Die wirtschaftliche Situation in der schwäbischen Metall- und Elektro-Industrie bleibt im zweiten Halbjahr 2025 angespannt. Laut dem Arbeitgeberverband Bayme Vbm bewerten die Unternehmen ihre aktuelle Lage schlechter als im vergangenen Sommer. Während die Erwartungen für das Inlandsgeschäft leicht steigen, sinken sie für das Auslandsgeschäft deutlich.
Düstere Lagebeurteilung
Nach Angaben der Verbände sank der Saldo der Lagebewertung für das Inland auf -11,9 Punkte. Im Exportgeschäft fiel dieser Wert sogar massiv auf -25,7 Punkte ab. Nur 12% der Betriebe beurteilen das Auslandsgeschäft derzeit als gut. Fast 38% der Unternehmen bezeichnen die aktuelle Situation als schlecht. Jürgen Weiß, Vorsitzender der Region Nordwest-Schwaben, sieht den Standort in einer kritischen Phase. „Wir sind nicht mehr wettbewerbsfähig und zahlen mit der anhaltenden De-Industrialisierung einen hohen Preis dafür“, erklärt Jürgen Weiß heute in einer Pressekonferenz. Laut der Umfrage ist im Ausland eine höhere Produktion und mehr Investitionstätigkeit zu verzeichnen. Dies verdeutliche die Probleme am heimischen Wirtschaftsstandort.
Produktion und Investitionen unter Druck
Die inländischen Produktionspläne der schwäbischen Betriebe sind weiter in den negativen Bereich gerutscht. Zwar wollen knapp 30% der Firmen ihre Fertigung ausweiten. Gleichzeitig muss jedoch jedes dritte Unternehmen den Ausstoß verringern. Auch die Investitionsbereitschaft im Inland verharrt auf einem niedrigen Niveau. Der entsprechende Saldo liegt bei minus 14,4%. Sorge bereitet den Verbänden vor allem die Art der geplanten Ausgaben. Lediglich 11% der Investitionen entfallen auf Erweiterungsmaßnahmen. Der Großteil fließt in Ersatzbeschaffungen oder Rationalisierungen. Nach Ansicht von Jürgen Weiß kommen einmal verlorene Kapazitäten nicht so schnell wieder zurück. Hausgemachte Probleme und bürokratische Hürden verschlimmerten die Situation zusätzlich.
Kritische Ertragslage und Stellenabbau
Die finanzielle Situation vieler Betriebe in Schwaben bleibt prekär. Fast jeder fünfte Betrieb machte im vergangenen Jahr Verluste. Rund 45% der Unternehmen befinden sich in einem kritischen Ertragsbereich. Dies hat direkte Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Für das laufende Jahr prognostiziert der Verband einen Rückgang um 3.000 Stellen. Damit würde die Zahl der Beschäftigten auf knapp 132.000 Personen sinken. „Nirgendwo sieht man die Auswirkungen einer verfehlten Industrie- und Standortpolitik mehr als bei der Beschäftigung“, sagt Jürgen Weiß. Es sei um jeden einzelnen verlorenen Arbeitsplatz traurig. Der Mangel an Fachkräften entspanne sich nur deshalb, weil Unternehmen weniger Personal planen.
Forderungen an die Bundesregierung
Die Industrie fordert von der schwarz-roten Bundesregierung nun rasche Taten. Gute Ansätze wie die Modernisierungsagenda müssten zeitnah in konkrete Aktionen umgesetzt werden. Laut dem Verband wird ein Umsetzungsvorschlag für den Industriestrompreis dringend benötigt. Auch das Kraftwerkssicherheitsgesetz müsse zügig kommen. Andernfalls drohen ab 2032 gefährliche Versorgungslücken im Süden Deutschlands. Ein zentraler Kritikpunkt bleibt die Sozialpolitik der Koalition. Steigende Beiträge zur Renten- und Krankenversicherung belasten sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber. „Ohne eine echte Reform steigen die Beitragssätze, es bleibt weniger Netto vom Brutto“, warnt Jürgen Weiß. Die hohen Arbeitskosten erschweren zudem die anstehenden Tarifverhandlungen mit der IG Metall. Es gehe um die Zukunftsfähigkeit des industriellen Herzens Bayerns.







