ROFU Kinderland einigt sich mit Investorengruppe

Die Zahl der Insolvenzen in Deutschland steigt regional unterschiedlich stark an. Berlin verzeichnet bundesweit die höchste Quote.
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ROFU Kinderland schließt Investorenvereinbarung mit der Kids & School Holding GmbH ab. Die ROFU Kinderland Spielwarenhandelsgesellschaft GmbH hat diesen wichtigen Meilenstein im Eigenverwaltungsverfahren nur drei Monate nach dem Insolvenzantrag erreicht. Gesellschafter der neuen Investorin ist die TOP Locc GmbH. Achim Weniger verfügt als geschäftsführender Gesellschafter über jahrzehntelange Branchenerfahrung und ein hervorragendes Netzwerk. Zusammen mit einer Investorengruppe sollen die Voraussetzungen für eine finanziell zukunftsfähige Aufstellung geschaffen werden. Nach Angaben des Unternehmens befindet sich der Spielwarenhändler seit dem 19. Januar 2026 in der Eigenverwaltung. Das Management bleibt im Amt und erhält Unterstützung durch Sanierungsspezialisten. Marcus Katholing von der Pluta Management GmbH agiert als Sanierungsgeschäftsführer. Zum Sanierungsteam gehört zudem Daniela Jeske. Rechtsanwalt Stefan Warmuth begleitet die insolvenzrechtliche Beratung. Das Amtsgericht Idar-Oberstein bestellte Rechtsanwältin Annemarie Dhonau von der Kanzlei Schiebe und Collegen zur Sachwalterin.

Rettungsplan für den Spielwarenhändler

Die Verantwortlichen haben den Kaufvertrag für den Geschäftsbetrieb bereits unterzeichnet. Laut dem Unternehmen wird die Investorenlösung im Rahmen eines Insolvenzplans umgesetzt. In den nächsten Wochen soll gemeinsam mit dem Team von Pluta ein Vergleich mit den Gläubigern erarbeitet werden. Mit der Annahme des Plans durch die Gläubigerversammlung können die Investoren wesentliche Vermögenswerte übernehmen. Ein Termin für die Abstimmung soll im Sommer stattfinden. Wenn die Gläubiger mehrheitlich zustimmen, kann die Transaktion vollzogen werden. Nach Angaben der Beteiligten soll das Unternehmen ab August 2026 wieder eigenständig handeln können.

Fortführung von 77 Standorten

Die Investorenvereinbarung sieht vor, dass 77 Filialen von ROFU Kinderland fortgeführt werden. Dort sind 1.035 Mitarbeiter tätig, die vom Investor übernommen werden. Insgesamt 27 Standorte sind hingegen nicht Teil des Erwerberkonzepts. Laut der Meldung findet in diesen Filialen bis Juli ein Räumungsverkauf statt. Rund 330 Mitarbeitern in den betroffenen Standorten muss gekündigt werden. Mehr als drei Viertel dieser Personen sind Teilzeitkräfte oder Aushilfen. Auch am Hauptsitz in Hoppstädten-Weiersbach wird es einen Personalabbau geben. Dort werden über 80 der rund 360 Mitarbeiter übernommen. Das Außenlager in Rammstein mit 60 Beschäftigten wird geschlossen. Durch die Investorenlösung bleiben insgesamt rund 1.120 Arbeitsplätze erhalten.

„Die Investorenvereinbarung im Rahmen eines Insolvenzplans bietet die Chance, das Unternehmen ROFU zu erhalten. Auch für die Gläubiger erreichen wir damit die bestmögliche Lösung. Der Abbau von Arbeitsplätzen ist schmerzhaft, aber leider unvermeidbar“, erklärt Marcus Katholing. Laut Annemarie Dhonau verlief der Prozess trotz enger Zeitschiene und schwierigem Umfeld erfolgreich. Achim Weniger betont: „Wir freuen uns sehr, dass wir mit unserem Konzept überzeugen konnten. Wir sehen großes Potenzial, das Unternehmen ROFU weiterzuentwickeln und als wichtigen stationären Marktpartner in der Spielwarenbranche dauerhaft zu positionieren.“ Der Fokus liege nun auf effizienten Prozessen. Der Geschäftsbetrieb in den über 100 Filialen lief zuletzt vollumfänglich weiter. Die Gehälter der Mitarbeiter werden aus laufenden Einnahmen gezahlt. Geschäftsführer Michael Fuchs wird das Unternehmen nach der Übertragung verlassen. Michael Edl ist bereits Anfang April ausgeschieden. ROFU Kinderland blickt auf 40 Jahre Erfahrung zurück. Das Sortiment umfasst mehr als 20.000 Artikel.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Tech-Start-ups.

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