Leichte Belebung der deutschen Wirtschaft erwartet

Foto: © Miha Creative_AdobeStock
Foto: © Miha Creative_AdobeStock

Nach Angaben des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) bleibt zum Jahresende unklar, ob sich die deutsche Wirtschaft spürbar erholt. Laut der aktuellen Winterprognose soll die Produktion im Jahr 2026 um 1,0% zunehmen. Für 2025 wird unverändert ein Plus von 0,2% erwartet. Die Forscher hatten im September noch mit einem Wachstum von 0,8% im Jahr 2026 gerechnet. Für Ostdeutschland wird die Expansionsrate 2026 demographisch bedingt etwas niedriger ausfallen.

Rahmenbedingungen mit Unsicherheiten

Nach Angaben des IWH bleibt die internationale Konjunktur zum Jahresende 2025 robust. Trotz der amerikanischen Hochzollpolitik zeige sich der Welthandel widerstandsfähig. Für 2026 seien von der Wirtschaftspolitik weltweit keine größeren Impulse zu erwarten. Das IWH geht davon aus, dass sich die weltwirtschaftliche Expansion leicht abschwächt. In den USA stützen hohe Investitionen im Technologiesektor die Konjunktur. Steigende Preise und ein schwächerer Arbeitsmarkt belasten dennoch den Konsum. Im Euroraum setzt sich die moderate Expansion laut IWH fort, getragen von steigenden Reallöhnen. Risiken ergeben sich aus der Finanzierung des KI-Booms, da zunehmend weniger transparente Instrumente genutzt werden. Das IWH sieht Gefahren für die Stabilität der Finanzmärkte und verweist auf die steigende Staatsverschuldung vieler Industriestaaten.

Schwache Unternehmensstimmung

Nach Angaben des IWH hatte sich die Stimmung in den Unternehmen im Frühjahr verbessert, seit dem Sommer ist der Optimismus aber nicht weiter gestiegen. Die Produktion stagnierte im dritten Quartal. Der öffentliche Konsum nahm zu, während private Haushalte weniger ausgaben. Die Exporte gingen deutlich zurück. Investitionen legten wieder zu, was vor allem auf höhere staatliche Ausrüstungsinvestitionen zurückgeführt wird. Diese hängen laut IWH zum großen Teil mit Verteidigungsausgaben zusammen. Trotz rückläufiger Beschäftigung bleibt die Lohndynamik kräftig. Die Haushalte könnten ihre Ausgaben 2026 ausweiten, da aus Lohneinkommen tendenziell mehr konsumiert wird. Oliver Holtemöller, Vizepräsident des IWH, sagt: „Was die deutsche Konjunktur aber vor allem beleben dürfte, sind die zusätzlichen öffentlichen Ausgaben für Infrastruktur und Verteidigung, auch wenn die Verausgabung der Gelder wegen Umsetzungsproblemen deutlich schleppender verlaufen wird als geplant.“

Nach Angaben des IWH hängt die erwartete Erholung 2026 wesentlich von den Investitionen und steigenden Exporten ab. Beide Faktoren seien jedoch unsicher. Kapazitäten der Bau- und Rüstungswirtschaft könnten schneller ausgelastet sein. Dann würden höhere Ausgaben eher Preiseffekte erzeugen. Die Stabilisierung des Exportsektors sei gefährdet, falls China seine Industrie stärker durch Exportsubventionen stützt. Oliver Holtemöller betont: „Davon wäre die deutsche Exportwirtschaft wohl besonders betroffen, denn auf vielen Märkten für Güter des Verarbeitenden Gewerbes sind chinesische und deutsche Unternehmen direkte Konkurrenten.“

Ökonomen korrigieren Wachstumsprognosen

Auch andere Institute zeigen sich zurückhaltend. Das ifo Institut erwartet für 2026 ein Wachstum von 0,8%. Für das laufende Jahr rechnet es nur mit 0,1%. „Die deutsche Wirtschaft passt sich dem Strukturwandel durch Innovationen und neue Geschäftsmodelle nur langsam und kostspielig an“, sagt Timo Wollmershäuser vom ifo Institut. Unternehmen würden laut ifo durch Bürokratie und eine veraltete Infrastruktur zusätzlich belastet. Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) rechnet 2026 mit einem Plus von 1,0%. Für 2025 bleibt es auch dort bei 0,1%. Nach Angaben des IfW habe sich die Wirtschaft auf niedrigem Niveau stabilisiert. Das RWI Essen warnt vor einem zu langsamen Einsatz staatlicher Investitionsmittel.

Laut ifo dämpfen die erhöhten US-Zölle das Wachstum 2025 um 0,3 Prozentpunkte und 2026 um 0,6 Prozentpunkte. Die deutsche Industrie profitiere trotz moderaten globalen Wachstums nicht ausreichend. Die Wettbewerbsfähigkeit sinke weiter. Verzögerte Effekte aus staatlichen Investitionen sollen laut ifo im Jahr 2026 einen Wachstumsbeitrag von 0,3 Prozentpunkten liefern. „Die Maßnahmen der Bundesregierung helfen kurzfristig, aber sie reichen nicht aus, um langfristig die Produktionskapazitäten der deutschen Wirtschaft auszuweiten“, sagt Timo Wollmershäuser.

Produktionspotenzial sinkt langfristig

Das ifo Institut revidiert das Produktionspotenzial deutlich nach unten. Für 2027 liegt es 0,7 Prozentpunkte unter der Herbstprognose. Gründe sind laut ifo ein geringeres Arbeitskräfteangebot, schwächere Investitionen und ein nachlassendes Produktivitätswachstum. Die Inflation bleibt knapp über 2%. Das ifo warnt, ohne strukturelle Reformen drohe eine weitere Schwächung des Wirtschaftsstandorts.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Tech-Start-ups.

Vorheriger ArtikelHaslach Group richtet sich mit Eigenverwaltungsverfahren neu aus
Nächster ArtikelDie Scouts aus Marzahn