Die weltweiten Unternehmensinsolvenzen steigen laut der aktuellen Studie von Allianz Trade im Jahr 2026 deutlich an. Nach Angaben des Kreditversicherers dürften die Fallzahlen global um 6% zunehmen. Ursprünglich war die Prognose vor der Eskalation des Nahostkonflikts von einem Zuwachs um lediglich 3% ausgegangen. Damit markiert das Jahr 2026 den fünften Anstieg der Pleiten in Folge. Die Experten führen diese Entwicklung maßgeblich auf die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten zurück. Dieser Konflikt sorgt für zusätzliche Unsicherheit auf den Energiemärkten und belastet die globalen Lieferketten erheblich.
Düstere Aussichten für die Weltwirtschaft
„Schon jetzt hat der Nahostkonflikt auf Deutschland deutliche Auswirkungen und auch der US-Handelskrieg ist längst nicht vorbei“, sagt Milo Bogaerts, CEO von Allianz Trade in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Laut der Studie führt die Krise zu insgesamt knapp 15.000 zusätzlichen Insolvenzen weltweit in den Jahren 2026 und 2027. Davon entfallen allein 7.000 Fälle auf das Jahr 2026. Die direkten Folgen seien nicht nur bei der Inflation, sondern auch an der Zapfsäule spürbar. Nach Einschätzung des Unternehmens werden der Welthandel und die deutsche Wirtschaft durch diese Faktoren erneut ausgebremst. Insbesondere energieintensive Sektoren wie Chemie, Metall und Transport stehen unter massivem Druck.
Höchststand der Firmenpleiten in Deutschland
In Deutschland rechnet der Versicherer mit einem Anstieg der Insolvenzen um 2% auf insgesamt 24.650 Fälle. Dies entspräche laut Allianz Trade dem höchsten Stand der Firmenpleiten seit 14 Jahren. Im Vergleich zum Vorjahr 2025 bedeutet dies eine Zunahme um 800 Fälle. Die Prognose wurde damit im Vergleich zu früheren Schätzungen, die nur von einem Plus von 1% ausgingen, nach oben korrigiert. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wurden bereits im Jahr 2025 über 24.000 Fälle registriert. Schon das erste Quartal 2026 zeigte eine besorgniserregende Entwicklung mit den höchsten Fallzahlen seit dem Jahr 2005.
Massenhafter Verlust von Arbeitsplätzen droht
Die steigende Zahl der Unternehmensinsolvenzen hat gravierende Auswirkungen auf den deutschen und internationalen Arbeitsmarkt. Laut der Hochrechnung von Allianz Trade sind in Deutschland im Jahr 2026 rund 209.000 Arbeitsplätze direkt gefährdet. Weltweit könnten sogar 2,2 Millionen Jobs durch die Pleitewelle verloren gehen. Dies entspräche einem Anstieg um 94.000 Stellen im Vergleich zum Jahr 2025. Nach Aussage von Maxime Lemerle, leitender Analyst bei Allianz Trade, sind das Bauwesen, der Einzelhandel und der Dienstleistungssektor am stärksten betroffen. Europa führt die weltweite Statistik der potenziell betroffenen Jobs mit insgesamt 1,3 Millionen Stellen an.
Risiken einer weiteren Eskalation
In einem Worst-Case-Szenario könnten die Zahlen noch weitaus negativer ausfallen. Sollte der Nahostkonflikt länger anhalten, prognostiziert der Versicherer einen globalen Anstieg der Insolvenzen um 10% im Jahr 2026. „Es hängt jetzt alles von der Dauer des Nahostkonflikts ab“, sagt Bogaerts. In diesem Fall würde die Zahl der Pleiten in Deutschland um 4% auf fast 25.000 Fälle steigen. Die Wahrscheinlichkeit für ein solches Szenario beziffert das Unternehmen auf 35%. Besonders kritisch wird eine langanhaltende Blockade der Straße von Hormus gewertet. Dies würde die weltweite Öl- und Gasversorgung sowie die Rohstoffverfügbarkeit massiv beeinträchtigen.
Hoffnung auf Stabilisierung im Jahr 2027
Für das Jahr 2027 sieht der Kreditversicherer jedoch einen ersten Lichtblick am Horizont. Unter der Voraussetzung eines baldigen Endes der Konflikte wird ein leichter Rückgang der Insolvenzen in Deutschland erwartet. Nach Angaben der Studie könnten die Fallzahlen hierzulande um 2% auf 24.150 sinken. Global dürfte sich die Situation auf einem hohen Niveau stabilisieren. Die Expertin Aylin Somersan Coqui, CEO von Allianz Trade, betont jedoch die bleibende Volatilität. Unternehmen mit hoher Verschuldung oder geringen Margen bleiben weiterhin besonders anfällig für wirtschaftliche Schocks. Bis zu einer echten Erholung bleibt der Weg für viele Betriebe trotz staatlicher Unterstützung schwierig.







