Alter Glanz in neuem Gewand

Serie Unternehmerdynastien: Escada SE

Escada – seit über 30 Jahren steht der Name für exklusive Damenmode. Doch nach Missmanagement und verschlafenen Trends folgte im letzten Jahr die Insolvenz und der Verkauf an Megha Mittal, die Schwiegertochter des indischen Stahlmagnaten Lakshmi Mittal. War es das reine Interesse an Mode, oder zieht es indische Unternehmer nun vermehrt auf den deutschen Markt?
Schleichender Niedergang
1976 als Luxus-Modemarke von Margaretha und Wolfgang Ley in München gegründet, spielte Escada lange Zeit eine herausragende Rolle in der Modewelt der „oberen 10.000“. Doch von Investoren ohne offensichtlichen Grund dazu genötigt, ging der Konzern 1986 an die Börse und kaufte in der Folgezeit mehrere Firmen auf, die durch Missmanagement rasch zu Sanierungsfällen wurden. Alle Pläne, den Konzern zu sanieren, scheiterten. Im Januar 2006 trat Mitbegründer Ley als Vorstandsvorsitzender zurück, im Sommer 2008 übernahm der ehemalige Hugo Boss-Vorstand Bruno Sälzer das Ruder. Doch auch er konnte die Insolvenz nicht verhindern. Zu lange hatte Escada auf pompöse „Goldknopf-Tradition“ gesetzt, anstatt neue und moderne Modelinien zu kreieren. Schon vor der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise blieben die zahlungskräftigen Kundinnen aus. Im Geschäftsjahr 2007/2008 stand ein Verlust von 70 Mio. EUR zu Buche. Als sich im Sommer 2009 die Anleger weigerten, als Kern eines umfangreichen Rettungsplans auf mehr als die Hälfte ihrer Anteile von 200 Mio. EUR zu verzichten, war der Gang zum Insolvenzrichter unvermeidlich.
Die Inder kommen
Finanzinvestor Oaktree, Sven Ley, Sohn des Firmengründers, und Megha Mittal, ehemalige Goldman Sachs-Bankerin und Schwiegertochter des indischen Stahlmagnaten Lakshmi Mittal, warben um den Konzern. „Der Investor muss Escada auf sichere Füße stellen“, hieß es, entscheidend sei daher nicht das höchste Gebot. Während Oaktree rasch aus dem Rennen war und Escada-Mitarbeiter eine Rückkehr der alten Eigentümer-Familie Ley fürchteten, schlug das Pendel zugunsten der 33-jährigen Mittal aus. Sie hielt an der alten Führungsriege um Bruno Sälzer fest, der nicht nur rund 20 neue Manager zu Escada geholt hatte, größtenteils von Hugo Boss, sondern für Aufbruchsstimmung im Unternehmen gesorgt hatte. Im November letzten Jahres wurde der Kaufvertrag über die Escada AG mit dem Mittal-Trust unterzeichnet. 70 Mio. EUR sollen den Besitzer gewechselt haben. Geschäftsbetrieb, Mitarbeiter und Markenrechte wurden auf den Trust übertragen, sämtliche Produktionsstätten sowie Vertriebsstrukturen blieben erhalten. Schließlich wurde Escada zeitgemäß in eine Aktiengesellschaft europäischen Rechts (SE) umgewandelt. Börsenpläne gibt es jedoch nicht.
Symbol für anspruchsvolle Eleganz“
„Trotz der Schwierigkeiten in der letzten Zeit hat Escada das Potenzial, seinen Platz in der Welt der Luxus-Marken neu zu definieren und zum Symbol für anspruchsvolle Eleganz und Qualität zu werden“, so Mittal damals. Doch die Übernahme Escadas steht zugleich für den neuen Geist indischen Unternehmertums. Getrieben von Disziplin und Fleiß, haben sich Unternehmerfamilien in den vergangenen Jahren große Vermögen erwirtschaftet. Indische Firmen wurden zu Global Playern. Nun drängen sie vermehrt nach Europa und Amerika. „Globalisierung ist keine Einbahnstraße“, sagen Ökonomen. Die indische Wirtschaft boomt, und was manchem als Ausverkauf hiesiger Marken oder Technologien erscheint, ist in Wahrheit nur die logische Entwicklung der Märkte. „Escada ist für mich kein Spielzeug, ich nehme das Investment ernst“, ließ die neue Eigentümerin denn auch verlauten. Zukünftig will Escada im breiteren Luxusmarkt auftreten und nicht mehr nur im allerteuersten Segment. Noch in diesem Jahr will das Unternehmen wieder Gewinne einfahren.

Holger Garbs
redaktion@unternehmeredition.de

Kurzprofil: Escada SE
Gründungsjahr: 1976
Branche: Mode
Unternehmenssitz: Aschheim
Mitarbeiterzahl: über 4.000
Umsatz 2009: rund 280 Mio. EUR
Internet: www.escada.com

Autorenprofil
Vorheriger ArtikelStille Beteiligung
Nächster Artikel„Schrauben-König“ mit Verbindungen zu Kunst und Kultur