Insolvenzen in Deutschland 2012 – leichte Rückgänge in solidem Umfeld

Die durch Unternehmensinsolvenzen verursachten Schäden für die Insolvenzgläubiger haben im Vergleich zum Vorjahr, als noch eine deutliche Entspannung der Insolvenzsituation und weitaus weniger große Firmeninsolvenzen verzeichnet wurden, merklich zugenommen. Die Schäden aus Insolvenzen summieren sich 2012 auf 38,5 Mrd. Euro. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres belief sich die Insolvenzschadenssumme auf insgesamt 21,5 Mrd. Euro.

Schlecker und Co.
Ursächlich für diese Entwicklung dürfte vor allem die im laufenden Jahr erheblich höhere Zahl an Großinsolvenzen sein. Insbesondere die großen Insolvenzen in den Segmenten Erneuerbare Energien und Automobilzulieferer sowie die Zusammenbrüche namhafter Unternehmen wie Schlecker oder Neckermann zogen Schäden in Milliardenhöhe nach sich. Dabei trifft es nach wie vor private Gläubiger weitaus härter als die öffentliche Hand. Die Schäden für private oder gewerbliche Gläubiger belaufen sich im Jahr 2012 überschlägig auf 26,2 Mrd. EUR (2011: 15,4 Mrd. EUR), während öffentliche Gläubiger 12,3 Mrd. EUR (2011: 6,1 Mrd. EUR) an offenen Forderungen registrieren.

Gesamtarbeitsplatzverluste insolventer Unternehmen in Deutschland. Quelle: Creditreform

Derweil sind die Zahl der betroffenen Gläubiger und die individuellen Forderungsbeträge bei großen Firmenzusammenbrüchen – wie dem der Schlecker Unternehmensgruppe – in der Regel deutlich höher als bei Insolvenzen mittelständischer Unternehmen.

Die ermittelte Schadenssumme beruht zum Teil auf Schätzungen und Hochrechnungen. Eine exakte Berechnung der Schäden für die Gläubiger und die Öffentlichkeit ist äußerst komplex, da von den Insolvenzgläubigern nicht alle offenen Forderungen in voller Höhe angezeigt werden und sich zudem nicht zweifelsfrei feststellen lässt, inwiefern Rückflüsse an Teile der Gläubiger erfolgt sind. Davon abgesehen ist die Aufforderung an die Gläubiger zur Anmeldung ihrer Ansprüche üblicherweise zum Zeitpunkt der Erfassung des Verfahrens noch gar nicht erfolgt, so dass sich die exakte Höhe der Forderungsverluste frühestens zwei Jahre nach Eröffnung des Verfahrens ermitteln lässt.

Insolvenzen und Arbeitsplatzverluste
Die Zahl der Arbeitsplätze, die aufgrund der Insolvenzen verloren gehen oder bedroht sind, hat gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 46,6% zugenommen – von 236.000 auf rund 346.000 Arbeitnehmer. Dies ist in erster Linie auf die Insolvenz einiger großer, namhafter Unternehmen wie Schlecker zurückzuführen. Gleichwohl bewegt man sich dabei noch auf einem vergleichsweise moderaten Niveau. Zum Vergleich: Die diesjährige Zahl der drohenden Arbeitsplatzverluste liegt rund 100.000 Arbeitnehmer unter dem Mittelwert der letzten zehn Jahre (ca. 450.000 drohende Jobverluste).

Fazit:
Die allgemeine Arbeitsmarktlage ist immer noch gut, allerdings werden zunehmend die Auswirkungen der europäischen Rezession zu erkennen sein – auch in Deutschland. Und auch wenn sich die Zahl der Insolvenzen 2012 reduziert hat – die wirtschaftlichen Schäden und die Arbeitsplatzverluste haben zugenommen. Insgesamt wird sich der Trend leicht rückläufiger Unternehmensinsolvenzen 2013 fortsetzen. Auszugehen ist von rund 29.000 betroffenen Betrieben. Das Finanzierungsumfeld für die Unternehmen zeigt sich fest, an Aufträgen mangelt es auch dem Mittelstand nicht. Gute Voraussetzungen für eine weiterhin entspannte Insolvenzlage.


Zur Person:
Michael Bretz ist Mitglied der Geschäftsleitung des Verbandes der Vereine Creditreform und verantwortlich für die Unternehmenskommunikation und Wirtschaftsforschung. Die Unternehmensgruppe Creditreform stellt mittelständischen Unternehmen Dienstleistungen zur Risikoidentifikation und zum Gläubigerschutz zur Verfügung. www.creditreform.de

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