-out.

Keine weiteren Entlassungen am Standort

v.l. Marc Asel, Janik DorerAnsgar Lienert, Hannes Beck, Foto: J.G. WeisserDie Unternehmen firmiert zukünftig unter der Bezeichnung J.G. Weisser GmbH. Das Führungsteam erarbeitete in den vergangenen Wochen ein tragfähiges und zukunftsorientiertes Fortführungskonzept. Wesentliche Kunden unterstützen dieses Konzept vollumfänglich. Auf der Basis des neuen Geschäftskonzepts ist kein zusätzlicher Arbeitsplatzabbau erforderlich. Die 156 Arbeitsplätze der Belegschaft am Standort St. Georgen sind damit langfristig gesichert. Dem Maschinenbauer liegen zudem eine Reihe von substanziellen und weiterführenden Aufträgen vor. J.G. Weisser startet somit mit einer soliden wirtschaftlichen Basis in die Eigenständigkeit.

Das neue Eigentümer- und Geschäftsführer-Konsortium sieht eine hervorragende Ausgangslage für einen Neustart außerhalb des gerichtlichen Rahmens. Der wirtschaftliche Kern und das immense technologische Know-how sind auf den internationalen Märkten nach wie vor stark gefragt. „Wir wollen das Unternehmen nun gezielt weiterentwickeln, unsere Innovationskraft im Bereich der Automatisierung stärken und ein verlässlicher Partner für unsere weltweite Kundschaft bleiben“, erklärt die Käuferseite – angeführt von Ansgar Lienert. Besonders stolz mache das Team, dass die verbliebene Belegschaft geschlossen hinter dem Vorhaben steht.

Ursachen für das Insolvenzverfahren

Die Wurzeln des Schwarzwälder Traditionsunternehmens reichen bis in das Jahr 1830 zurück. Im Jahr 1856 folgte die offizielle Gründung der Maschinenfabrik in St. Georgen. Über Generationen entwickelte der Betrieb eine international anerkannte Kompetenz für hochpräzise Drehbearbeitungszentren und Automatisierungslösungen. Zu den wichtigsten Kunden zählen weltweit führende Unternehmen der Automobilindustrie sowie Akteure aus Luftfahrt, Schifffahrt, Energiewirtschaft, Rüstungsindustrie und Medizintechnik. In der Corona-Pandemie litt das technologisch führende Unternehmen jedoch massiv unter weltweiten Lieferkettenproblemen und drastischen Materialkostenerhöhungen. Als die US-amerikanische Muttergesellschaft Hardinge im Sommer 2024 selbst einen Insolvenzantrag nach Chapter 11 stellen musste, entfiel die finanzielle Absicherung abrupt. Dies machte im September 2024 den Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung unumgänglich.

Erfahrenes Beraterteam begleitete Prozess

J.G.Weisser

Der gerichtlich bestellte Sachwalter Marc-Philippe Hornung von der Rechtsanwaltsgesellschaft SZA Schilling Zutt & Anschütz begleitete das Verfahren im Interesse der Gläubiger. Hornung äußert sich erleichtert über das positive Ergebnis nach einem anspruchsvollen Prozess. Er dankte der Belegschaft und den Partnern für die Geduld und die stets konstruktive Zusammenarbeit. Unterstützt wurde Hornung von der Insolvenzrechtsexpertin Katja Schmitt. Die rechtliche Begleitung sowie die Transaktionsberatung auf Käuferseite lag federführend in den Händen von Hendrik Boss von der Kanzlei Taylor Wessing. Sein Team bestand aus Julia Siedhoff und Christian Benko. Für die betriebswirtschaftliche Beratung zeichnete Lars Steinhagen mit dem Expertenteam der Allea Consult verantwortlich. Das knapp 40-köpfige Team der Beratung stellte sein fachliches Know-how bereits in mehr als 50 Betriebsfortführungen unter Beweis. Steinhagen wurde in den 21 Monaten des Projekts insbesondere durch Justin Weiland, Jens Forker, Elena Iwaschkin sowie Andreas Hummel unterstützt. Die internationale Unternehmensberatung Roland Berger begleitete den strukturierten M&A-Prozess. Die Führung lag hierbei bei Christoph Burckhart und Philipp Broscheid. Zum Team von Anchor Rechtsanwälte gehörten neben Markus Fauser auch Tobias Wahl und David Blum.

Strategische Ausrichtung der Partner

Die beteiligten Kanzleien und Beratungen verfügen über umfassende Expertise in der Restrukturierung von mittelständischen Unternehmen. Anchor ist ein Hybrid aus Anwaltskanzlei und Unternehmensberatung mit 15 Standorten und über 200 Mitarbeitenden. Die Rechtsanwälte werden regelmäßig als Insolvenzverwalter, Sachwalter oder Sanierungsgeschäftsführer bestellt. SZA Schilling Zutt & Anschütz berät seit mehr als einem Jahrhundert nationale und internationale Mandanten zu komplexen wirtschaftsrechtlichen Fragestellungen. Die Kanzlei verfügt über Büros in Frankfurt, Mannheim, München und Brüssel. Taylor Wessing engagiert sich besonders in digital geprägten Branchen wie Technologie, Life Sciences, Healthcare und Private Equity. Roland Berger ist als führende Strategieberatung mit europäischen Wurzeln weltweit in Transformationsprojekten aktiv. Im Jahr 2025 erzielte das Beratungsunternehmen einen Umsatz von über einer Milliarde Euro.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, Insolvenzen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Unternehmensnachfolgen.

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