Management Buyout (Ausgabe 3/2008)

Maredo Restaurants Holding GmbH: Saftige Steaks und südamerikanisches FlairDie Systemgastronomie ist seit den 1970er Jahren auf dem Vormarsch: Inzwischen gibt es in Deutschland eine Vielzahl von Restaurantketten, die speziell in den Innen-städten vertreten sind

Die Systemgastronomie ist seit den 1970er Jahren auf dem Vormarsch: Inzwischen gibt es in Deutschland eine Vielzahl von Restaurantketten, die speziell in den Innenstädten vertreten sind. Ein Beispiel sind die Steakhäuser „mit dem argentinischen Stier“ unter dem Dach der Maredo Restaurants Holding GmbH. Das Unternehmen, das eine ambitionierte Wachstumsstrategie verfolgt, ist seit kurzem mehrheitlich im Besitz des Finanzinvestors ECM.

For sale
Ein Interieur im unbeschwerten Stil südamerikanischer Grillrestaurants und ein kulinarisches Angebot, das vor allem Steaks, aber auch Salate, Lamm, Geflügel, Schwein und Fisch umfasst – das ist das Rezept der Steakhauskette Maredo. Alle Filialen folgen diesem standardisierten Konzept. Management, Controlling, Marketing und PR werden zentral von der in Düsseldorf ansässigen Maredo Restaurants Holding GmbH gesteuert. Die Wurzeln der Kette liegen auf dem Berliner Ku’damm, wo das Unternehmen 1973 sein erstes Restaurant eröffnete. 20 Jahre später, 1994, zogen sich die Gründer Manfred Holl, Karl-Heinz Reinheimer und Udo Schlote aus dem Geschäft zurück und verkauften Maredo an den britischen Brauerei- und Gaststätten- Konzern Whitbread. Whitbread hatte in Deutschland seit 1990 die Steakhauskette Churrasco betrieben. Mit der Übernahme von Maredo stieg Whitbread auf einen Schlag zu Deutschlands Nummer eins der Steakhaus-Betreiber auf. Ab 1999 stellte der Whitbread-Konzern die Marke Churrasco schrittweise auf Maredo um, mit dem Ziel, flächendeckend eine starke Marke zu etablieren. 2005 verordnete sich Whitbread eine strategische Schlankheitskur und stieß einige seiner Geschäftsfelder ab, darunter auch Maredo. Diese Chance ergriff der bisherige Geschäftsführer Uwe Büscher und übernahm gemeinsam mit weiteren Managern und den Finanzinvestoren ECM, Parcom Capital und Fortis Private Equity Maredo. Nach dem Management Buyout schloss die Geschäftsführung unrentable Restaurants und eröffnete fünf neue Steakhäuser in günstigeren Lagen.

Auf Expansionskurs
Heute betreibt Maredo 57 Restaurants in Deutschland und drei Restaurants in Österreich. Nach Umsatz und Zahl der Restaurants ist Maredo Marktführer im Steakhaussegment und hat die Nase vorn vor Konkurrenten wie der Hamburger Kette Block House. Im gesamten deutschen Gastronomiemarkt belegt Maredo nach einem Ranking der Zeitschrift Food-Service Rang 17 – eine Platzierung, die das Management anspornt, in den nächsten Jahren in die Top 10 der Restaurantketten einzuziehen. Das Wachstum sollte ein zweiter Management Buyout finanzieren: Im Frühjahr kauften ECM und das Maredo Management den bisherigen Co-Anteilseigner Parcom Capital und Fortis Private Equity ihre Anteile ab. Auch das Management stockte bei diesem Schritt seine Anteile auf. Das Wachstumspotenzial in Deutschland beziffert das Unternehmen auf 100, in Österreich auf 15 Steakhäuser. Bei der internationalen Expansion setzt Maredo auf Franchising und steht in Verhandlungen mit Franchisenehmern in Osteuropa und im arabischen Raum. Um weitere Zielgruppen zu erschließen, ist zusätzlich ein neues Restaurantkonzept unter dem Dach von Maredo in der Vorbereitungsphase. Damit soll der Umsatz innerhalb der nächsten zwei Jahre die 100 Mio. Euro-Marke durchbrechen.

