Wege aus der Kapitalknappheit (Ausgabe 2/2010)

Das Finanzierungsumfeld für den deutschen MittelstandDie Krisenjahre 2008 und 2009 waren für die meisten Firmen des deutschen Mittelstandes durch eine deutliche Umsatzreduktion und damit einhergehend fallende operative Ergebnisse des Geschäftsbetriebs gekennzeichnet. Gleichzeitig haben die Banken ihre Vorgaben zur Kreditvergabe innerhalb der Krise deutlich verschärft.
Die Krisenjahre 2008 und 2009 waren für die meisten Firmen des deutschen Mittelstandes durch eine deutliche Umsatzreduktion und damit einhergehend fallende operative Ergebnisse des Geschäftsbetriebs gekennzeichnet. Gleichzeitig haben die Banken ihre Vorgaben zur Kreditvergabe innerhalb der Krise deutlich verschärft. Dies führte weitestgehend dazu, dass dringend benötigte Finanzierungen für den Mittelstand nicht zur Verfügung standen. Dies geht einher mit Limitationen bei der Im- und Exportfinanzierung sowie Warenkreditversicherungen. Mit der Stabilisation der Krise und sich aktuell positiv entwickelnden Konjunkturindikatoren, steigenden Auftragseingängen und deutlich verbesserten Umsatz- und Ertragsniveaus scheinen die Zeichen der Planung bei den meisten Unternehmen wieder in Richtung Wachstum zu zeigen.
Frisches Kapital für Aufschwung nötig
In dieser Phase kommt dem Zugang zu frischem Kapital eine wesentliche Bedeutung bei. Gerade für die produktionslastige Industrie, bei der der Bedarf nach Betriebsmittelkrediten mit steigendem Umsatz entscheidend ist, um die Nachfrage zu befriedigen, gilt es aktuell Alternativen für den Zugang zu frischem Kapital aufzuzeigen. Wenn diese Kredite nicht zur Verfügung gestellt werden können, entsteht durch den steigenden Working-Capital-Bedarf zur Produktion der nachgefragten Aufträge ein Engpass der Liquidität und somit eine potenzielle Insolvenzgefahr. Gleichzeitig läuft in den kommenden 18 Monaten ein Großteil der bestehenden Mezzanine-Programme aus. Dieses Mezzanine wurde in großen Teilen vor der Krise zu Konditionen begeben, die, basierend auf Euribor + niedrigem Spread, heute deutlich teurer sind – sofern die Bonität des Schuldners eine Vergabe zulässt. Zwar ist der zugrunde liegende Euribor gesunken, die Risikospreads, die ehemals nur bei 20 bis 50 Basispunkten lagen, befinden sich aktuell noch immer bei zum Teil vierstelligen Aufschlägen. Eine Rückführung der Finanzierungen ohne neue Refinanzierungsalternativen bringt die jeweiligen Unternehmen ebenso in einen Liquiditätsengpass und somit wiederum in das Risiko einer möglichen Insolvenz.
Chance für kapitalstarke Unternehmen
Ein erster Schritt in die richtige Richtung ist der von der Deutschen Bank emittierte Mittelstandsfonds und der von den Sparkassen neu aufgelegte Eigenkapitalfonds. Beide haben ein Volumen von einer halben Milliarde Euro. Die Emission ähnlicher Fonds wird in den kommenden Quartalen erwartet. Die Vergabe dieser Kapitalien für den deutschen Mittelstand wird jedoch einem Credit Rating unterliegen und somit für die Firmen, die das Kapital am dringendsten benötigen, nicht adäquat zur Verfügung gestellt werden können. Für Unternehmen, die über eine starke Kapitalbasis verfügen und einen hohen Cashbestand ausweisen, kann die aktuelle Marktphase jedoch auch eine Chance darstellen. Es existiert außerdem die Möglichkeit, die bestehende Verschuldung durch einen „Debt-Buy-back“ unter dem Nominalwert zu erwerben, also das eigene Fremdkapital – wie teures Mezzanine, Subordinated Loans, aber auch Senior Loans – von den Gläubigern zurückzukaufen. Der daraus resultierende Effekt ist eine Verkürzung der Bilanz durch eine Reduktion des Kassenbestandes auf der Aktivseite, bei einer gleichzeitigen Reduktion der Verbindlichkeiten auf der Passivseite. Die Differenz zwischen dem Rückkaufswert und der Buchverbindlichkeit in der Bilanz fließt als Eigenkapital steigernder Ertrag durch die Gewinn und Verlustrechnung in die Bilanz ein. Der Effekt ist eine Verbesserung der Eigenkapital-Quote und damit die Chance auf final günstigere Senior Loans. Aber auch für Unternehmen, die diesen Weg nicht wählen, kann es ein passender Zeitpunkt sein, um mit einer klaren Bilanzstrategie den Fremdkapitalgebern eine überzeugende Equity Story und damit eine stabile Erwartung für die zukünftige Tilgung des Fremdkapitals zu vermitteln.
Auswege aus der Kapitalknappheit
Die Regierung möchte Finanzierungen sowohl über die bestehenden KfW-Programme als auch durch die genannten Mittelstandfonds bereitgestellt sehen. In diesem Licht erscheint das Jahr 2010 als wichtiger Wendepunkt für einen weiteren Aufschwung der deutschen Wirtschaft. Dabei bietet der hierzulande noch weitestgehend ungenutzte Zugang zu Emissionen mittelständischer Anleihen eine gute Möglichkeit, um den Flaschenhals der Bankenkredite zu umgehen. Emittenten wie Klett, Prokon, die Koch Gruppe, WGF oder die Stadt Essen nutzen diese Möglichkeit bereits seit Jahren. Dies darf jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass die Unternehmen ihrerseits einem ebenfalls detaillierten Ratingprozess unterliegen und entsprechend genaue Zahlen und Planungen nachweisen müssen. Jedoch sind die Kapitalgeber in diesem Fall individuelle und institutionelle Anleger. Anreiz ist neben einem in der Regel attraktiven, höheren Kupon die Verbundenheit mit dem Unternehmen oder der Region und damit ein anderer Investitionsfokus, als es im Normalfall eine Bank betrachten würde. In der Ausgestaltung der Produkte sind klassische Anleihen, Genussscheine, Schuldscheine und Nachrangdarlehen die Mittel der Wahl, die je nach Ausgestaltung zusätzlich Eigenkapital ersetzenden Charakter annehmen können und in Laufzeit, Kupon und Tilgungsstruktur frei definierbar sind.
Christoph D. Kauter
Vorstand der Heliad Equity Partners GmbH & Co. KGaA