TEamspirit: Jeder Mitarbeiter muss sich den Gegebenheiten anpassen.
TEamspirit: Jeder Mitarbeiter muss sich den Gegebenheiten anpassen.

Seit über 100 Jahren steht die Alfred Ritter GmbH & Co. KG – besser bekannt als Ritter Sport – für Schokolade im praktischen Format, aber auch für partnerschaftliche und familiäre Zusammenarbeit auf allen Hierarchieebenen. Mit nunmehr rund 1.500 Mitarbeitern weltweit, von denen etwa 1.000 am Weltmarken-Standort im baden-württembergischen Waldenbuch arbeiten, wuchs das Familienunternehmen über die vergangenen Jahrzehnte vom Mittelständler zum Global Player. Eine erfolgreiche Entwicklung, die den Schokoladenhersteller vor eine unternehmenskulturelle Herausforderung stellt, kann sie doch ein zunehmendes Silo-Denken der einzelnen Abteilungen mit sich bringen.

Um den Gemeinschaftssinn langfristig zu stärken, setzte Ritter Sport auf die Unterstützung des Instituts für Leistungs-Humanismus aus Aachen. Im Frühjahr 2016 kamen die Experten für Führung und Teamentwicklung ins Unternehmen, um in einem zweijährigen Prozess Gruppenkonstellationen zu reflektieren sowie die Potenziale der einzelnen Mitglieder zu ermitteln.


Erster Schritt: Selbstreflexion

Das Silo-Denken aufbrechen, die Zusammenarbeit sowohl abteilungs- und hierarchieübergreifend als auch abteilungsintern verbessern und das Wir-Gefühl stärken – das waren die erklärten Ziele der Zusammenarbeit mit den externen Beratern. „Der erste wichtige Schritt in Richtung einer funktionierenden Gemeinschaft ist die Selbstreflexion des Einzelnen: Welche Rolle spiele ich im Team? Und in welchem Verhältnis stehen die individuellen Ausprägungen meiner Persönlichkeit zu den Ausprägungen anderer Menschen?“, erklärt Peter Boltersdorf, Inhaber des Instituts für Leistungs-Humanismus. Für seine Arbeit mit Menschen nutzt er das wissenschaftliche Analyseinstrument Luxxprofile.

Dieses wurde in Zusammenarbeit mit dem psychologischen Institut der Universität Luxemburg entwickelt, wobei man langjährige Ansätze in der Persönlichkeitsdiagnostik entscheidend verbesserte: Unter der Leitung von Prof. Dr. Samuel Greiff und Dr. Christoph Kemper wurden moderne Erkenntnisse der Motivationsforschung sowie der Testtheorie verarbeitet. Mit einem humanistischen Ansatz entstand eine präzise Persönlichkeitsdiagnostik, welche die soziokulturellen Gegebenheiten berücksichtigt.

In der Anwendung bildet das standardisierte psychologische Testverfahren wertfrei die grundlegenden und über die gesamte Lebensdauer stabilen Antriebe eines jeden Menschen ab. Nutzer erhalten nach Beantwortung von 144 methodisch erprobten Fragen eine detaillierte Übersicht der spezifischen Ausprägungen in 16 klar getrennten Motiven, zu denen etwa Neugier, Prinzipien oder Einfluss gehören. Diese werden in Relation zur wissenschaftlich erfassten Norm gesetzt und zeigen deutlich, wie sich die Persönlichkeit eines Einzelnen im Vergleich zum Rest der Bevölkerung verhält. Gerade in der professionellen Anwendung und für ein zielorientiertes Arbeiten an Unternehmens- und Führungskultur, Personalentwicklung und Teambuilding ergeben sich auf diese Weise vielfältige Möglichkeiten.

Potenziale ermitteln und nutzen

In einem Top-Down-Prozess machte sich mithilfe des Testverfahrens und eines anschließenden Auswertungsgesprächs zunächst die Geschäftsführung, nachfolgend die zweite und dritte Führungsebene, die spezifischen Ausprägungen ihrer individuellen Persönlichkeit bewusst.

Auf die Einzelauswertung im Gespräch mit den Aachener Spezialisten für Persönlichkeitsdiagnostik folgten Gruppencoachings mit zwei oder mehr Teilnehmern, in denen die einzelnen Profile miteinander verglichen wurden. Die Selbstreflexion führt im Ergebnis zu mehr Zufriedenheit und Selbstakzeptanz, die wiederum die Wertschätzung und den Respekt für andere positiv beeinflussen. Heute sorgen die Teambesprechungen für mehr Verständnis für das Handeln und Verhalten anderer – Potenziale können somit gezielter eingesetzt werden.

 Singen, bis die Silos sich auflösen

Besonders intensiv arbeitete die Abteilung International Sales and Markets mit dem Institut für Leistungs-Humanismus zusammen. Hier erhielten alle 28 Mitarbeiter ihr individuelles Persönlichkeitsprofil und ließen sich anschließend auf eine ungewöhnliche Methode zum Teambuilding ein: Mit professioneller Unterstützung entwickelten die Kollegen innerhalb von zwei Tagen einen eigenen Song über die Werte der Abteilung – und sangen ihn schließlich selbst ein. Die Vorbehalte gegenüber der musikalischen Maßnahme verflogen schnell. Die Effekte dieser kreativen Gemeinschaftsarbeit: Das internationale Team erklärte sich mit dem Song zum Silobreaker und hat dieses Selbstverständnis im Umgang miteinander und mit Anderen verinnerlicht.

Veränderungen jeder Art müssen von allen Beteiligten mitgetragen werden, damit sie langfristig erfolgreich sind. Entscheidend ist, dass die Ziele und Werte des Wandels emotional in den Menschen verankert sind. Das gelingt besonders gut, wenn sie mit einem positiven Erlebnis verknüpft werden – der eigene Song ist hier ein gutes Mittel.

 Wir-Gefühl nachhaltig gestärkt

Die Silos sind gebrochen, das Wir-Gefühl ist gestärkt – der Schokoladenhersteller ist zufrieden mit dem positiven Ergebnis. „Unsere Kommunikation hat sich über die Grenzen der Abteilungen hinweg noch einmal entscheidend verbessert“, bestätigt Personalleiter Frank Mummert.

Denn für sehr viele Situationen im Arbeitsalltag ergeben sich entscheidende Erkenntnisse, von denen alle Beteiligten gleichermaßen profitieren, weiß der Personalleiter: „Bei einer zufälligen Teamkonstellation muss sich jeder Mitarbeiter den Gegebenheiten anpassen und möglicherweise Aufgaben übernehmen, die ihm nicht liegen. Wenn wir um die Persönlichkeitsausprägungen unserer Kollegen wissen, können wir diese optimal nutzen und unsere Abteilungen viel leistungsfähiger machen – und unsere Mitarbeiter zufriedener.“


Zur Person

 

Svenja Klinkenberg ist Arbeits- und Organisationspsychologin (Motivation Consultant) beim Insitut für Leistungs-Humanismus.

www.how-to-handle-personality.com