Stille Beteiligung (Ausgabe 1/2010)

Härtsfelder Familienbrauerei Hald: Erfolgreiche Neupositionierung im Zuge des Generationswechsels

Als bei der traditionsreichen Härtsfelder Familienbrauerei Hald in Dunstelkingen der Junior das Ruder übernahm, standen entscheidende Weichenstellungen an. Letztlich ging es dabei um nicht weniger als den Fortbestand des Familienunternehmens
Als bei der traditionsreichen Härtsfelder Familienbrauerei Hald in Dunstelkingen der Junior das Ruder übernahm, standen entscheidende Weichenstellungen an. Letztlich ging es dabei um nicht weniger als den Fortbestand des Familienunternehmens, der nur durch eine geschäftliche Neuausrichtung und umfangreiche Erweiterungsinvestitionen gesichert werden konnte. Wesentliche Voraussetzung dafür war ein Finanzierungskonzept, bei dem das Engagement der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft Baden-Württemberg eine wichtige Rolle spielte.
Neuausrichtung eines Familienunternehmens
Bis zurück in das Jahr 1664 reichen die Anfänge der Härtsfelder Familienbrauerei, und schon seit 1916 befindet sich der Betrieb im Familienbesitz. Der heutige Eigentümer Christoph Hald hatte das Unternehmen im Jahr 1999 von seinen Eltern übernommen und stand vor der Herausforderung, die Brauerei für die nächsten Jahrzehnte fit zu machen. Konkurrenzfähig, so viel war klar, würde der Familienbetrieb bei einer klaren regionalen Ausrichtung mit zusätzlichem überregionalen und internationalen Engagement sowie einer deutlichen Erweiterung der Kapazitäten bleiben. Die Brauerei in ihrer damals vorhandenen Form war bereits in den 60er Jahren gebaut worden und auf eine Kapazität von 8.000 Hektoliter ausgerichtet gewesen. Mittlerweile aber lag der Getränkeausstoß bei einem Vielfachen, was schon damals nur noch mühsam bewältigt werden konnte. „Ein Teilneubau war dringend notwendig, wenn das Unternehmen dauerhaft eine Zukunft haben sollte“, erinnert sich Hald.
Umfassendes Finanzierungskonzept
Zusätzlich zum alten Standort mit Sudhaus und Gärkeller sollte ein neuer Abfüllbetrieb samt Logistiklager und Verwaltung entstehen. Doch wie würde die Finanzierung aussehen? „Zukünftige Kostenreduzierungen durch die neuen effizienteren Anlagen fanden ebenso statt wie die Eigenmittelberücksichtigung; darüber hinaus konnte das Unternehmen aber auch ein breites Spektrum weiterer Kapitalquellen nutzen“, erläutert Unternehmensberater Dr.-Ing. Thomas Ehrhorn aus Hannover, der dem Firmenchef bei der technischen wie finanziellen Planung zur Seite stand. Eine dieser Quellen waren öffentliche Förderdarlehen für Existenzgründer, die Hald als Unternehmensnachfolger in Anspruch nehmen konnte. Für einen Großteil der Finanzierung stand zudem ein Kredit der Heidenheimer Volksbank zur Verfügung. Wichtiger Bestandteil war aber auch eine stille Beteiligung der MBG Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Baden-Württemberg in Höhe von damals 1 Mio. DM. „Wir wollten mit Blick auf eine dauerhaft solide Basis einen zu starken Fremdkapitalanteil vermeiden“, sagt Ehrhorn.
Partnerschaft mit Beteiligungskapital
Aufgrund ihrer langfristigen Ausrichtung auf zehn Jahre und der Option auf Verlängerung hat diese stille Beteiligung den Charakter von Eigenkapital. Auch für die Bank war das Engagement der Beteiligungsgesellschaft ein wichtiges Signal. Zeigte es doch, dass ein bedeutender Kapitalgeber an den Erfolg der Investition glaubte. „Der Unternehmensnachfolger hat uns mit seinem zukunftsorientierten Konzept von Beginn an überzeugt“, bestätigt MBG-Geschäftsführer Guy Selbherr. Nicht minder wichtig: Brauereichef Hald musste für die stille Beteiligung weder Sicherheiten stellen noch während der Laufzeit Tilgungszahlungen leisten. Die jährliche Vergütung ist fix. Zusätzlich gibt es eine variable Komponente, die in Jahren eines erwirtschafteten Gewinns fällig wurde.
Erfolgreich im Markt positioniert
Der Familienbetrieb kann heute auf einen gelungenen Generationswechsel zurückblicken. Der Neubau wurde bereits im Sommer 2000 fertig. Drei Jahre danach folgten die Übernahme einer Öko-Brauerei und parallel dazu die Unterzeichnung der Bioland-Partnerschaft, die mittlerweile wesentlicher Bestandteil des strategischen Konzepts ist. Diese Mischung aus Tradition und Ökologie kommt heute ebenso wie die um diverse Softgetränke erweiterte Produktpalette auch bei Abnehmern im europäischen Ausland an. Der Umsatz ist bei einem Getränkeausstoß von rund 70.000 Hektolitern im Jahr selbst in Zeiten der Wirtschaftskrise stabil geblieben. Nicht minder erfolgreich gestaltete sich die Zusammenarbeit mit dem Beteiligungspartner, der über Quartalsreportings regelmäßig über den Geschäftsverlauf informiert wurde. Die Option auf eine Verlängerung der Laufzeit muss die Brauerei nun nicht ziehen. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und können die Beteiligung zurückzahlen“, sagt Hald.
Norbert Hofmann
redaktion@unternehmeredition.de

