„Der globale Wettbewerb wird immer härter“ (Ausgabe 2/2009)

Interview mit Gerhard Weber, Vorstand, Gerry Weber International AG

Beim Thema Damenmode kommt man in Deutschland an Gerry Weber nicht vorbei. Laut Spiegel-Studie „Outfit 6“ hat die Marke bei Frauen zwischen 30 und 64 Jahren einen Bekanntheitsgrad von 72%. Trotz Wirtschaftsflaute ist der börsennotierte Textilhersteller auf Expansionskurs.

Beim Thema Damenmode kommt man in Deutschland an Gerry Weber nicht vorbei. Laut Spiegel-Studie „Outfit 6“ hat die Marke bei Frauen zwischen 30 und 64 Jahren einen Bekanntheitsgrad von 72%. Trotz Wirtschaftsflaute ist der börsennotierte Textilhersteller auf Expansionskurs. Im Interview spricht der westfälische Familienunternehmer über seine Erfolgsrezepte gegen die Krise, die Finanzierungsstrategie des Unternehmens und die geplante Nachfolge.

Unternehmeredition: Herr Weber, trotz der Wirtschaftskrise machen Sie Schlagzeilen mit Rekordwerten. So konnten Sie im Geschäftsjahr 2007/2008 den Konzernumsatz um rund 12% auf 570 Mio. Euro und den Jahresüberschuss um rund 46% auf knapp 40 Mio. Euro steigern. Wie ist es Ihnen gelungen, der Krise zu trotzen?
Weber: Wir haben unsere Abläufe weiter verbessert, das Kostenmanagement verschärft und können als mittelgroßes Unternehmen schnell reagieren: Bei der Umsetzung von Trends, der Berücksichtigung von Wünschen unserer Geschäftspartner und bei der Lieferung der Ware. Wir produzieren pro Jahr rund 24 Mio. Teile. Wir haben unsere Kollektionen verkleinert, die Stückzahlen gleichzeitig aber erhöht. Damit erreichen wir einen Preisvorteil. Außerdem stärken wir unsere Partner im Handel: Als die Mehrwertsteuer erhöht wurde, haben wir die Preise für den Händler um 5,3% gesenkt. Der Händler kann mit unseren Marken so höhere Gewinne erzielen. Wichtig ist, dass wir für den Handel ein verlässlicher Partner sind. Wir übernehmen als vertikal aufgestelltes Unternehmen immer mehr Verantwortung am Point of Sale. Jede Kollektion, jedes Programm muss stimmen, sonst merken wir es zu allererst in unseren eigenen Stores.

Unternehmeredition: In den vergangenen Jahren haben Sie ein hohes Expansionstempo vorgelegt, etwa bei der Internationalisierung oder bei der Neueröffnung der Geschäfte Houses of Gerry Weber, die zum Teil als Franchise-Konzept betrieben werden. Können Sie dieses Wachstumstempo fortsetzen?
Weber: Ja, wir werden unsere Ziele einhalten und trotz der schwierigen konjunkturellen Rahmenbedingungen weiter expandieren. Derzeit fallen die Mieten, und wir bekommen im In- und Ausland interessante Angebote. Wir wollen rund 100 neue Houses of Gerry Weber pro Jahr eröffnen, 50% davon in Eigenregie. Dazu kommen etwa 200 neue Shops-in-Shops. Es ist uns sehr recht, wenn wir einen erfahrenen Partner für einen neuen Standort finden. Erfahrene Einzelhändler kennen die Besonderheiten ihrer Stadt und können beispielsweise sofort ein gezieltes Marketing betreiben.

