„Interessengleichheit von Management und Aktionären wahren“

Salutaris Multiwert Superfund Interview
Bildquelle: Adobe Stock; © magele-picture

Jeder Fonds hat seine eigene Historie mit Machern und Ideen, die hinter seiner Philosophie stehen – der Salutaris Multiwert Superfund indes hat eine besondere. Diese ließen wir uns von den beiden Machern, dem Ehepaar Dr. Barbara und Michael Kollenda, persönlich erzählen.

Unternehmeredition: Frau und Herr Kollenda, vielleicht einmal kurz zu Ihrem persönlichen Hintergrund als Einstieg?

M. Kollenda: Wir sind seit mehr als 30 Jahren verheiratet und haben uns vor 34 Jahren in einer Bank im Wertpapiergeschäft kennen gelernt. Wir haben zwei Firmen, bei denen wir beide jeweils hälftig beteiligt sind – die Vermögensverwaltung Salutaris Capital Management AG sowie die Consultingfirma Prolubium GmbH. Seit Herbst letzten Jahres managen wir gemeinsam den Salutaris Multiwert Superfund. Wir streiten uns praktisch täglich hinsichtlich unserer Einschätzungen – aber stets produktiv, und so finden wir genauso täglich einen Kompromiss.

Sie haben im September 2020 wie erwähnt den Salutaris Multiwert Superfund übernommen. Der wurde Ihnen dem Vernehmen nach angeboten. Was ist das und wie ist da der Hintergrund?

M. Kollenda: Die Vorgeschichte war, dass eine unserer beiden Töchter sich beschwerte, dass unsere Anlagenstrategie nur in unserer Vermögensverwaltung und erst ab Beträgen oberhalb von 500 TEUR möglich ist. Sie meinte, dass könne nicht sein, das müsse auch für Privatanleger mit kleineren Anlagesummen möglich sein. Meine Frau hat sich dann umgesehen und mit einigen KVGs einen sogenannten Beauty Contest gemacht, um zu sehen, wer zu uns passen würde. Die Axxion S.A. aus Luxemburg hat uns dann einen Fonds angeboten, der schon seit 2005 existiert und der zum Zeitpunkt unserer Übernahme nur in ETFs angelegt war, die den gesamten Markt, jede Branche und jedes Land abdeckten. Der Fonds lief dann so wie der Markt weltweit und hatte keinerlei Alleinstellungsmerkmal.

Quelle: Onvista

Sie haben also schließlich übernommen – und die Ausrichtung des Fonds komplett umgekrempelt. Wie geht die interessante Story weiter?

B. Kollenda: Wir haben alle ETFs verkauft und den Fonds auf unsere Philosophie umgestellt, wie wir sie seit 25 Jahren in unserer Vermögensverwaltung pflegen. Und den Effekt sieht man ja sehr gut im Kurs-Chart. Ab November 2020 waren wir in unserem Sinne investiert.
M. Kollenda: Wir mögen Unternehmen, wo der Chef oder die Chefin noch selbst kocht. Es muss nicht zwangsläufig die klassische Inhaberrolle sein, aber die Gleichrichtung der Interessen sollte erkennbar bleiben, d.h. das Management soll nach unserer Philosophie mit eigenem Geld investiert sein und nicht von hohen Bezügen plus Boni und Optionen leben. Wir möchten eine Interessengleichheit von Management und Aktionären – das ist unser Kernthema.

Ich sehe als höchst gewichtete Positionen beispielsweise IBU-tec, Ökoworld, Delignit, Edel oder auch Wolftank Adisa – letztere ist aber in Österreich beheimatet.

B. Kollenda: Prima, dass Ihnen das auffällt! – genau deshalb sind wir von der etwas einengenden Formulierung ‚Deutschland‘ auf ‚deutschsprachiger Raum‘ übergegangen. An Wolftank kamen wir einfach nicht vorbei.

Die IBU-tec ist deutlich hoch gewichtet – was gefällt Ihnen bei den Thüringern besonders?

M. Kollenda: Die Kombination aus Management und Geschäftsmodell gefällt uns besonders. Das Unternehmen besteht in Anfängen schon seit 1885. Seit 1975 wird Chemieforschung und -entwicklung betrieben. Der heutige CEO Ulrich Weitz hat das Unternehmen vor 20 Jahren gekauft. Seit dem Kauf schreibt das Unternehmen ununterbrochen schwarze Zahlen. Seit Oktober 2021 ist IBU-tec der europäisch führende Hersteller für qualitativ hochwertige LFP-Batteriematerialien für die Automobilindustrie und für stationäre Energiespeicher.

