Beteiligung an indischen Zeitschriften (Ausgabe 5/2008)

Deutscher Fachverlag: Mit einem Fuß im Medienmarkt der Zukunft

Dass Indien in den nächsten 20 Jahren zu einer der größten Volkswirtschaften aufsteigen wird, darüber sind sich die Experten einig. Diese sonnigen Aussichten haben auch den Deutschen Fachverlag (DFV) überzeugt, sich ein Standbein im „Land der 1.000 Kulturen“ aufzubauen: Vor kurzem hat er 26% des indischen Fachverlags Images Multimedia übernommen.

Dass Indien in den nächsten 20 Jahren zu einer der größten Volkswirtschaften aufsteigen wird, darüber sind sich die Experten einig. Diese sonnigen Aussichten haben auch den Deutschen Fachverlag (DFV) überzeugt, sich ein Standbein im „Land der 1.000 Kulturen“ aufzubauen: Vor kurzem hat er 26% des indischen Fachverlags Images Multimedia übernommen.

90 Fachmedien im In- und Ausland
Die Wochentitel Lebensmittel Zeitung, Textilwirtschaft und Horizont zählen zu den Top10 der umsatzstärksten Fachzeitschriften in Deutschland. Ihre Gemeinsamkeit? Sie alle stammen aus den Federn der Journalisten des DFV. Zur Verlagsgruppe gehören neben dem 1946 gegründeten Deutschen Fachverlag, der Verlag Recht und Wirtschaft, der Matthaes Verlag, eine 40%-Beteiligung an der IZ Immobilien Zeitung Verlagsgesellschaft mbH und die Tochtergesellschaft m+a Verlag für Messen, Ausstellungen und Kongresse GmbH sowie eine Mehrheitsbeteiligung an der 2008 gegründeten Veranstaltungsgesellschaft The Conference Group, in der der DFV seine Veranstaltungskompetenz gebündelt hat. Zu diesen nationalen Engagements des Medienunternehmens kommen außerdem Tochtergesellschaften und Beteiligungen in Österreich, Italien, Tschechien, Slowakei, Polen, Russland und – seit kurzem – in Indien sowie verlegerische Kooperationen in den Ländern Ungarn, Türkei und China. Insgesamt publiziert die Frankfurter Verlagsgruppe gemeinsam mit ihren Töchtern mehr als 90 Fachmedien. Ihre Auflage summiert sich auf knapp 18 Mio. Exemplare pro Jahr. Dazu kommen über 60 Online-Angebote und zahlreiche Fachbuchtitel. Die Verlagsgruppe beschäftigt 840 Mitarbeiter im In- und Ausland und erwirtschaftete 2007 einen Umsatz in Höhe von 133,1 Mio. Euro – 19% davon außerhalb der Landesgrenzen.

26%-Beteiligung an Images Multimedia
Um weiter zu wachsen, steht für Dr. Rolf Grisebach, Sprecher der Geschäftsführung des DFV, der Ausbau des Auslandsgeschäfts ganz oben auf der Agenda. Im Sommer wagte sich die Verlagsgruppe in die Arena der indischen Verleger und kaufte 26% der indischen Images Multimedia Group. Finanziert wird die Expansion ausschließlich aus eigenen Mitteln, sagt Grisebach. Der in Delhi ansässige Verlag gibt neun Zeitschriften heraus, darunter die Monatstitel „Business of Fashion“, „Retail“ und „Progressive Grocer“ für den Lebensmittelhandel. Daneben erscheinen zwei Zeitschriften für Damen- bzw. Herrenmode. Im Geschäftsjahr 2007/08 setzte er mit rund 140 Mitarbeitern 6,1 Mio. Euro um. Damit verbuchte die Images Multimedia Group ein zweistelliges Umsatzplus. Vor dem Einstieg des DFV bei Images Multimedia bestand seit dem Frühjahr bereits eine Kooperation: Sportswear International, das Fachmagazin für Trendfashion, brachte die erste indische Ausgabe in englischer Sprache auf den Markt.

Juristische Unterstützung
Bis dato war das „Land der 1.000 Kulturen“ unbekannter Boden für die Frankfurter – besonders in juristischer Hinsicht. Deshalb holten sie sich zur Unterstützung Dr. Jörg Podehl, Rechtsanwalt und Partner bei Peters Rechtsanwälte und Indienexperte, ins Haus. „In den frühen 1990er Jahren wurde Indien vor allem durch den heutigen Ministerpräsidenten Manmohan Singh für ausländische Direktinvestitionen geöffnet – und bietet heute europäischen Firmen enorme Wachstumschancen“, erklärt Podehl. Trotzdem sei Vorsicht vor rechtlichen Hürden geboten. „Beispielsweise bedarf es erst der Zustimmung des indischen Partners, wenn der europäische Partner außerhalb des Joint Ventures in der gleichen Branche Geschäfte in Indien machen will“, so Podehl. Bei einem Engagement auf einem asiatischen Markt wie Indien sei die gefühlte Unsicherheit nun einmal größer wie bei europäischen Märkten, meint Grisebach. „Deshalb war es gut, die Verträge von einem Experten prüfen zu lassen – da fühlt man sich deutlich wohler.“ Für künftiges Wachstum hat der DFV vor allem Osteuropa im Visier. Grisebach: „Dort sind wir sehr aktiv.“

