Genussrechtskapital beim Gesellschafterwechsel

 

Die Lasco Umformtechnik GmbH stand 2008 vor der Herausforderung, den Ausstieg eines Gesellschafters zu finanzieren. Der Sondermaschinenbauer stemmte die Kosten aus eigener Tasche und ergänzte es zusätzlich mit Genussrechtskapital der Bayern Mezzanine, um den Cashflow wieder zu stabilisieren.

Innovatives Traditionsunternehmen

Die geschichtsträchtige Stadt Coburg kann auch eine traditionsreiche Unternehmenslandschaft vorweisen. Eines der Glanzlichter ist die Lasco Umformtechnik GmbH, die auf eine fast 150-jährige Historie zurückblicken kann: Seit seiner Gründung im Jahr 1863 als Eisengießerei hat sich das Unternehmen zu einem international aufgestellten Sondermaschinenbauer entwickelt, der maßgeschneiderte, vollautomatisierte Anlagen für die Umformtechnik und Baustoffindustrie fertigt. Mit Innovationsstärke hat sich Lasco eine hohe Problemlösungskompetenz erarbeitet. So machen sich ihre Anlagen beispielweise in China die hohe Konzentration von Flugasche in der Luft zunutze, um daraus Baustoffe zu produzieren. Lasco ist generell sehr international aufgestellt – zu den Produktionsstätten in Detroit und Peking kommen 65 Handelsvertretungen auf der ganzen Welt verteilt. „Unser Exportanteil schwankt zwischen 60 und 80%“, sagt Friedrich Herdan, Vorsitzender der Lasco-Geschäftsführung und zudem Präsident der IHK zu Coburg. Seine Umformtechnik nutzen u.a. die Kfz-Industrie, der Flugzeugbau, die Medizintechnik und die Werkzeugindustrie, und seine Kunden aus der Baustoffindustrie sind meist auf Kalk- und Sandstein spezialisiert.

Gesellschafterausstieg mit Eugenmitteln finanziert

Die Finanz- und Wirtschaftskrise, die sich 2009 sehr negativ auf den Maschinenbau ausgewirkt hatte, hat Lasco zeitverzögert mit nur einem kurzen, aber heftigen Auftragseinbruch im ersten Quartal 2010 gut überstanden. „Die Herstellung und Auslieferung unserer Maschinen kann bis zu 22 Monate dauern – wir haben also unsere Umsätze für die letzten zwei Jahre schon 2006/2007 generiert“, erklärt Herdan. Über Fremdfertigungsaufträge, z.B. die Modernisierung fremder Maschinen, konnte Lasco auch das Loch Anfang dieses Jahres überbrücken. „Ab Mai haben die Aufträge dann fast explosionsartig wieder angezogen“, freut sich der Lasco-Chef. Im Jahr 2008 musste sich das Unternehmen, das seit langem in der Hand dreier verschiedener Familienstämme lag, jedoch einer ganz anderen Herausforderung stellen: „Wir haben uns von einem Gesellschafter getrennt, der 50% der Anteile inne hatte“, erläutert Herdan. Diesen Ausstieg finanzierte das Unternehmen gänzlich aus Eigenmitteln, indem es die Anteile zurückkaufte und in stimmrechtslose Papiere verwandelte. Zwar war die Eigenkapitalquote damals mit 45% noch immer relativ hoch, aber der Cashflow litt unter der Transaktion.

Mezzanine stärkt Cashflow und Eigenkapitalquote

„Cash ist für uns sehr wichtig, denn wir müssen unsere Einzelaufträge mit einem Volumen von bis zu 12 Mio. EUR größtenteils vorfinanzieren“, erklärt Herdan. Deshalb machte er sich auf die Suche nach frischem Kapital, und wurde schnell bei der Bayern Mezzaninekapital GmbH & Co. KG fündig – deren Geschäftsführer Peter Reger kannte er schon seit langem. Und Reger musste nicht lang überzeugt werden. „Bei Lasco haben wir die für einen Kapitalgeber sehr komfortable Situation, dass das qualitative Geschäftsmodell ebenso gut ist wie die Zahlen – es ist eine Perle“, meint er. Deshalb hatte er auch keine Probleme mit Herdans Maßgaben. „Seine Schlüsselforderung war die Wahrung der Unabhängigkeit des Unternehmens und die Maßschneiderung der Finanzierung auf seine Bedürfnisse“, sagt Reger. Eine weitere Bedingung war, dass das Geld noch vor Jahresende zur Verfügung gestellt wird. „Es sollte den Cashabfluss noch in der Jahresbilanz 2008 ausgleichen“, erklärt Herdan. Und so flossen 5 Mio. EUR in Form von Genussrechtskapital schon am 27.12.2008, vier Wochen nach den ersten Gesprächen – „unser bisher schnellster Fall“, so Reger, „es lag aber auch am Unternehmen, das das Reporting und die Unterlagen perfekt vorbereitet hatte.“ Heute steht Lasco mit einer Eigenkapitalquote von 54% stärker da als je zuvor. „Inklusive dem Mezzanine-Kapital haben wir sogar 61%“, teilt Herdan mit. Er hat mittlerweile selbst einen Teil der stimmrechtslosen Anteile übernommen – nicht nur für Bayern Mezzanine ist Lasco also eine gute Investition.

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