Unternehmeredition: Zurzeit haben sich die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen verschärft. Wie gestaltet sich die Finanzierung bei Ihnen? Welche Instrumente nutzen Sie vor allem?
Weber: Mit einer Eigenkapitalquote von 54,6% sind wir gut am Kapitalmarkt aufgestellt und haben keine Probleme. Diese Situation erlaubt uns, die geplanten Investitionen durchzuführen. Darüber hinaus setzen wir auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Kurz- und Langfristverbindlichkeiten: bei den Langfristverbindlichkeiten auf eventuelle Schuldscheindarlehen, daneben Kurzfristverbindlichkeiten auf Monats- oder Dreimonatsbasis, um bessere Zinssätze zu erreichen.

Unternehmeredition: Zu den großen Herausforderungen von mittelständischen Unternehmen zählt die Nachfolge. Ihr Sohn hat kürzlich einen leitenden Posten bei Gerry Weber International AG übernommen und hält auch Anteile. Gibt es Pläne, ihn als Ihren Nachfolger einzuarbeiten?
Weber: Mein Sohn Ralf hat als Leiter des Controllings einen verantwortungsvollen Posten übernommen. Der Weg in den Vorstand ist sicher möglich. Aber das bestimme nicht ich, denn in einer Aktiengesellschaft wählt der Aufsichtsrat. Wir haben die Weichen zum richtigen Zeitpunkt gestellt. Zurzeit bilden wir den Vorstand zu dritt, mit Doris Strätker und Udo Hardieck. Wenn Herr Hardieck – der das Unternehmen gemeinsam mit mir gegründet hat – sich Ende Juli aus dem operativen Geschäft zurückzieht, rückt für die Bereiche IT- und Logistik Dr. David Frink in den Vorstand nach. Alles Weitere wird man sehen.

Unternehmeredition: Wie ist Ihr Ausblick für den weiteren Jahresverlauf? Wie hoch schätzen Sie die Gefahr ein, dass die Krise Sie doch noch einholt?
Weber: Der globale Wettbewerb wird immer härter. Es findet eine Fokussierung auf diejenigen Lieferanten statt, mit denen der Händler Geld verdient. Dazu gehören wir mit unseren fünf Marken. Unsere Auftragslage ist gut. Natürlich prüfen wir jeden Auftrag und überwachen unsere Renditeziele genau. Im Zweifel müssen wir uns von Kunden mit schlechter Bonität trennen. Wir wollen unsere gute Forderungsausfallquote von 0,1% nicht überschreiten. Wir werden ein schnelles Unternehmenswachstum zugunsten einer gesicherten Rendite zurückstellen. Wir haben jedoch allen Grund optimistisch zu sein: Wir sind im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres mit einem Umsatzplus von 12,2% gestartet. Mit unserer Vertikalisierungsstrategie haben wir eine eigene Unternehmenskonjunktur geschaffen, das zahlt sich nun in der gegenwärtigen Rezession aus. Wir gehen davon aus, dass wir die angestrebte EBIT-Marge von 12% erreichen können.

Unternehmeredition: Herr Weber, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Markus Hofelich.
markus.hofelich@unternehmeredition.de

Zur Person: Gerhard Weber
Gerhard Weber ist Vorstand der Gerry Weber International AG. Er gründete den westfälischen Textilhersteller 1973 gemeinsam mit seinem Partner Udo Hardieck. 1986 wurde der Markenname Gerry Weber geschaffen, drei Jahre später ging das Unternehmen an die Börse. Unter dem Dach der Holding Gerry Weber International AG werden die fünf Marken Gerry Weber, Gerry Weber Edition, G.W., Taifun und Samoon produziert, außerdem Lizenzprodukte wie Taschen, Schuhe und Schmuck. Weltweit existieren mehr als 300 Houses of Gerry Weber und über 1.400 Shopflächen. Im vergangenen Geschäftsjahr (31.10.2008) erwirtschaftete das Unternehmen mit über 2.300 Mitarbeitern einen Umsatz von 570 Mio. Euro, davon rund 45% im Ausland. Mit dem im Juni zum 17. Mal stattfindenden ATP-Rasentennisturnier Gerry Weber Open ist der internationale Bekanntheitsgrad gestiegen. www.gerryweber-ag.de

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