eva.brand@unternehmeredition.de

Kurzprofil: Maredo Restaurants Holding GmbH
Gründungsjahr: 1973 (früher übernommene Ketten existieren zum Teil seit 1969)
Branche: Systemgastronomie
Unternehmenssitz: Düsseldorf
Mitarbeiterzahl: 1700
Umsatz 2007: 99,4 Mio. Euro
Internet: www.maredo.de

„Mein Ziel war, eigenständig und konzernunabhängig das Wachstumspotential der Marke zu nutzen“

Interview mit Uwe Büscher, Geschäftsführender Gesellschafter, Maredo Restaurants Holding GmbH

Unternehmeredition: Herr Büscher, 2005 hat der Whitbread-Konzern die Maredo Restaurants an die Geschäftsführung und ein Konglomerat aus Investoren verkauft. Welche Motive standen dahinter? Was hat Sie dazu bewogen, sich am Unternehmen zu beteiligen?
Büscher: Ich habe bei Maredo ein großes brachliegendes Potential gesehen. Eine sehr hohe Markenbekanntheit, ein qualifizierter Mitarbeiterstamm und nicht zuletzt eine überdurchschnittliche Ertragskraft sind Voraussetzungen, die es einfach zu nutzen galt. Im Vorfeld einer größeren Umgestaltung bei Whitbread bin ich deshalb aktiv auf unsere damalige Mutter zugegangen, um Maredo mitzuerwerben. Dazu gehörte neben der Suche nach einem strategisch und längerfristig orientierten Investor sicherlich auch eine Portion unternehmerischer Mut. Die bisherigen Erfahrungen haben mich in meinem damaligen Entschluss nur bestätigt. Seit dem MBO haben wir insgesamt sieben neue Standorte eröffnet, darunter zwei neue Konzeptansätze.

Unternehmeredition: Im Mai 2008 haben sich die Eigentumsverhältnisse wieder geändert: Das Private Equity Haus ECM ist nun einziger verbleibender Investor, das Management hat seinen Anteil im Zuge eines zweiten MBO erhöht. Was gab den Ausschlag dafür?
Büscher: Die bisherigen Investoren haben ihre Portfolios neu geordnet. Dabei ergab sich sowohl für ECM als auch für das Management die Möglichkeit, weitere Anteile zu übernehmen. Erfreulich war, dass auch diesmal Einigkeit über die weitere Strategie für Maredo bestand und Belange des Managements vorrangig behandelt wurden. Ich kann nur sagen, dass die geänderten Eigentumsverhältnisse die weitere Expansion unverändert unterstützen. Wir haben gerade einen neuen Mietvertrag abgeschlossen und stehen in weiteren Verhandlungen.

Unternehmeredition: Wie gestaltete sich für Sie die Zusammenarbeit mit den Finanzinvestoren?
Büscher: Die Zusammenarbeit war für beide Seiten bisher sehr fruchtbar. Besonders wichtig ist, – gerade zu Beginn einer Partnerschaft – die Ziele und Vorgehensweisen der einzelnen Partner zu verstehen und einen gemeinsamen Weg abzustimmen. Auf der einen Seite Maredo, mit erfahrenem Management und großem Expansionspotential, auf der anderen Seite, Investoren, deren Interessen und Fähigkeiten auf Wertschöpfung ausgerichtet sind. Das ist kein Widerspruch, sondern führt zur Stärkung der Positionen beider Parteien und somit auch längerfristig zu erfolgreichem Wachstum. Empfehlen kann ich vor allem, bereits im Vorfeld mit den Hauptverantwortlichen auf Private Equity-Seite Gespräche zu führen, sich zu beschnuppern, denn auch hier gilt: die Chemie zwischen den Partnern sollte stimmen.

Unternehmeredition: Welche Vision haben Sie für Maredo?
Büscher: Ziel ist, die definierte Expansionsstrategie für Maredo fortzuführen. Das betrifft nicht nur das heutige Standortprofil, sondern auch die Erschließung weiterer Geschäftsfelder unter der Dachmarke Maredo, z. B. die Eröffnung von Maredo Betrieben im Bereich der Verkehrsgastronomie wie etwa die erste Maredo Grill & Café Lounge am Flughafen Köln/Bonn. Expansion heißt aber auch die Entwicklung neuer Konzepte, wie unser erstes Rodizio-Restaurant Tucan`s, im Düsseldorfer Medienhafen: das brasilianische Grillerlebnis.

Unternehmeredition: Herr Büscher, herzlichen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Eva Brand.
eva.brand@unternehmeredition.de