„Wir wollen zeigen, dass Standard-Mezzanine keine Eintagsfliege ist“ (Ausgabe 2/2008)

Die Pioniere sind zurück: HSBC Trinkaus und die Capital Efficiency Group (CEG) waren einst mit PREPS und H.E.A.T die ersten Anbieter von Standard-Mezzanine-Programmen in Deutschland und vereinen heute etwa 70% des Gesamtvolumens in diesem Bereich. Nun, da der Markt seit letztem Jahr tot ist, wie manche überspitzt sagen, übernehmen die beiden Marktführer wieder eine Vorreiterrolle und legen erstmals gemeinsam ein neues Programm auf. Im Interview spricht Michael Auracher, bei HSBC Trinkaus verantwortlich für das neue H.E.A.T Mezzanine I-2008, über den aktuellen Stand des neuen Programms, Lessons learned und mögliche Herausforderungen bei der Fälligkeit.

Unternehmeredition: Herr Auracher, nach dem Hype der vergangenen Jahre ist es seit Mitte 2007 still um die Standard-Mezzanine-Programme geworden. Erste Insolvenzen und die Subprimekrise haben zahlreiche Anbieter unter Druck gesetzt. Wie beurteilen Sie die Situation?
Auracher:
Nicht die Mezzanine-Programme haben Probleme, sondern der Kapitalmarkt. Infolge der Subprimekrise leidet die gesamte Verbriefungsbranche, egal, ob es um die Verbriefung von Kreditkartenforderungen, Autodarlehen, ganz normale Bankkredite oder eben um Mezzanine geht. Aber das hat nichts mit dem Produkt an sich zu tun. Sicher gab es einige, meist betrügerische, Insolvenzen in Standard-Mezzanine-Programmen, aber diese etwa sechs Fälle wurden aus meiner Sicht in den Medien zu heiß gekocht. H.E.A.T war übrigens nicht davon betroffen. Der Knackpunkt ist: Bei jeder dieser Insolvenzen, sei es Nici oder Rohde, mussten Banken Kreditausfälle hinnehmen, die zum Teil erheblich über den Ausfällen der Mezzanine-Programme lagen. Das hat die Presse jedoch nicht aufgegriffen. Trotz dieser Fälle braucht der Mittelstand Standard-Mezzanine. Jahrelang wurden zusätzliche vernünftige Finanzierungsinstrumente für den Mittelstand gefordert. Dann kam Standard-Mezzanine, wurde zunächst gefeiert und dann verteufelt. Heute schreibt die Presse: Standard-Mezzanine ist tot. Aber es ist offensichtlich nicht tot – denn wir machen das!

Unternehmeredition: Sie sind gerade dabei, zusammen mit der Capital Efficiency Group eine neue Mezzanine-Transaktion aufzulegen. Wie sieht Ihr Programm aus?
Auracher:
Wir planen zunächst ein Volumen von rund 250 Mio. Euro und etwa 60 bis 70 Unternehmen. Im Vergleich zu früheren Transaktionen von PREPS und H.E.A.T ist das Volumen in etwa gleich geblieben. Entscheidend ist, dass wir die Anzahl der Portfolio-Teilnehmer erhöht haben, von 32 im Jahr 2005 auf 47 2006, auf 60 2007 und nun auf 60 bis 70 Unternehmen. Wir werden dabei auch das Einzelrisiko auf etwa 2,5% begrenzen. Granularität und das Single Obligor Risk sind die entscheidenden Faktoren für die Investoren. Dieses gemeinsame Programm von CEG und HSBC ist jetzt ein erster ein Schritt, um den Markt wieder zu beleben. Sinnvoll wäre, wenn wir nächstes Jahr eine weitere Transaktion zusammen mit drei bis vier Banken auflegen könnten, mit etwa 350 bis 400 Mio. Euro Volumen und 100 Unternehmen.

Unternehmeredition: Wieso haben Sie sich jetzt zu diesem Schritt entschieden? Welche Motive stehen dahinter, das Programm zusammen mit einem Partner aufzulegen?
Auracher: Wir denken, dass der Markt langsam wieder bereit ist, Verbriefungstransaktionen aufzunehmen. Unser gemeinsames Vorgehen sehen wir als ersten Schritt hin zu einer weiteren Standardisierung der Programme, zur Bündelung der Aktivitäten auf einer Plattform. Das wird von zahlreichen Investoren gerne gesehen, die zuvor die vielen verschiedenen und teils zu kleinen Angebote am Markt kritisiert haben. Daher ist es gut, wenn wir als die beiden größten Anbieter von Programm-Mezzanine jetzt ein Zeichen setzen, auch als Signal an andere Banken. Wenn sich im nächsten Jahr drei, vier Banken entscheiden würden, eine gemeinsame Plattform aufzulegen, wäre das gut. Damit würden die Programme und die Zahl der finanzierten Unternehmen größer, die Risiken weiter diversifiziert und es gäbe eine größere Vergleichbarkeit für die Investoren sowie mehr Transparenz für die Unternehmen.

