US-Verbraucher und Exporteure tragen Last im Handelskrieg

Foto: © Miha Creative_AdobeStock
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Laut einer aktuellen Analyse von Allianz Trade zahlen US-Verbraucher und ausländische Exporteure in der überwiegenden Mehrheit der Fälle die Kosten des Handelskonflikts. Bei  rund 77 % der betroffenen Produkte würden die zusätzlichen Zölle nicht von US-Unternehmen übernommen. Lediglich bei 23% der importierten Waren tragen laut der Untersuchung amerikanische Firmen die finanziellen Mehrbelastungen, vor allem in Bereichen wie Agrarprodukten, Süßwaren und Milchprodukten. Nach Einschätzung von Allianz Trade liegt dies am starken Wettbewerb und der ausgeprägten Preissensibilität in diesen Konsumgütermärkten. Die Zölle auf Importe und wichtige Vorleistungen dürften sich im zweiten Halbjahr 2025 zunehmend auf die Verbraucherpreise in den USA auswirken. Nach Angaben von Allianz Trade planen Einzelhändler und Produzenten, die Preise für Konsumgüter wie Möbel, Textilien, Autos und Elektronik weiter zu erhöhen. Dies könnte dazu führen, dass das Wachstum der Einzelhandelsumsätze im kommenden Jahr auf unter +2 % zurückgeht. Das reale Handelsvolumen dürfte nur um ein bis drei Prozent zulegen.

Konsumgüter deutlich teurer

Nach Einschätzung von Ano Kuhanathan, Head of Corporate Research bei Allianz Trade, trifft der Handelskrieg vor allem US-Verbraucher und ausländische Exporteure. Diese müssten die Preissteigerungen auffangen. Besonders deutlich sei dies in bestimmten Konsumgütersegmenten. So verteuerten sich beispielsweise Möbel um 3,6 %, während Autos, Bekleidung, Schmuck und Schuhe um 1,2 % bis 2,3 % über dem lagen, was auf Grundlage der gestiegenen Importkosten zu erwarten gewesen wäre. Auch bei Wein zahlten Konsumenten fast 1 % mehr als die reinen Importkosten vermuten ließen. Ein weiterer Befund der Analyse betrifft die Margenentwicklung im Groß- und Einzelhandel. Laut Allianz Trade stiegen die operativen Margen der US-Großhändler im zweiten Quartal 2025 auf 3,7 %, verglichen mit 1,8 % im ersten Quartal. Bei Lebensmitteleinzelhändlern legten die Margen von 3,5 % auf 4,6 % zu. Discounter zeigten hingegen kaum Veränderungen. Daraus schließt Allianz Trade, dass insbesondere Unternehmen mit geringem Preisdruck oder Geschäftskundenfokus in der Lage waren, gestiegene Kosten an ihre Abnehmer weiterzugeben.

Zölle werden unterschiedlich weitergegeben

Die Analyse zeigt zudem deutliche Unterschiede in der Preisweitergabe je nach Produktgruppe. In Bereichen wie Tierfutter, Zucker, Tiefkühlkost oder Nudeln haben viele ausländische Exporteure ihre Preise gesenkt, um Marktanteile zu halten. In anderen Kategorien, etwa bei Spielzeug, Getränken oder Sportartikeln, gaben US-Händler die Zollkosten vollständig weiter – oft sogar überproportional, um ihre Margen auszubauen. Einige Branchen verzichteten jedoch auf Preissteigerungen. Arzneimittel und Süßwaren blieben unter den prognostizierten Preiserwartungen, da Unternehmen mit schwächerer Preissetzungsmacht die Zölle selbst absorbierten. Kuhanathan betont: „Teile der Lieferkette geben höhere Preise einfach weiter – zumindest über einen gewissen Zeitraum – um ihre Gewinne zu sichern.“ Allianz Trade verfolgt die wirtschaftliche Entwicklung von mehr als 83 Millionen Unternehmen weltweit. Die Analyse deckt nach eigenen Angaben Märkte ab, die 92 % des globalen Bruttoinlandsprodukts ausmachen.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Tech-Start-ups.

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