Neujahrsempfang des Private Equity Forum NRW zurück auf der Agenda

Neustart nach fünf Jahren mit BVK-Markt-Update, 25-Jahre-Panel und überraschend persönlichen Einblicken

Der Neujahrsempfang des Private Equity Forum NRW e.V. am 29. Januar in der NRW.BANK brachte die Private-Equity- und Venture-Capital-Community wieder an einen Tisch.
Der Neujahrsempfang des Private Equity Forum NRW e.V. am 29. Januar in der NRW.BANK brachte die Private-Equity- und Venture-Capital-Community wieder zusammen. Foto: © PEF NRW e.V.

Der Neujahrsempfang des Private Equity Forum NRW e.V. (PEF NRW) brachte die Private-Equity- und Venture-Capital-Community am 29. Januar in der NRW.BANK wieder an einen Tisch: Zahlen und Ausblick vom Bundesverband Beteiligungskapital (BVK), ein Panel über 25 Jahre Private Equity und überraschend persönliche Geschichten, die dem Abend Tiefe gaben.

Nach fünf Jahren Pause hat das PEF NRW seinen Jahresauftakt zurück auf die Agenda geholt. Schon beim Empfang und Check-in war spürbar, dass dieses Format gefehlt hatte: Viele Gäste nutzten die ersten Minuten, um Kontakte zu reaktivieren, neue Gesichter kennenzulernen und ein gemeinsames Lagebild abzugleichen. Dass die Veranstaltung im Vorfeld auf rund 100 Teilnehmende begrenzt und ausverkauft war, unterstrich den Bedarf nach persönlichem Austausch.

Der Rahmen passte: Als Gastgeberin verband die NRW.BANK das Branchentreffen mit dem größeren Kontext, in dem privates Kapital und öffentliche Finanzierungs- und Transformationsimpulse zunehmend zusammenspielen, gerade dann, wenn es um Innovation, Mittelstandsfinanzierung und Investitionen in neue Wertschöpfung geht.

Grußwort: Privates Kapital als Partner für Transformation

Christoph Büth, Leiter Eigenkapitalfinanzierungen

Eröffnet wurde der Abend von Christoph Büth in doppelter Rolle als „Hausherr“ und als Vorstandsmitglied des PEF NRW. Sein Grußwort stellte das Miteinander in den Vordergrund: Der Empfang sei als Jahresauftakt gedacht, der die Szene zusammenbringt, Perspektiven bündelt und Kooperationen erleichtert. Zwischen den Zeilen klang dabei eine Botschaft an, die viele Marktteilnehmer teilen: Private Equity und Venture Capital werden längst nicht mehr nur als Finanzierer im Hintergrund wahrgenommen, sondern als aktive Partner, wenn Unternehmen Innovation beschleunigen, Portfolios schärfen oder Transformation in unsicheren Zeiten umsetzen müssen.

BVK-Update: Lagebild und Weichenstellungen für 2026

Ulrike Hinrichs, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des BVK

Im Anschluss lieferte Ulrike Hinrichs, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des BVK, das „Zahlen, Daten, Fakten“-Update, ergänzt um einen politischen Blick auf die wirtschaftliche Lage, zentrale Handlungsfelder für 2026 und die Rolle privaten Kapitals für Deutschland. Der Tenor: Investitionsbereitschaft ist vorhanden, doch Planbarkeit und Rahmenbedingungen bleiben entscheidend. Wer Kapital mobilisieren will, braucht Vertrauen in verlässliche Spielregeln und ein Umfeld, in dem Transformation auch unter Unsicherheit möglich bleibt.

Für viele Zuhörerinnen und Zuhörer war das Update auch deshalb wertvoll, weil es die Gespräche im Anschluss erdete: weniger kurzfristige Stimmung, mehr strukturelle Fragen – von Standortattraktivität und Finanzierungsketten bis zur Rolle privaten Kapitals bei Modernisierung und Wachstum.

Panel „4 Profile, 4 Geschichten“: 25 Jahre Private Equity und Venture Capital

Foto: © PEF NRW e.V.

Den inhaltlichen Kern bildete die Diskussionsrunde „4 Profile, 4 Geschichten – 25 Jahre Private Equity in Deutschland“, moderiert von Karin Hofelich (VentureCapital Magazin). Auf der Bühne standen vier Persönlichkeiten mit sehr unterschiedlichen Blickwinkeln: Dr. Michael Brandkamp, Managing Partner des European Circular Bioeconomy Fund (ECBF), Natascha Grosser, Gründerin von GROSSER Corporate Law und Vorstandsvorsitzende des PEF NRW, Dr. Ute Günther, Vorständin der Business Angels Agentur Ruhr e.V. (BAAR) und Dr. Markus Schillo, Leiter des ERP-EIF-Dachfonds beim European Investment Fund (EIF).

