BVK fordert bessere Investitionsbedingungen für Sicherheit, Technologie und Infrastruktur

Investitionsbedingung für Sicherheit: BVK fordert bessere Rahmenbedingungen für Kapital, Technologie und Infrastruktur in Deutschland
Foto: © chaylek_AdobeStock

Im Anschluss an das gestrige Treffen „Industrie im Dialog für Sicherheit“ mit Bundeswirtschaftsministerin Reiche, Bundesverteidigungsminister Pistorius und BDI-Präsident Dr.-Ing. E. h. Leibinger sowie Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Industrie und Finanzwirtschaft hat der Bundesverband Beteiligungskapital (BVK) bessere Rahmenbedingungen für Investitionen in sicherheitsrelevante Technologien und Infrastruktur gefordert. Für den BVK ist klar: Wer Deutschlands und Europas Verteidigungsfähigkeit stärken wolle, müsse auch die Investitionsfähigkeit des Standorts verbessern.

„Wer Sicherheit will, muss auch Investitionen ermöglichen. Verteidigungsfähigkeit entsteht heute nicht nur durch staatliche Beschaffung, sondern auch durch privates Kapital, technologische Innovation und eine leistungsfähige Infrastruktur“, sagte Ulrike Hinrichs, Vorstandssprecherin des BVK. Die sicherheitspolitische Zeitenwende brauche auch eine finanz- und industriepolitische Zeitenwende. „Es gibt genügend investierbares Kapital, es gibt technologische Substanz und es gibt unternehmerische Kompetenz. Was noch fehlt, ist ein Rahmen, der Investitionen schneller, klarer und verlässlicher ermöglicht“, so Hinrichs.

Interesse privater Investoren am Defence-Sektor wächst

Gerade im Bereich Defence, Dual Use und Resilience-Technologien wächst das Interesse privater Investoren. Im Fokus stehen insbesondere Cyberabwehr, Künstliche Intelligenz, Robotik, Sensorik und sicherheitsrelevante Softwarelösungen. Diese Technologien sind für die technologische und sicherheitspolitische Souveränität Europas von zentraler Bedeutung. Gleichzeitig stoßen Investoren und Unternehmen in der Praxis weiterhin auf erhebliche Hürden.

Dazu zählen vor allem unklare regulatorische Abgrenzungen, langwierige Verfahren bei Exportkontrolle und Investitionsprüfung sowie Beschränkungen in Fondsmandaten und ESG-Vorgaben. Daraus ergibt sich ein Widerspruch: Einerseits wird mehr sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit gefordert, andererseits werden private Kapitalgeber in der Praxis noch zu oft ausgebremst.

„Unser Problem ist nicht fehlendes Kapital oder fehlende Innovationskraft“, so Hinrichs weiter. „Unser Problem ist vielmehr, dass Investitionen in sicherheitsrelevante Zukunftstechnologien noch immer zu oft an Unsicherheit, Komplexität und mangelnder Planbarkeit scheitern.“

Zunehmende Bedeutung sicherheitsrelevanter Infrastruktur

Neben der Finanzierung von Start-ups und Wachstumsunternehmen rückt aus Sicht des BVK auch die Bedeutung sicherheitsrelevanter Infrastruktur stärker in den Fokus. Strategische Souveränität hänge nicht nur von technologischen Fähigkeiten ab, sondern auch von belastbaren physischen und digitalen Infrastrukturen. Dazu zählen unter anderem Mobilitäts- und Logistikstrukturen, militärisch nutzbare Infrastruktur, sichere Dateninfrastruktur sowie resiliente Energie- und Versorgungssysteme.

Der BVK plädiert deshalb für einen breiteren politischen Ansatz. Sicherheit dürfe nicht allein als Frage staatlicher Ausgaben oder klassischer Beschaffung verstanden werden. Vielmehr müsse es darum gehen, privates Kapital gezielt als Hebel für mehr Tempo, mehr Skalierung und mehr Umsetzungskraft zu mobilisieren.

Aus Sicht des BVK sind dazu vor allem fünf Punkte entscheidend:

  • Erstens braucht es eine klare politische Einordnung, dass Investitionen in sicherheitsrelevante Technologien und Infrastruktur legitim, notwendig und im Interesse des Standorts Deutschland sind.
  • Zweitens müssen regulatorische Grauzonen bei Defence-, Dual-Use- und Resilience-Technologien verringert werden, damit Investoren und Unternehmen schneller zu belastbaren Entscheidungen kommen.
  • Drittens sollten Verfahren bei Exportkontrolle und Investitionsprüfung planbarer, transparenter und effizienter ausgestaltet werden, ohne dabei legitime Sicherheitsinteressen zu vernachlässigen.
  • Viertens braucht es eine Modernisierung von Mandaten, Fördersystemen und Investitionsvorgaben, damit institutionelle und öffentliche Kapitalgeber nicht unbeabsichtigt zum Bremsfaktor werden.
  • Fünftens sollte die Politik stärker darauf setzen, privates Kapital als strategischen Partner für Innovation, industrielle Skalierung und sicherheitsrelevante Infrastruktur zu begreifen.

„Wer Verteidigungsfähigkeit stärken will, muss Investitionsfähigkeit stärken. Ohne privates Kapital gibt es keine Skalierung. Ohne Skalierung keine technologische Souveränität. Und ohne technologische Souveränität keine nachhaltige Sicherheit“, bringt es Ulrike Hinrichs abschließend auf den Punkt.

Der Bundesverband Beteiligungskapital (BVK) ist die Interessenvertretung der Private Equity-Branche in Deutschland. Im Verband organisiert sind Private Equity Gesellschaften – von Venture Capital über Wachstumsfinanzierung bis zum Buy-Out-Bereich – sowie institutionelle Investoren, die in Private Equity investieren. Der BVK vertritt insgesamt 300 Mitglieder, darunter 175 Beteiligungsgesellschaften sowie 25 Investoren. Ziel des BVK ist die Schaffung eines bestmöglichen Umfeldes für Beteiligungskapital in Deutschland. Zu den Aufgaben des Verbandes gehören unter anderem die Förderung der Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedern sowie die Zusammenarbeit mit Institutionen und Verbänden auf nationaler und internationaler Ebene.

Autorenprofil

Als Chefredakteurin der Unternehmeredition berichtet Eva Rathgeber regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen.

Vorheriger ArtikelDBAG investiert in Medizintechnik-Spezialisten Hipp
Nächster ArtikelJetzt erschienen: Unternehmeredition „Unternehmensnachfolge“