Misserfolg britischer Finanzinvestoren

„Ich gehe nicht frustriert. Wir werden versuchen, einen neuen Weg zurück nach Deutschland zu finden“, verkündete David Montgomery im März. Der Brite, der sich als Verleger und nicht als Finanzinvestor sieht, war gerade mit seiner Gesellschaft Mecom auf dem deutschen Medienmarkt gescheitert. Nach nicht einmal vier Jahren hat er die BV Deutsche Zeitungsholding wieder verkauft.

Britisch-amerikanische Übernahme
Im Herbst 2005 haben Mecom und Veronis Suhler Stevenson ihre BV Deutsche Zeitungsholding mit Leben erfüllt. Sie erwarben von der Holtzbrinck-Gruppe den Berliner Verlag für geschätzte 186 Mio. Euro. In weiterer Folge verleibten sich die Investoren die „Hamburger Morgenpost“, die „Netzeitung“ und das Internetportal „BerlinOnline“ ein. Die in Fachkreisen kolportierte Gesamtinvestitionssumme betrug mehr als 212 Mio. Euro. Flaggschiff war die renommierte „Berliner Zeitung“, die zuvor vergeblich gegen die Übernahme gekämpft hatte. Chefredakteur Dr. Uwe Vorkötter warf das Handtuch und wurde durch Josef Depenbrock ersetzt. In seiner Doppelfunktion als Chefredakteur und Verlagsgeschäftsführer, der er ab Sommer 2007 zusätzlich war, fuhr Depenbrock einen rigiden Sparkurs. Ziel war eine Rendite von 20%. Etwa 150 von 930 Arbeitsplätzen in der BV Deutsche Zeitungsholding standen zur Disposition.

Sparkurs für mehr Rendite
Viele Redakteure haben den Verlag freiwillig verlassen, weil sie mit der Unternehmensführung nicht mehr konnten. Die verkaufte Auflage sinkt seit dem 2. Quartal 2005 kontinuierlich von rund 180.000 auf zuletzt etwa 160.000 pro Werktag. Für viele ein Beweis für die verwässerte journalistische Qualität zugunsten höherer Gewinne. Im Jahr 2007 lagen Umsatz und Gewinn des Berliner Verlages bei 99,8 bzw. 15,3 Mio. Euro. Gegenüber 2006 wurde der Gewinn beinahe verdoppelt. Allerdings wurde dem Verlag ein Risiko aufgebürdet, indem er 2007 als weitere Gesellschaft die Haftung für ein Darlehen der BVZ Deutsche Mediengruppe Holding in Höhe von 108 Mio. Euro übernehmen musste. Duell: Chefredaktion gegen RedaktionDie heftige Kritik an ihrer mangelhaften Strategie, den nicht eingehaltenen Investitionszusagen und ihrem Chaosmanagement ließen die Investoren und Depenbrock kalt. Also ging die rebellierende Redaktion ungewöhnliche Schritte. Sie klagte – erfolglos – gegen ihren Vorgesetzten, weil sie seine Doppelfunktion als Geschäftsführer und Chefredakteur mit dem Redaktionsstatut nicht vereinbar hielten. In der TAZ schalteten die Redakteure am 2. Juli 2008 eine ganzseitige Anzeige, in der sie einen neuen Eigentümer für den Verlag suchen. „Kaufen Sie uns!“, lautete der Aufruf. Weder Montgomery noch der alte und inzwischen wieder eingesetzte Chefredakteur Vorkötter wollten auf Anfrage Stellung nehmen. In einem Spiegel-Interview schoss Vorkötter jedoch aus vollen Rohren. Dringend notwendige technische Investitionen seien ausgeblieben und das Zukunftsthema Internet sei unbearbeitet geblieben. „Jeder vierte Euro, der in die Kasse kam, wurde in britische Pfund umgewandelt und abgezogen“, sagte er.

Kölner steigen in der Hauptstadt ein
Offenbar wegen der hohen Schulden von Mecom ist der Spuk Anfang 2009 vorbei. Montgomery verkaufte seine deutschen Beteiligungen an den Kölner Traditionsverlag M. DuMont Schauberg (MDS), der den Berliner Verlag schon 2005 für mehr Geld erwerben wollte. In diesem Jahr hat MDS für das Medienpaket 152 Mio. Euro ausgegeben. Die mit 600 Mio. Euro in der Kreide stehende Mecom stieg hingegen mit einem satten Verlust aus und hat verbrannte Erde hinterlassen.


Alexander Endlweber
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Kurzprofil: Berliner Verlag GmbH
Gründung: 1945
Branche: Medien
Unternehmenssitz: Berlin
Mitarbeiter 2007: ca. 420
Umsatz 2007: ca. 100 Mio. Euro
Internet: www.berliner-verlag.de

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