Zum Auftakt sollten alle vier die Entwicklung der letzten 25 Jahre in einem kompakten Rückblick verdichten: Welche Ereignisse waren prägend für Private Equity und Venture Capital in Deutschland? Aus den Antworten entstand schnell ein gemeinsames Bild: Die Szene ist deutlich professioneller, internationaler und thematisch breiter geworden. Zugleich ist sie stärker von Governance-Debatten geprägt als früher.

Persönliche Learnings: Auszeiten, Anekdoten und der Blick hinter den Lebenslauf

Dass das Panel vor Ort (und später in Social-Media-Reaktionen) besonders gut ankam, lag an seiner bewusst persönlichen Note. Statt reiner Karrierestationen ging es um Erfahrungen, die prägen und um die Frage, was man tun würde, wenn plötzlich ein Monat Auszeit möglich wäre.

Brandkamp verband seine Rückschau mit Fotos und Anekdoten, darunter eine Einladung, die ihn zu Charles III geführt habe und die einen bleibenden Eindruck hinterlassen habe. Günther, zugeschaltet aus Greifswald, plauderte ebenfalls aus dem Nähkästchen und skizzierte als Auszeit-Traum eine Mischung aus Reisen, gutem Essen und Wein mit dem klaren Wunsch, danach wieder in ihre Engagements zurückzukehren. Schillo brachte die EIF-Perspektive ein und beschrieb seinen Auszeit-Wunsch ungewöhnlich konkret: mehr Zeit für die Förderung von Frauenfußball.

Besonders nachdenklich machte Grossers Beitrag: Sie berichtete von einem Voluntariat bei der Harnas Wildlife Foundation in Namibia, einem Wildtierschutzgebiet und Tierwaisenhaus nahe Gobabis, das verletzte und verwaiste Wildtiere versorgt und rehabilitiert. Sie verband die Eindrücke mit Begegnungen vor Ort, Bildungsprojekten sowie einem Appell, solche Erfahrungen (auch für Kinder) als Perspektivwechsel zu ermöglichen, und schlug zugleich den Bogen zur Investorenbrille: Afrika befinde sich in einem dynamischen Transformationsprozess, der mehr Aufmerksamkeit verdiene.

Impact als gemeinsamer Nenner

In der Abschlussfrage („Vision für die nächsten 25 Jahre“) zeigte sich ein roter Faden: Impact Investing und nachhaltige Transformation werden weiter zunehmen. Nicht als Nischenthema, sondern als Normalität, die sich in Kriterien, Reporting, Wertschöpfung und Portfolioarbeit niederschlägt. Gleichzeitig blieb der Blick pragmatisch: Wirkung entsteht nur, wenn Geschäftsmodelle tragfähig sind und wenn Umsetzungskompetenz auf Kapital trifft.

Networking und magische Momente

Ab etwa 19.15 Uhr ging der Abend in ein Get together über: zahlreiche bilaterale Gespräche wurden geführt und neue Kontakte geknüpft. Für zusätzliche Gesprächsanlässe sorgte Sven Heubes mit „magischen Momenten“, die zwischen den Gesprächen für erstaunte Gesichter und ein Lächeln im dichten Networking-Programm sorgten. Zum Abschluss bedankte sich das PEF NRW bei Gastgeberin und Unterstützern, darunter Breidenbach, I-ADVISE AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, TIGGES und WECOYA UNDERWRITING GmbH.

Fazit

Der PEF-Neujahrsempfang 2026 war mehr als ein Wiedersehen. Er zeigte, wie sehr die Szene neben Markt-Updates auch Räume für Haltung, persönliche Erfahrungen und offene Gespräche braucht. Gerade diese Mischung aus Fakten, Lebenswegen und Zukunftsfragen machte den Abend zum gelungenen Auftakt und zum Signal, dass privates Kapital in Deutschland nicht nur bereitsteht, sondern Verantwortung in Transformation, Innovation und Unternehmensentwicklung aktiv mitdenken will.

Autorenprofil

Als Chefredakteurin der Unternehmeredition berichtet Eva Rathgeber regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen.

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