Konjunkturelle Dynamik im Aufschwung

Foto: © Miha Creative_AdobeStock
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Die deutsche Wirtschaft verzeichnet im Januar ein beschleunigtes Wachstum. Laut der aktuellen Vorabschätzung stieg der HCOB Flash Deutschland Composite PMI auf 52,5 Punkte. Im Dezember lag dieser Wert noch bei 51,3 Punkten. Nach Angaben der Hamburg Commercial Bank markiert dies ein Dreimonatshoch. Die konjunkturelle Entwicklung wird maßgeblich durch einen Anstieg der Auftragseingänge gestützt. Der Servicesektor erweist sich dabei als wichtigster Wachstumstreiber. Die Geschäfte liefen in diesem Bereich besser als in den Vormonaten. Gleichzeitig steigerte die Industrie ihre Produktion geringfügig. Der entsprechende Index kletterte auf 50,5 Punkte. Zuvor war die Fertigung im Dezember erstmals seit zehn Monaten zurückgegangen. Die Nachfrage im Dienstleistungsbereich zog wieder kräftig an. Auch das Verarbeitende Gewerbe verzeichnete nach zwei rückläufigen Monaten einen minimalen Zuwachs. Die Exporte näherten sich einem stabilen Niveau an. Serviceanbieter vermeldeten ein solides Plus beim Auslandsgeschäft.

Preisentwicklung und Kostendruck

Der Anstieg der Einkaufspreise beschleunigte sich im Berichtszeitraum rasant. Laut der Untersuchung fiel der Zuwachs so stark aus wie seit knapp drei Jahren nicht mehr. In der Industrie wurde ein 37-Monatshoch bei den Beschaffungskosten registriert. Die Dienstleister meldeten ein 11-Monatshoch. Als Gründe wurden gestiegene Kosten für Löhne und Transport angeführt. Auch die Verteuerung von Energie und Metallen belastete die Unternehmen. Infolgedessen hoben die Betriebe ihre Verkaufspreise kräftig an. Der Anstieg war so deutlich wie zuletzt im Mai 2023. Dieser Trend war fast ausschließlich auf den Servicesektor zurückzuführen. Im Gegensatz dazu reduzierten Industriebetriebe ihre Preise weiterhin moderat.

Stellenabbau trotz Wachstums

Die Lage am Arbeitsmarkt verschlechterte sich im Januar deutlich. Trotz höherer Zuversicht sank die Beschäftigung in beiden Sektoren rapide. Nach Angaben der Erhebung war dies der stärkste Gesamtrückgang seit Mitte 2020. Ohne Berücksichtigung der Pandemie sank die Beschäftigung so rasant wie zuletzt im November 2009. Der Servicesektor war hauptverantwortlich für den beschleunigten Jobabbau. Viele Unternehmen klagten über nicht ausgelastete Kapazitäten. Die Auftragsbestände nahmen insgesamt stark ab. Dr. Cyrus de la Rubia von der Hamburg Commercial Bank erklärt hierzu: „Insgesamt ist das ein guter Start ins neue Jahr.“ Er ergänzt: „Obwohl es Anzeichen für eine leichte Erholung gibt, haben Dienstleistungsunternehmen im Januar ihr Personal deutlich reduziert, was wir eher auf Effizienzmaßnahmen als auf eine Reaktion auf die schwächere Nachfrage zurückführen.“ Im Verarbeitenden Gewerbe setzte sich der Stellenabbau unvermindert fort. Laut de la Rubia wird debattiert, inwieweit strukturelle Probleme Reformen erfordern. Die Geschäftsaussichten für das kommende Jahr fielen dennoch so positiv aus wie seit Februar 2022 nicht mehr.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Tech-Start-ups.

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