„Berentzen in fremde Hände zu geben, ist uns nicht leicht gefallen“ (Ausgabe 3/2008)

Interview mit Christian Berentzen, Generalbevollmächtigter, Berentzen-Gruppe AG

Am 22. Juli hat sich die Münchner Industrieholding Aurelius mit den Familien Berentzen, Wolff, Pabst und Richarz auf die Übernahme von 75,1% der Stammaktien des Traditionsunternehmens Berentzen geeinigt

Am 22. Juli hat sich die Münchner Industrieholding Aurelius mit den Familien Berentzen, Wolff, Pabst und Richarz auf die Übernahme von 75,1% der Stammaktien des Traditionsunternehmens Berentzen geeinigt. Im Interview spricht Christian Berentzen über die Hintergründe der Transaktion und die Expansionsstrategie der Berentzen-Gruppe.

Unternehmeredition: Herr Berentzen, wieso haben Sie sich für den Verkauf der Berentzen-Gruppe an eine Private Equity-Gesellschaft entschieden?
Berentzen: Die Entscheidung, Berentzen in fremde Hände zu geben, ist uns nicht leicht gefallen. Bei Aurelius handelt es sich ja nicht um eine typische Private Equity-Gesellschaft. In Gesprächen mit dem Management ist uns schnell klar geworden, dass Aurelius über umfassende Erfahrung in der Neuausrichtung von Unternehmen verfügt. Wir sind uns sicher, gemeinsam mit Aurelius die Rückkehr zu Profitabilität und Wachstum sicherstellen zu können.

Unternehmeredition: Welche Kriterien waren für Sie entscheidend bei der Auswahl des Investors?
Berentzen: In erster Linie war es die Erfahrung, der Track Record, der für uns von Bedeutung war. Was man in 250 Jahren aufgebaut hat, das vertraut man schließlich nicht jedem an. Ein Investor, der Berentzen womöglich nur kauft, um das Unternehmen in seine Einzelteile zu zerlegen, kam für uns nicht in Frage.

Unternehmeredition: Familienunternehmer stehen Finanzinvestoren nicht selten skeptisch gegenüber. Wie war es bei Ihnen anfangs, und was hat Ihre Einstellung gegebenenfalls geändert?
Berentzen: Wir haben hart mit uns gerungen. Ein Entschluss dieser Tragweite muss wachsen und reifen dürfen, bevor er feststeht. Heute wissen wir, dass wir richtig gehandelt haben – für den Fortbestand von Berentzen und zum Wohl unserer Mitarbeiter. Aurelius ist ja auch kein typischer Private Equity-Investor, sondern unterstützt als Industrieholding seine Beteiligungen in vielen Bereichen.

Unternehmeredition: Wie plant Aurelius, die Neuausrichtung von Berentzen zu profitablem Wachstum voranzutreiben?
Berentzen: Berentzen hat ja in den vergangenen Monaten bereits damit begonnen, die Kernmarken Berentzen und Puschkin Vodka wieder verstärkt zu bewerben. Aurelius will diesen Kurs weiter fortsetzen. Gleichzeitig wird auch überlegt, den alten Klassikern wie Doornkaat und Bommerlunder wieder neues Leben einzuhauchen. Die Berentzen-Gruppe vertreibt derzeit rund 60 Marken im Bereich hochwertiger Spirituosen. Es wird sicher auch zu prüfen sein, ob es Sinn macht, mit Berentzen weiterhin derart breit aufgestellt in den Markt zu gehen. Fokussierung ist die Devise.

Unternehmeredition: Können Sie darüber hinaus schon sagen, was sich konkret verändern wird?
Berentzen: Wir sind uns einig, effizienter, mutiger und entschlossener hinsichtlich der Entwicklung innovativer Produkte sowie der Gestaltung der Prozesse und Strukturen im Unternehmen zu werden.

Unternehmeredition: Wie sehen Sie die Zukunft des alkoholfreien Geschäftsfeldes Vivaris?
Berentzen: Wir sind mittlerweile der größte Pepsi-Konzessionär in Deutschland und wollen die Partnerschaft mit Pepsico weiter ausweiten. Außerdem werden wir die Dachmarke Vivaris weiter ausbauen.

Unternehmeredition: Welchen wichtigen Rat würden Sie Unternehmern in einer ähnlichen Situation für den Umgang mit Private Equity mit auf den Weg geben?
Berentzen: Es scheint in der Natur von uns Menschen zu liegen, dass wir großen Veränderungen meist skeptisch gegenüber stehen. Wenn es um Geld geht, darf man niemandem blindes Vertrauen schenken. Wer aber genau hinsieht, der kann auch in einer Industrieholding wie Aurelius einen starken Partner finden. Gerade dann, wenn in einem Unternehmen die Gestaltungsmöglichkeiten aufgrund der Gesellschafterverhältnisse eingeschränkt sind.

Unternehmeredition: Herr Berentzen, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Markus Hofelich.
markus.hofelich@unternehmeredition.de

Zur Person: Christian Berentzen
Christian Berentzen ist Generalbevollmächtigter der Berentzen-Gruppe AG für alkoholfreie Getränke und neue Produktfelder. Das im niedersächsischen Haselünne ansässige und 1758 gegründete Unternehmen produziert und vermarktet Spirituosen und Erfrischungsgetränke, darunter die Marken Berentzen, Puschkin Vodka und Bommerlunder Aquavit sowie Pepsi Cola als Lizenzmarke. 2007 erwirtschaftete es mit über 700 Mitarbeitern einen Umsatz von 185,8 Mio. Euro.