Die Puzzleteile passten schnell zusammen: Der Gründer des Barsbütteler Mess- und Regeltechnik-Spezialisten Martens Elektronik GmbH wollte sein Unternehmen verkaufen, die Hamburger BPE Unternehmensbeteiligungen war auf der Suche nach strategischen Investments in der Branche. Das Ergebnis war nicht nur eine erfolgreiche Nachfolgeregelung, sondern auch ein wichtiger Baustein für eine neue Unternehmensgruppe.

Klare und transparente Basis

Für Florian von Alten war die offiziell zum Jahresende 2008 abgeschlossene Transaktion geradezu ein „Musterbeispiel“. Denn in der Regel, sagt der Geschäftsführer der Angermann M&A International GmbH, die den Verkaufsprozess initiiert und begleitet hat, dauere der Prozess länger als die benötigten fünf Monate – und sei mitunter deutlich komplizierter. „Gerade wenn es um Nachfolgeregelungen geht, spielt viel Herzblut mit, das zuweilen auch den Blick auf die tatsächliche Lage des Unternehmens einschränkt.“ Nicht so bei Martens: Der Gründer des Mess- und Regeltechnik-Spezialisten, Hans-Joachim Martens, hatte sich klar für den Verkauf entschieden, erzählt von Alten. „Und er hatte das Unternehmen gut und transparent organisiert, für eine sehr solide Eigenkapitalquote und vernünftige Renditen gesorgt.“ Daraus, so von Alten, resultiere auch eine „realistische Markteinschätzung“ des Gründers für den Verkauf. Dessen einzige Bedingung: Das Unternehmen sollte nicht an einen Finanzinvestor gehen.

Gemeinsam stärker

Dass trotzdem die Hamburger BPE zum Zuge kam, ist für deren Partner Aman Miran Khan „mitnichten ein Widerspruch“. Denn der Spezialist für Unternehmensbeteiligungen hatte schon seit längerer Zeit ein Auge auf den großen, aber „auf der Anbieterseite fast atomisierten“ Markt der Mess- und Regeltechnik geworfen. „Das ist nach wie vor eine deutsche Domäne“, betont Miran Khan, „vergleichbar mit der Automobilindustrie oder dem Maschinenbau – natürlich nicht bei den Zahlen, aber bei der Bedeutung durchaus.“ Die BPE hatte bereits die Greisinger Electronic GmbH in Regenstauf und die Honsberg Instruments GmbH in Remscheidt übernommen und auch dort die Unternehmensnachfolge mit einem branchenerfahrenen Manager im Rahmen eines Management Buy-in (MBI) gelöst. Die Strategie, aus den drei Firmen eine insgesamt schlagkräftigere Unternehmensgruppe zu formen, überzeugte schließlich auch Hans-Joachim Martens. „Wir wollen so die Vorteile von kleinen, flexiblen Technologieunternehmen erhalten und sie mit den Verbundeffekten der Gruppe stärken“, erklärt Aman Miran Khan. Die nun unter dem Dach der Holding GHM Messtechnik gebündelten Produktprogramme ergänzen sich, auch der Vertrieb profitiert so vom Verbund. 2009 erreichte die Gruppe einen konsolidierten Umsatz von rund 25 Mio. EUR – was Miran Khan angesichts der gegenwärtigen Wirtschaftslage „sehr ordentlich“ findet.

Buy-and-Build-Strategie

Aktuell wird die Unternehmensgruppe um einen vierten Baustein erweitert. „Unsere Buy-and-Build-Strategie hat sich bislang nicht nur sehr gut materialisiert, sondern lebt auch von innen“, sagt Aman Miran Khan. Denn in der GHM-Holding ist neben dem MBI-Manager auch ein großer Teil der Gesellschafter und leitenden Mitarbeiter der Einzelfirmen nach wie vor eingebunden – sowohl als aktive Geschäftsführer als auch als Anteilseigner. So ruhe der Kurs der BPE, der Gruppe nicht nur insgesamt mehr Gewicht zu verschaffen, sondern sich auch für den internationalen Wettbewerb gut aufzustellen, auf vielen Schultern, betont Miran Khan. Gemeinsam sei man dabei, im kleinteiligen Markt ein Puzzleteil von Bedeutung zu formen.

Lars Radau
redaktion@unternehmeredition.de

Kurzprofil: Martens Elektronik GmbH
Gründungsjahr: 1988
Branche: Mess- und Regeltechnik
Unternehmenssitz: Barsbüttel (bei Hamburg)
Mitarbeiter: 50
Umsatz 2009: k.A. (GHM-Gruppe: 25 Mio. EUR)
Internet: www.martens-elektronik.de