Stimmung in deutschen Unternehmen verbessert sich leicht

Foto: © Miha Creative_AdobeStock
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Die Stimmung in den Chefetagen deutscher Unternehmen hat sich im August leicht aufgehellt. Wie das ifo Institut mitteilt, ist der Geschäftsklimaindex im Vergleich zum Vormonat von 88,6 auf 89,0 Punkte gestiegen. Der Zuwachs beruht vor allem auf optimistischeren Erwartungen der Unternehmen für die kommenden Monate. Die Bewertung der aktuellen Geschäftslage hingegen fiel minimal schlechter aus. Laut ifo-Präsident Clemens Fuest bleibt die wirtschaftliche Erholung weiterhin schwach.

Der leichte Anstieg des ifo-Index fällt in eine Phase erheblicher wirtschaftlicher Unsicherheiten. Die Einigung zwischen der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten im Zollstreit bringt deutschen Unternehmen zusätzliche Belastungen. Künftig unterliegen deutsche Exporte in die USA einem Mindestzoll von 15 %. Besonders betroffen ist laut ifo Institut das verarbeitende Gewerbe, das im August einen leichten Rückgang beim Geschäftsklima verzeichnete. Hier bewerteten die Unternehmen sowohl ihre aktuelle Lage als auch ihre Erwartungen pessimistischer als im Vormonat.

Wirtschaft wächst nur minimal

Im Gegensatz dazu zeigt sich im Dienstleistungssektor eine stabilere Entwicklung. Architektur- und Ingenieurbüros äußerten sich in der Umfrage deutlich optimistischer. Auch im Bereich der Investitionsgüterhersteller steigt die Zuversicht. Nach Einschätzung von ifo-Experte Klaus Wohlrabe könnte der sogenannte Investitionsbooster der Bundesregierung hier eine wichtige Rolle spielen. Das neue Gesetz erlaubt beschleunigte Abschreibungen für Investitionen bis Ende 2027. Von einem Aufschwung könne dennoch keine Rede sein, so Wohlrabe. Nach Angaben des ifo Instituts dürfte das Bruttoinlandsprodukt im laufenden Sommerquartal lediglich um 0,1 % steigen.

Im ersten Quartal 2025 hatte die Wirtschaft noch um 0,3 % zugelegt, ehe sie im zweiten Quartal um denselben Wert schrumpfte. Die deutsche Wirtschaft bewege sich laut Wohlrabe nur in kleinen Schritten aus der Stagnation. Es fehle weiterhin an einer nachhaltigen Belebung der Auftragseingänge. Auch das Baugewerbe, das lange Zeit als Stabilitätsfaktor galt, verzeichnete zuletzt Rückgänge. Zwar profitiert die Branche laut Umfrage von staatlichen Infrastrukturmaßnahmen, jedoch bewerten viele Bauunternehmen ihre aktuelle Lage als unbefriedigend. In den kommenden Monaten erwarten sie eine moderate Verbesserung.

Staatsausgaben und Konsum stützen Hoffnung

Die schwarz-rote Bundesregierung setzt auf hohe Staatsausgaben zur Stabilisierung der Konjunktur. Vor allem Investitionen in Infrastruktur, Verteidigung und Klimaschutz sollen Wachstumsimpulse setzen. Laut Deutsche-Bank-Ökonom Marc Schattenberg könne dies in Verbindung mit dem soliden Lohnwachstum und niedriger Inflation den privaten Konsum stärken. Dies könnte der Wirtschaft zusätzlichen Schwung verleihen, auch wenn die Unsicherheit durch geopolitische Entwicklungen und schwache Auslandsmärkte weiterhin hoch bleibt. Die Hoffnung auf ein Ende der Rezession ist unter Ökonomen spürbar. Mit dem aktuellen Anstieg erreicht der ifo-Index den höchsten Stand seit April 2024. Ob sich daraus ein stabiler Trend ergibt, bleibt jedoch offen.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Tech-Start-ups.

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