Stille Beteiligung und Kreditabsicherung

 

Die Ackermanns Haus Flüssiges Obst GmbH & Co. KG stellt Fruchtsäfte und andere Getränke her, ist aber zusätzlich bekannt durch seine Babynahrung (Marke Kinella). Die Bürgschaftsbank Sachsen half Anfang 2009 bei der Überbrückung eines Liquiditätsengpasses. Zudem ist die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Sachsen still an dem Unternehmen beteiligt.

Seit 1991 wieder in Familienbesitz

Seit 76 Jahren schon gibt es Babynahrung der Familie Ackermann aus dem Vogtland. Branchenprimus in Deutschland ist zwar Hipp, aber die Ackermann-Marke Kinella ist im Gebiet der früheren DDR die Nummer eins – deutschlandweit ist sie bei Babysäften an zweiter Stelle. 1991 war das Unternehmen aus der staatlichen Eigentümerschaft wieder in Familienbesitz zurückgeführt worden. Etwa 12 Mio. Flaschen Babysäfte stellt das Unternehmen jährlich her. In den 30er Jahren hatte Gründer Martin Ackermann ganz klein angefangen und damit begonnen, aus dem Obst der Kleingärtner in der kleinen Siedlung Ellefeld Saft zu pressen. Durch diese Idee entstand im September 1934 die Firma „Frithma Ackermanns Haus Flüssiges Obst“.

Produkteinführung „Kinella“

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Produktionspalette in der DDR nach und nach erweitert: Süßmoste, Fruchtsirupe, Frucht- und Gemüsesäfte, Tomatenketchup und anderes wurde produziert, der Betrieb wuchs. Im Laufe der 60er Jahre spezialisierte sich das Unternehmen dann auf die Herstellung von flüssiger Säuglingszusatznahrung. Mit der Enteignung 1972 änderte sich der Firmenname in „VEB Kindernahrung Ellefeld“ – kurz „Kinella“. Seit der Reprivatisierung im Jahre 1991 heißt sie nun „Ackermanns Haus Flüssiges Obst GmbH“ – oder kurz Ackermanns Haus. Das Unternehmen wird heute in dritter und vierter Generation von Wilfried Ackermann und seinen Kindern Melanie und Dominik Ackermann geführt.

Preisexplosion bei Rohstoffen

Die Geschäfte liefen gut, doch die Krise 2008 erfasste auch dieses Unternehmen. Die Preise für die benötigten Rohstoffe – wie Äpfel, Südfrüchte oder Apfelsaftkonzentrat – waren enorm gestiegen, nicht nur wegen schlechter Ernten, sondern auch wegen der in vielen Bereichen ausufernden Spekulationen. Zum Beispiel schoss der Preis für eine Tonne Zitronen binnen zwei Jahren zwischen 2006 und 2008 von 700 auf 7.000 USD – eine Verzehnfachung. Auch hochqualitative und für Babykost geeignete milde Äpfel aus Griechenland und Italien wurden sehr teuer, aber man konnte wegen der Qualitäts- und Geschmackserfordernisse nicht einfach auf billigere Ware umsteigen. Während im Einkauf die Preise nach oben schnellten, versuchten auf der Verkaufsseite die Discounter die Preise zu drücken.

Hilfe aus Konjunkturpaket I

Insbesondere die Preisexplosion im Einkauf führte bei Ackermanns Haus zu einem außerordentlichen Liquiditätsbedarf von 700.000 EUR. Die Hausbank – selbst in der Krise zu jener Zeit im Herbst 2008 – war nicht bereit, die Lücke zu schließen. Sie empfahl, die bdp Venturis Management Consultants in Berlin dazu zu holen – eine Beratung für Finanzierungen und Restrukturierungen im Mittelstand. Deren Geschäftsführer Dr. Michael Bormann prüfte den Businessplan und vermittelte bei der Bereitstellung einer Finanzierungshilfe aus dem Konjunkturpaket I der Bundesregierung. Dafür erstellte er eine „positive Fortführungsprognose“ für das Unternehmen, die Voraussetzung für Hilfen aus dem Konjunkturpaket war. Da nun die Bürgschaftsbank Sachsen 90% der Kreditsumme verbürgte, stellte die Hausbank im März 2009 den benötigten 700.000-EUR-Kredit mit fünf Jahren Laufzeit zur Verfügung. „Das ging alles in allem dann recht schnell über die Bühne – etwa zweieinhalb Monate nach Antragstellung“, erinnert sich Bormann.

Kombination Bürgschaft/Beteiligung

„Alle Unternehmen mit einem sinnvollen betriebswirtschaftlichen Konzept können einen Antrag auf eine Bürgschaft, eine stille Beteiligung oder eine direkte Beteiligung stellen – oder eine Kombination davon“, sagt Heidi Beerhold von der Bürgschaftsbank. Sie vertrat zugleich die MBG Sachsen. Diese war bereits 2007 eine stille Beteiligung bei Ackermanns Haus eingegangen – und hatte so den Rückkauf von zuvor an eine Schweizer Beteiligungsfirma verkaufter Anteile (49%) finanziert. „Damit hatten wir unsere unternehmerische Unabhängigkeit wieder zurückerlangt“, erklärt Wilfried Ackermann. Aber er will nicht vergessen, wer entscheidend zum Überleben des Unternehmens beigetragen hat. „Unsere Lieferanten haben uns wirklich geholfen, indem sie die Zahlungsziele um 100% verlängert haben.“ Er habe aus der Krise gelernt, sagt Ackermann. „Wir verhandeln heute härter mit dem Handel. Wegen der Rezession hat sich das Wettbewerbsumfeld im Bereich Babynahrung ausgedünnt – es gibt weniger Wettbewerber. Dadurch hat sich unsere Verhandlungsposition verbessert.“ Heute ist das Unternehmen wieder auf einem guten Weg. Etwa 45% des Umsatzes werden mit Babynahrung gemacht, etwa 55% mit Fruchtsäften und anderen Getränken.

Artikel und Interview: Bernd Frank
redaktion@unternehmeredition.de

Kurzprofil: Ackermanns Haus „Flüssiges Obst“ GmbH & Co. KG
Gründungsjahr: 1934
Branche: Nahrungsmittel
Unternehmenssitz: Ellefeld
Mitarbeiterzahl: 68
Umsatz 2009: 12,5 Mio. EUR
Internetadresse: www.ackermanns-haus.de

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