Eva Brand
eva.brand@unternehmeredition.de

„Man darf die Synergien keinesfalls überschätzen“

Interview mit Dr. Rolf Grisebach, Sprecher der Geschäftsführung, Deutscher Fachverlag

Unternehmeredition: Herr Dr. Grisebach, in Deutschland stecken Tageszeitungen und Publikumsmagazine in der Krise. Inwiefern sind Fachzeitschriften von schwindenden Auflagen und einbrechenden Werbeeinnahmen betroffen?
Grisebach: Grundsätzlich ist unser Geschäft stabiler als das von Tageszeitungen und Publikumszeitschriften – zumindest bis zum Konjunktureinbruch. In den letzten Wochen spüren auch wir die herannahende Rezession durch einen Rückgang der Anzeigeneinnahmen. Aber das wird nur ein vorübergehendes Phänomen sein.

Unternehmeredition: Welche Motive stehen nun hinter Ihrem Engagement in Indien?
Grisebach: Internationalisierung ist für uns grundsätzlich ein Weg zu wachsen: Deutschland ist eine reife Volkswirtschaft mit rückläufigen Einwohnerzahlen und einem zwar stabilen, aber geringen Wirtschaftswachstum. Daher suchen wir Länder mit höheren Wachstumsraten – und dazu gehört Indien. Mit unserem Indien-Engagement folgen wir außerdem unseren Lesern und unseren Anzeigenkunden. Denn vor allem Unternehmen aus der Bekleidungsindustrie beschaffen nicht nur Waren in Indien, sondern verkaufen sie auch dort.

Unternehmeredition: Abgesehen von hohen Wachstumsraten, was macht den indischen Markt für Sie attraktiv?
Grisebach: Natürlich die englische Sprache: Zum einen geben wir unsere Magazine dort auf Englisch heraus, zum anderen können wir Englisch als Geschäftssprache nutzen. Außerdem ist Indien ein demokratisches Land mit hoher Rechtssicherheit. Und: Durch das koloniale Erbe gibt es eine lange Tradition bei der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Europäern.

Unternehmeredition: Welche Synergien gibt es zwischen Inlands- und Auslandsgeschäft?
Grisebach:
Ich würde sagen, das sind vor allem „weiche“ Synergien. Ganz konkret bedeutet das für uns, dass wir z. B. Fotostrecken und internationale Trendberichte aus der Mode- oder Lebensmittelbranche übertragen können. Schwieriger ist es, redaktionelle Inhalte wie Wirtschafts- und Marktberichte zu übernehmen. Ansonsten haben wir teilweise auch die gleichen internationalen Anzeigenkunden. Aber der überwiegende Teil unseres Geschäfts ist doch lokal – man darf die Synergien also keinesfalls überschätzen. Deshalb liegt die Zeitschriftenproduktion zu 100% bei unserem indischen Partner, wir liefern Inhalte zu, stimmen Konzepte ab und kontrollieren die Qualität. Aber wie eine Zeitschrift im Detail aussieht und was die richtige Mischung aus indischen und globalen Inhalten ist, entscheidet die Chefredaktion vor Ort. Das maßen wir uns nicht an – schließlich sind das Trendgespür und das Know-how der Inder für den indischen Markt wesentlich größer.

Unternehmeredition: Was sind für einen Verlag besondere Herausforderungen bei der Expansion, im Vergleich z. B. zum produzierenden Gewerbe?
Grisebach: Ich glaube, für uns ist die größte Herausforderung, dass wir die Entwicklung des indischen Marktes nicht einschätzen können – da fehlt uns einfach der Erfahrungshorizont. Z. B. gibt es zwar eine aufstrebende Mittelschicht in Indien. Wie sich das aber konkret entwickeln wird, wissen wir nicht: Kaufen sich die Menschen zuerst ein Auto oder Kleidung oder Lebensmittel? Und diese Entwicklungen sind natürlich für uns essenziell, denn sie hängen mit unseren Fachzeitschriften zusammen.

Unternehmeredition:
Herr Dr. Grisebach, herzlichen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Eva Brand.
eva.brand@unternehmeredition.de

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