Schieder Möbel Holding GmbH: Finanzierungssuche mit gefälschten Bilanzen Die Schieder Möbelwerke galten lange Zeit als deutsches Vorzeigeunternehmen. Die internationale Kundenliste konnte sich sehen lassen, darunter war beispielsweise auch die schwedische Einrichtungskette Ikea
Die Schieder Möbelwerke galten lange Zeit als deutsches Vorzeigeunternehmen. Die internationale Kundenliste konnte sich sehen lassen, darunter war beispielsweise auch die schwedische Einrichtungskette Ikea. Seit vergangenem Sommer ist das Unternehmen in der Insolvenz. Doch damit nicht genug: Vier frühere Manager inklusive dem Gründer Rolf Demuth waren 2007 wegen des Verdachts der Bilanzfälschung in Untersuchungshaft. Dutzende Investoren waren betroffen, darunter auch ein Mezzanine-Fonds der DZ Equity GmbH.

Finanzierung wurde zum Desaster
Die diffizile Finanzierungsstruktur und Verschuldung der Schieder Möbelwerke hätten zur Vorsicht mahnen müssen. Als sich die Manager 2005 auf die Suche nach frischem Kapital machten, waren die betriebswirtschaftlichen Eckdaten nicht gut. Denn Schieder kam ins Strudeln, als der Möbelabsatz im Kernabsatzgebiet Deutschland zu Beginn des laufenden Jahrhunderts eingebrochen ist. Während Gründer Demuth das Heil in der Expansion sah, übten sich die Banken in Zurückhaltung. Sie wollten bei den geplanten Investitionen nicht mehr wie früher mitziehen. Das Problem: Die Holding hatte bereits an vielen Stellen Kredite laufen, und die Verbindlichkeiten waren fünfmal höher als das EBITDA. Die Zinslast erreichte ein erdrückendes Ausmaß. Deshalb war eine Neustrukturierung der Finanzierung dringend erforderlich. Diese Aufgabe hat Demuth, der sich operativ zurückzog, in die Hände von Samir Jajjawi, der früher als Berater bei Droege gearbeitet hatte, gelegt. Er wollte einen syndizierten Kredit in Höhe von 150 Mio. Euro auf die Beine stellen, der mit einer Anleihe von Höhe von 145 Mio. Euro refinanziert werden sollte. Das frische Kapital war zur Absicherung der Expansion nach Osteuropa (Vertrieb) sowie China und Russland (Produktion) gedacht. Allerdings haben Moody’s und S&P der Anleihe unter anderem aufgrund der hohen Schulden mit B3 bzw. B ein schlechtes Rating ausgestellt. Schieder Möbel selbst zog das Angebot schließlich zurück, obwohl WestLB und Citigroup die Anleihe mit einer Verzinsung von 10,25 bis 10,5% platzieren wollten. Nach dem Rückzieher von Schieder besorgte Goldman Sachs ein Second Lien-Darlehen (95 Mio. Euro). Außerdem gelang Jajjawi eine nachrangige Privatplatzierung in Höhe von 30 Mio. Euro. Last but not least ist DZ Equity mit 50 Mio. Euro über Genussscheine eingestiegen. 30 Mio. davon stammten aus dem Mezzanine-Fonds Silverlake „GeMit“. Wie sich erst zwei Jahre später herausstellen sollte, lief dabei nicht alles mit rechten Dingen ab.
Insolvenz als logische Folge
