Traditionsreicher Werkzeugbauer aus Lößnitz sucht Investor

Die Zahl der Insolvenzen in Deutschland sank im November 2024 leicht, bleibt aber deutlich über dem Vorjahresniveau. Prognose: Anstieg 2025.
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Die Horst Pfau GmbH aus dem sächsischen Lößnitz hat einen Insolvenzantrag gestellt. Das zuständige Amtsgericht Chemnitz bestellte den Rechtsanwalt Christian Krönert von der Kanzlei Schultze & Braun zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Laut einer Mitteilung verschafft sich der Verwalter aktuell einen Überblick über die wirtschaftliche Situation des Herstellers. Ziel sei die Prüfung von Sanierungsmöglichkeiten für den Spezialisten für Stanz- und Umformwerkzeuge. Der Geschäftsbetrieb läuft nach Angaben des Unternehmens in vollem Umfang weiter. Sämtliche Aufträge werden in der gewohnten Qualität gefertigt und ausgeliefert.

Sanierungschancen durch Investorensuche

Nach Einschätzung von Christian Krönert befindet sich die Branche im Werkzeugbau aktuell in einem Konsolidierungsprozess. Das familiengeführte Unternehmen könne jedoch mit einer jahrzehntelangen Erfahrung und einer hohen Spezialisierung punkten. „Diese Kombination macht das Unternehmen für den Einstieg eines Investoren interessant“, sagt Christian Krönert. Das Ziel sei es, dem Betrieb eine wirtschaftlich gangbare Zukunft zu eröffnen. Dies könne durch einen neuen Investor oder die Integration in eine Gruppe erfolgen. Die Platzierung neuer Aufträge sei für Kunden jederzeit möglich.

Die rund 25 Mitarbeitenden wurden bereits über die nächsten Schritte informiert. Nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters sind die Löhne und Gehälter bis mindestens Ende April gesichert. Die Finanzierung erfolgt über das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit. Die geschäftsführenden Gesellschafterinnen Silke Schmidt und Steffi Zimmer suchen nach einer zukunftsfähigen Lösung. „Unser Vater hat uns das Unternehmen 2007 übergeben und wir arbeiten mit Hochdruck daran“, sagen die Geschäftsführerinnen. Die Kundschaft könne sich weiterhin auf die gewohnte Qualität verlassen. Das Herzblut der Belegschaft ermögliche die Fortführung in dieser herausfordernden Situation.

Ursachen der wirtschaftlichen Krise

Hintergrund der Probleme ist laut dem Unternehmen die allgemeine Wirtschaftsflaute in Deutschland. Diese schlage sich insbesondere in der Automobilzulieferbranche nieder. Ein Rückgang bei den Bestellungen neuer Werkzeuge sei deutlich zu verzeichnen. Aufgrund wirtschaftlicher Unsicherheit würden derzeit weniger neue Produktserien auf den Markt gebracht. Dadurch seien der Auftragseingang und der Umsatz im vergangenen Jahr stark eingebrochen. Laut der Geschäftsführung konnte die entstandene Liquiditätslücke nicht mehr aus eigener Kraft geschlossen werden. Die Horst Pfau GmbH geht auf die 1914 gegründete Emil Schwammekrug Werkzeugbaufabrik zurück. Das Unternehmen fertigt individuelle Werkzeuge und übernimmt Lohnarbeiten in der Stanzerei. Viele Kunden sind in der Automotive-Industrie verortet.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Tech-Start-ups.

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