Kurzprofil: Härtsfelder Familienbrauerei Hald
Gründungsjahr: 1664
Branche: Nahrungsmittel
Unternehmenssitz: Dunstelkingen
Mitarbeiter: 35
Umsatz 2009: ca. 4 Mio. EUR
Internet: www haertsfelder.de
„Wir orientieren uns vorrangig an der Zukunftsperspektive des Unternehmens“
Interview mit Guy Selbherr, Geschäftsführer, MBG Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Baden-Württemberg
Unternehmeredition: Herr Selbherr, Sie haben die Neuausrichtung der Härtsfelder Brauerei über eine stille Beteiligung mitfinanziert. Ist ein solches Engagement typisch für die MBG, und wie überschaubar sind die Risiken?
Selbherr: Baden-Württemberg hat mit rund 180 Brauereien die zweitgrößte Brauereidichte in Deutschland, und damit ist diese Branche auch für uns ein Thema. Andererseits gibt es in diesem Markt viele kleinere Betriebe, die in ihrer Existenz bedroht sind. Da muss man sich das Geschäftsmodell schon genau ansehen. Im Fall der Härtsfelder Brauerei hat der Nachfolger ein tragfähiges Konzept vorgelegt: vom Schritt zur überregionalen Brauerei mit erweiterten Kapazitäten bis hin zur Ausrichtung auf die Bioschiene.
Unternehmeredition: Welche Rolle spielen die Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften generell bei der Nachfolgefinanzierung?
Selbherr: Das ist für alle ein Thema. Bei uns steht die Unterstützung der Nachfolge inklusive der Existenzgründungen für etwa 15 bis 20% des Neugeschäfts. Wir engagieren uns sowohl bei familieninternen wie auch bei externen Regelungen und verbessern dabei den Gestaltungsspielraum erheblich. Wir verlangen dabei keine Sicherheiten, sondern orientieren uns vorrangig an der Zukunftsperspektive des Unternehmens.
Unternehmeredition: Was sind die besonderen Vorteile einer stillen Beteiligung?
Selbherr: Sie tritt nach außen nicht in Erscheinung, und wir mischen uns auch nicht in das operative Geschäft ein. Wegen der langfristigen Ausrichtung wirkt sie dennoch wie Eigenkapital. Im Gegensatz zu einer direkten Beteiligung partizipiert ein stiller Gesellschafter nicht am Firmenwert, auch wenn das Unternehmen wächst und an Wert gewinnt. Nicht minder wichtig: Wir geben unsere Beteiligung am Ende der Laufzeit nicht an Dritte weiter, sondern der Unternehmer zahlt sie einfach zurück.
Unternehmeredition: Wie entwickelt sich die Nachfrage nach Nachfolgefinanzierungen?
Selbherr: Sie war 2009 leicht rückläufig, weil die Unternehmen wegen der Wirtschaftskrise mit niedrigeren Verkaufspreisen für ihre Betriebe rechneten. Viele haben auch den Ausgang der Bundestagswahlen und deren Auswirkungen auf das Erbschaftsteuerrecht abgewartet. Auf der Käuferseite dagegen registrieren wir eine starke Nachfrage von Existenzgründern, die gerne eine Firma zu günstigen Einstiegspreisen übernehmen würden. In Frage kommen dabei heute zunehmend auch insolvente Unternehmen, die vom Insolvenzverwalter zum Verkauf angeboten werden. Bei solchen Transaktionen stehen wir gemeinsam mit der Bürgschaftsbank Baden-Württemberg ebenfalls für Finanzierungen bereit.
Unternehmeredition: Herr Selbherr, vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Norbert Hofmann.
redaktion@unternehmeredition.de

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