Sanierungserfolg: Heidelberg übernimmt Manroland-Service

Die Zahl der Insolvenzen in Deutschland steigt regional unterschiedlich stark an. Berlin verzeichnet bundesweit die höchste Quote.
Foto: © CrazyCloud_AdobeStock

Die Heidelberger Druckmaschinen AG übernimmt das weltweite Lifecycle-Geschäft der manroland sheetfed GmbH. Nach Angaben von übereinstimmenden Medienberichten hat das Unternehmen aus Heidelberg einen entsprechenden Kaufvertrag unterzeichnet. Der Fokus der Übernahme liegt ausschließlich auf dem Vertriebs-, Service- und Ersatzteilgeschäft des insolventen Konkurrenten. Die traditionsreiche Druckmaschinenproduktion am Standort Offenbach am Main wird dagegen komplett eingestellt. Durch diesen Schritt können laut einer Quelle immerhin 600 Arbeitsplätze in rund 35 Länderorganisationen gerettet werden. Für weit über 3.000 manroland-Nutzer weltweit wird die Versorgung mit Ersatzteilen dadurch langfristig abgesichert. Die bekannten lokalen Ansprechpartner in den Märkten sollen den Berichten zufolge grundsätzlich erhalten bleiben.

Die Schlüsselrolle der Sanierer

Die Kanzlei SGP Schneider Geiwitz spielte eine zentrale Rolle bei der Bewältigung dieser komplexen Unternehmenskrise. Die Sanierungsexperten unterstützten die manroland sheetfed GmbH umfassend während des gesamten Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung. Vom insolventen Maschinenbauer wurden Arndt Geiwitz und Oliver Brückner zu Generalhandlungsbevollmächtigten ernannt. Zusammen mit dem Rechtsanwalt Peter Fissenewert aus der Kanzlei Buse steuerten sie operativ das gesamte Verfahren. Die Schwerpunkte ihrer Arbeit lagen in den Bereichen Restrukturierung, Insolvenzrecht, Betriebsfortführung sowie im Arbeitsrecht. Arndt Geiwitz betonte: „Mit dem Abschluss dieses Kaufvertrags ist es gelungen, für einen zentralen Bereich von manroland sheetfed eine echte Zukunftslösung zu sichern“. Laut Geiwitz bringt der Käufer die nötige Infrastruktur und Kundennähe mit, um das Geschäft verlässlich weiterzuführen. Auch Oliver Brückner äußerte sich zu dem Verfahren und bezeichnete den Verlust der Produktion in Offenbach als schmerzhaft. Dennoch erklärte Brückner, dass die Sicherstellung der Kontinuität für Kunden und Mitarbeitende das vorrangige Ziel im Prozess gewesen sei.

Investorensuche und harte Schnitte

Dem Verkauf ging ein weltweiter Investorenprozess voraus, bei dem der Wirtschaftsprüfer Deloitte insgesamt einhundert potenzielle Investoren ansprach. Unter den Letztbietenden befanden sich nach Angaben der Sanierungsexperten auch unmittelbare Wettbewerber der Gruppe. Das Angebot der Heidelberger Druckmaschinen AG stellte sich letztlich als die beste Lösung für die Gläubiger heraus. Ein konkreter Kaufpreis wurde von den Beteiligten allerdings nicht genannt. Der Sachwalter Martin Mucha von der Kanzlei Grub Brugger bezeichnete den Deal als bestmögliches Ergebnis unter den gegebenen Umständen. Den nicht übernommenen 740 Mitarbeitern der Produktion in Offenbach musste jedoch gekündigt werden. Ein Großteil dieser Belegschaft wurde bereits freigestellt. In Offenbach verbleiben zunächst nur rund 50 Beschäftigte für die Fertigung von Ersatzteilen.

Strategische Expansion

Für den Heidelberger Traditionskonzern bedeutet die Übernahme eine erhebliche Stärkung des profitablen und wiederkehrenden Lifecycle-Geschäfts. Vorstandschef Jürgen Otto erwartet durch den direkten Zugang zur installierten Kundenbasis einen zusätzlichen Umsatz. Dieser soll sich langfristig auf rund 100 Mio. EUR pro Jahr belaufen. Zudem sollen die neuen Einheiten zehn bis 15 Mio. EUR zum Betriebsgewinn beisteuern. Jürgen Otto sprach von einem historischen Meilenstein für die gesamte deutsche Druckmaschinenindustrie. Der bekannte Markenname manroland sheetfed soll für den Service und die Ersatzteile bis auf Weiteres bestehen bleiben. Neben den Serviceorganisationen erwirbt Heidelberg auch die Technologie und Schutzrechte für die Großformat-Druckmaschine Roland 900. Das Modell manroland 700 wird dagegen nicht fortgeführt. Für den Zusammenschluss der beiden Marktorganisationen ist ein Zeithorizont von rund zwei Jahren vorgesehen. Das endgültige Closing des Deals wird in den nächsten Wochen erwartet.

Umbau bei Heidelberg

Der Zukauf fällt mitten in eine Phase des radikalen Umbaus bei Heidelberger Druckmaschinen. Der Konzern leidet selbst unter dem stark rückläufigen Maschinengeschäft und hohem Margendruck. Um die Kosten massiv zu senken, schrumpft die heimische Fertigung erheblich. Mehr als 550 Mitarbeiter haben bereits Aufhebungsverträge unterschrieben. Die Produktion des Flaggschiff-Modells wird komplett nach China verlagert. In Nordmazedonien baut das Unternehmen zudem die Montage von Weiterverarbeitungssystemen aus. Die Kosten für diesen Kraftakt fressen den Gewinn auf, weshalb Aktionäre auf der Hauptversammlung im Juli wohl auf ihre Dividende verzichten müssen. Für das laufende Jahr rechnet das Management mit einem zweistelligen Millionenverlust. Die Liquidität ist jedoch durch einen verlängerten Konsortialkredit über 436 Mio. EUR bis zum Jahr 2030 abgesichert.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, Insolvenzen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Unternehmensnachfolgen.

Vorheriger ArtikelBlue Cap AG kauft Prepress-Spezialisten Janoschka
Nächster ArtikelNeue Leitung Familienunternehmen und Mittelstand bei PwC