Die Felss Gruppe kann auf eine über hundertjährige Firmenhistorie zurückblicken und hat sich in dieser Zeit als Spezialist für Umformtechnik auch international einen Namen gemacht. Seit Ende 2009 trägt eine stille Beteiligung der MBG Baden-Württemberg und der S-Kap zum Unternehmenserfolg bei.

„Make oder buy“ als Geschäftsmodell

Bei Felss fährt man zweigleisig: Für die Kunden, vorwiegend aus der Automobilindustrie, baut die Unternehmensgruppe – genauer gesagt die Töchter Felss GmbH und Felss Burger GmbH – einerseits Maschinen. Andererseits fertigt der zweite Geschäftsbereich der Gruppe unter der Marke Rotaform mit Werken in Deutschland, der Schweiz, den USA und China solche Komponenten auch selbst in Serie und wird somit selbst zum Automobilzulieferer. Nach dem Motto „make oder buy“ kann der Felss-Kunde also entweder die Maschine bestellen und Bauteile wie Lenk-, Antriebs-, Motor- und Getriebewellen selbst herstellen oder sich die fertigen Komponenten liefern lassen. Von den innovativen Rundknet- und Axialformverfahren haben sich schon namhafte Kunden in- (z.B. Daimler, VW, ZF) und außerhalb Deutschlands (z.B. Citroën, NTN) überzeugen lassen. 2008 konnte Felss so noch mit einem Rekordumsatz von fast 100 Mio. EUR glänzen – um 2009 unsanft von der Finanz- und Wirtschaftskrise getroffen zu werden: Der Umsatz brach auf rund 73 Mio. EUR ein. „Die Wirtschaftskrise hatte 2009 eine nachhaltige Auswirkung auf unseren Geschäftsverlauf mit entsprechenden Konsequenzen für Umsatz und Ergebnis“, resümiert Christine Kienhöfer, die geschäftsführende Gesellschafterin der Felss Holding GmbH.

Stille Beteiligung macht Bilanz „wetterfest“

Auch der eine oder andere Bankenpartner zeigte auf einmal Zurückhaltung gegenüber dem Automobilzulieferer. Schnell war klar, dass man sich für die Finanzierung von Innovationen und der Expansion im Ausland alternative Kapitalquellen suchen muss. Eine Stärkung der Eigenkapitaldecke rückte in den Vordergrund. „Felss musste zunächst die Bilanz wetterfest machen, da damals die Zukunft dieser Branche als unsicher eingestuft wurde“, erinnert sich Steffen Schneider von Fox Corporate Finance (FCF). Kienhöfer hatte den Managing Director des Münchner Beratungsunternehmens auf dem Structured Finance Day 2008 in Karlsruhe kennengelernt und mit der Suche nach einem geeigneten Kapitalgeber für Felss beauftragt. Schneider: „Wir haben den Prozess von Anfang an begleitet – von der Vorbereitung über die Identifizierung potenzieller Investoren bis hin zu Gesprächen und Verhandlungen.“ Und das mit Erfolg: Mit der MBG Baden-Württemberg und der S-Kap, der Beteiligungsgesellschaft der Sparkasse Pforzheim-Calw, fand man zwei Investoren, die bereit waren, sich mit einer typisch stillen Beteiligung zu engagieren. „Die Felss-Gruppe überzeugt nicht nur technologisch, sondern auch unternehmerisch. Das Unternehmen ist nach wie vor inhabergeführt, mittelständisch geprägt, und trotzdem in professioneller Weise in der Lage, die Kunden sogar weltweit zu begleiten“, schwärmt Harald Kimmerle von der MBG Baden-Württemberg.

Schon viel Erfahrung mit Mezzanine

S-Kap war über die Sparkasse Pforzheim Calw schon als Fremdkapitalgeber mit Felss verbunden und gab zunächst 1,5 Mio. EUR. Als dann die MBG ebenfalls 1 Mio. EUR bereitstellte, erhöhte S-Kap noch um zusätzliche 0,5 Mio. EUR. „Am Ende flossen dann 3 Mio. EUR in zwei Stufen, Ende 2009 und Anfang 2010″, fasst Schneider zusammen. Die stille Beteiligung hat eine Laufzeit von zehn mit einer Kündigungsmöglichkeit nach fünf Jahren sowie einen fixen, einen erfolgsabhängigen und einen endfälligen Zinssatz. Das Geld wurde in die Holding eingebracht, die es dann an ihre operativen Töchter weitergab. Es war nicht das erste Mal, dass Felss Mezzanine und andere alternative Finanzierungsmittel nutzte. “ Wir haben aktuell noch das Genussrechtskapital PREPS. Von 1988 bis 2001 haben wir jedoch auch mit einer echten Beteiligung eines Finanzinvestors gute Erfahrungen gemacht“, erzählt Kienhöfer. Und mit dem Mezzanine-Kapital im Rücken konnte Felss entspannt den Wirtschaftsaufschwung abwarten. „In der Komponentenfertigung sind wir 2010 bereits wieder sehr gut ausgelastet, und im zweiten Halbjahr kann auch das Maschinenbauunternehmen wieder einen sehr guten Auftragseingang verzeichnen“, freut sich die Felss-Chefin.