Die Zinslast aus dem Finanzierungspaket belief sich auf mehr als 30 Mio. Euro pro Jahr. Dementsprechend aussichtsreich mussten die Planzahlen sein, um die Investoren und Gläubiger bei der Stange zu halten. Dass Ende 2006 die Geschäftsergebnisse allerdings hinter den Vorgaben zurücklagen, ließ das Fass im April 2007 überlaufen. Jajjawi nahm Anfang Dezember 2006 seinen Hut, Gründer und wieder Geschäftsführer Rolf Demuth wollte das Ruder herumreißen. Doch schon im April 2007 meldete er für einige Tage die vorläufige Insolvenz an. Frisches Kapital war dringend vonnöten, um den Geschäftsbetrieb am Leben zu erhalten. Erst in letzter Sekunde kam unter der Ägide der Bank of New York bzw. Goldman Sachs eine Zwischenfinanzierung von rund 65 Mio. Euro zustande. Außerdem wurde Alix Partners mit der Restrukturierung beauftragt. Der nächste Paukenschlag ertönte Anfang Juni 2007. Vier ehemalige Manager von Schieder, darunter Jajjawi und Demuth, wurden wegen des Verdachts der Bilanzfälschung verhaftet. Konkret wird ihnen vorgeworfen, die Ergebnisse für die Geschäftsjahre 2004/05 und 2005/06 um 36 bzw. 55 Mio. Euro aufpoliert zu haben, um sich damit Kredite und Genussscheine im Ausmaß von 283 Mio. Euro zu erschleichen. Die Manager haben den Betrug gestanden. Da die finanzielle Restrukturierung aufgrund der kriminellen Machenschaften geradezu scheitern musste, folgte ab Mitte Juni reihenweise die Insolvenzanmeldung für die Holding und ihre Tochtergesellschaften. Auch ein Verkauf des Unternehmens klappte trotz langer Verhandlungen nicht.
Mezzanine-Kapital ist weg
Die rund 200 Anleger des Silverlake-Fonds und die DZ Equity-Gesellschafter werden die geplanten Renditen wahrscheinlich nicht erzielen, weil die insolvente Schieder Holding die Genussrechte nicht bedienen kann. Vier Investoren haben die Vermögensgegenstände aus den insolventen Gesellschaften herausgekauft und führen das Geschäft als Cotta Möbelwerke GmbH fort. Die Forderungen der insgesamt rund 50 Gläubiger bleiben hingegen in der insolventen Holding stecken. Selbst Schadenersatzklagen helfen da vermutlich nicht. Natürlich ist das Geld der Fondsanleger noch nicht komplett verloren. Allerdings ist es äußerst schwierig, einen Komplettausfall durch Erträge aus anderen Beteiligungen zu kompensieren und die geplanten Renditen zu erzielen.
Fazit:
Mit den Fragen, warum den Konsortialbanken die Bilanzfälschungen nicht aufgefallen sind und ob bei der Besicherung des Zwischenkredits alles mit rechten Dingen zuging, beschäftigen sich derzeit die Gerichte. Einige Investoren haben dem Vernehmen nach gegen Goldman Sachs geklagt. Wegen der schwebenden Verfahren schweigt sich die Führung von Cotta Möbelwerke aus und verweist auf den Insolvenzverwalter. Dieser war allerdings nicht zu erreichen. Eine Anfrage bei der Staatsanwaltschaft Bielefeld bezüglich der Verfahren gegen die ehemaligen Schieder-Manager blieb bislang ohne Ergebnisse. Auch DZ Equity wollte sich nicht äußern. Die Investoren haben mit einer gewissen Machtlosigkeit zu kämpfen, zumal Bilanzfälschungen in der Regel erst hinterher auffliegen. Kriminelle Machenschaften gehen oftmals mit anfänglich perfekter Täuschung und Tarnung einher. Der Fall Schieder wirft die Frage auf, wie viel Ratings und Due Diligence-Berichte für Investitionsentscheidungen wiegen.
Alexander Endlweber
redaktion@unternehmeredition.de

Kurzprofil Schieder Möbel Holding GmbH[1] (vor der Insolvenz im Juli 2007)
Gründungsjahr: 1964
Branche: Möbel
Unternehmenssitz: Schieder-Schwalenberg
Mitarbeiterzahl: 11.000
Umsatz 2005/06: 950 Mio. Euro
Internet: www.schieder.de



[1] Heute Cotta Möbelwerke GmbH