Gab es in diesem Fall oder in den anderen Investmententscheidungen Einigkeit im Hause Kollenda?

B. Kollenda: So war es in vielen Fällen, sicherlich den meisten. Allerdings müssen alle unsere Investitionen unseren Value-Kriterien-Filter passieren, den wir über 20 Jahre hinweg entwickelt haben und der inzwischen über 80 Positionen hat. Unter dem Strich müssen wir beide uns immer einig sein – das ist gut für die Ehe und besser für Fondsmanagement und Vermögensverwaltung.

Investiert man im Mittelstand nicht zuallererst in Köpfe statt in Fabriken oder Geschäftsmodelle?

M. Kollenda: Das könnte man kaum trefflicher ausdrücken. Neben der Fachkompetenz muss uns das Management auch menschlich überzeugen. Bevor wir investieren, fragen wir uns immer zuallererst: ‚Würden wir den handelnden Personen einen Gebrauchtwagen abkaufen?‘ Wenn da einer von uns zuckt, sehen wir von einem Engagement ab.

Warum nur Aktien? – Zur Risikostreuung würden sich auch Anleihen mittelständischer Emittenten oder als Hybrid ggf. Wandelanleihen anbieten.

B. Kollenda: Ja, das hat in der Tat einen guten Grund. Im Jahr 2012 wurde das Insolvenz-Schutzschirmverfahren verabschiedet. Um Arbeitsplätze zu schützen, was grundsätzlich lobenswert ist. Allerdings haben die Gläubiger jetzt eine viel schwächere Position. 2012 sind wir deshalb umgehend aus allen Anleihen herausgegangen.

An welche Zielgruppe richtet sich der SALUTARIS Multiwert Superfund konkret: Gibt es einen bestimmten Zeithorizont für die Anlage?

B. Kollenda: Eine spezielle Zielgruppe haben wir ausdrücklich nicht formuliert. Das Spektrum reicht von privater Altersvorsorge für unsere Kinder und Enkelkinder bis hin zu institutionellen Investoren – entscheidend ist lediglich unser Fokus auf SmallCaps im deutschsprachigen Raum. Das Volumen des Fonds hat sich auf über 6 Mio. EUR verdoppelt – nur durch Performance. Klar ist aber, dass institutionelle Adressen stets erst einmal einen Track Record abwarten, bevor sie sich festlegen mögen.
M. Kollenda: Hin und her macht bekanntlich nur die Taschen leer. Einen Zeithorizont von sagen wir fünf Jahren halte ich für eine Investmentvoraussetzung – nicht nur beim SALUTARIS Multiwert Superfund. Einen SmallCap-Fonds kann man nur bis zu einer gewissen Größe ordentlich betreiben. Zwischen 50 und 100 Mio. EUR wäre für uns Schluss. Bei höherem Fondsvolumen bekommen Sie Probleme: Sie kommen weder günstig in Titel hinein, noch kommen Sie später wieder heraus, ohne die Kurse zu verzerren und damit selbst ‚den Markt zu machen‘.

Frau Kollenda, Herr Kollenda – ganz herzlichen Dank an Sie beide, dass Sie uns ausführlich Rede und Antwort standen!


ZU DEN PERSONEN

Dr. Barbara Kollenda und Ehemann Michael Kollenda sind Vorstände der Vermögensverwaltung SALUTARIS Capital Management AG. Gemeinsam managen sie seit Herbst 2020 den SALUTARIS Multiwert Superfund.Dr. Barbara Kollenda und Ehemann Michael Kollenda sind Vorstände der Vermögensverwaltung SALUTARIS Capital Management AG. Gemeinsam managen sie seit Herbst 2020 den Salutaris Multiwert Superfund.

Autorenprofil
Falko Bozicevic

Falko Bozicevic ist Redakteur des GoingPublic Magazins sowie verantwortlich für das Anleihen-Portal BondGuide. Seine Schwerpunkte liegen vor allem auf makroökonomischen Themen sowie Investment-Fragen rund um IPOs, Anleihen und Fonds.

 

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