Unternehmeredition: Welche „lessons learned“ haben Sie mit einfließen lassen?
Auracher: Wir haben unsere Programme in den letzten Jahren schrittweise weiterentwickelt. So haben wir etwa variable Konditionen eingeführt. Über ein jährliches „Re-Rating“ werden die Firmen immer wieder neu bewertet und die Zinsen dabei entsprechend angepasst. Dies kam bei den Investoren extrem gut an. Wir haben auch das Reporting verschärft. Wir hatten letztes Jahr noch bonitätsabhängig alle drei bis sechs Monate Monitorings, jetzt muss jedes Unternehmen quartalsweise an uns berichten, nach genau vorgegebenen Schemata. Bei entsprechender Abweichung haben wir die Möglichkeit, rechtzeitig einzuschreiten und gegenzusteuern. Wir sind viel sensibler geworden. Auf der Quartalsebene erkennt man sehr viel früher drohende Probleme. Wenn z. B. die Umsatzzahlen einbrechen oder das EBIT sinkt, werden wir die Entwicklung mit dem Recovery Manager analysieren und je nach Ergebnis mit dem Unternehmen notwendige Maßnahmen besprechen. Eine Bonitätsverschlechterung führt beim Unternehmen auch zu steigenden Zinsen. Also haben die Firmen auch einen Anreiz, mit uns bestimmte Maßnahmen umzusetzen, um besser zu werden.

Unternehmeredition: Ist man von den Kampfkonditionen früherer Tage weggekommen – haben sich die Zinsen erhöht? Ist das für mittelständische Unternehmen noch lukrativ?
Auracher:
Kampfpreise haben für uns nie gegolten, wir haben uns ja bereits durch den höheren bonitätsabhängigen Spread deutlich unterschieden. Jetzt haben wir in Anpassung an die generelle Kapitalmarktsituation die Zinsen deutlich erhöht. Die Kurse der im Umlauf befindlichen Verbriefungspapiere sind aufgrund der Kapitalmarktkrise deutlich eingebrochen und bilden damit auf diesen Rendite-Levels die Vorgabe für neue Transaktionen. Die Zinsen in unserem neuen Standard-Mezzanine-Programm haben sich im Durchschnitt um 40% erhöht, von etwa 7 bis 8% vor einigen Jahren auf heute etwa 9 bis 12%. Sicher hat sich Standard-Mezzanine verteuert und der Preisabstand zu anderen Finanzierungsinstrumenten ist geschrumpft, aber es ist immer noch günstiger als individuelles Mezzanine.

Unternehmeredition: Sehen Sie Probleme bei der Fälligkeit der Programme in einigen Jahren, wenn die Unternehmen das aufgenommene Kapital auf einen Schlag zurückzahlen müssen?
Auracher:
Ich bin absolut sicher, dass alle Anbieter von Standard-Mezzanine ein oder zwei Jahre vor Fälligkeit darüber nachdenken werden, wie man die Situation für diejenigen Unternehmen entspannen kann. So könnten verschiedene Mezzanine-Anbieter zusammen Nachfolgetransaktionen für diese Firmen strukturieren, um deren Anschlussfinanzierung zu sichern.

Unternehmeredition: Laut Pressemitteilung vom 23. April sollen die an H.E.A.T Mezzanine I-2008 teilnehmenden Unternehmen Mitte Mai feststehen, die Platzierung soll Anfang Juli abgeschlossen sein. Wie ist der aktuelle Stand (4. Juni)?
Auracher:
Wir sind gerade dabei, das Portfolio endgültig abzuschließen. Das wird sicher kein Sonntagsspaziergang. Doch langsam aber sicher kehrt wieder Normalität in den Verbriefungsmarkt ein. In Vorgesprächen mit einzelnen Investoren haben wir bereits positive Signale erhalten. Auch aufgrund der attraktiveren Renditen durch die erhöhten Zinsen zeigen Investoren wieder Interesse. Und das ist für uns ein gutes Zeichen zu sagen: Ja, wir gehen in diesen Markt rein. Wir wollen zeigen, dass Standard-Mezzanine keine Eintagsfliege ist.

Unternehmeredition: Herr Auracher, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Markus Hofelich.
hofelich@unternehmeredition.de
Zur Person: Michael Auracher
Michael Auracher ist Head of Structured Solutions Group bei HSBC Trinkaus und verantwortet u. a. die Mezzanine-Programme der Bank. www.hsbctrinkaus.de, www.hsbc-heatmezzanine.de

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