Galvanoform sucht Investor nach erneutem Insolvenzantrag

Aussetzung der Insolvenzantragspflicht verlängert
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Der Spezialist für galvanische Formgebung hat beim Amtsgericht Offenburg einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Das Gericht bestellte den Fachanwalt für Insolvenz- und Sanierungsrecht Dirk Pehl von der Kanzlei Schultze & Braun zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Trotz des Verfahrens läuft der Geschäftsbetrieb der Galvanoform Innovative Technologies GmbH mit Sitz in Lahr im Schwarzwald in vollem Umfang weiter. Alle bestehenden Aufträge werden laut dem vorläufigen Insolvenzverwalter wie geplant bearbeitet und ausgeliefert. Das in den 1950er Jahren gegründete Traditionsunternehmen ist auf die Herstellung von Präzisionswerkzeugen spezialisiert.

Die rund 70 Mitarbeitenden des Betriebs wurden bereits über die aktuelle Lage und die weiteren Schritte informiert. Nach Angaben von Schultze & Braun sind die Löhne und Gehälter der Beschäftigten bis Ende Mai über das Insolvenzgeld gesichert. Ziel des Verfahrens ist der Erhalt des Unternehmens sowie möglichst vieler Arbeitsplätze am Standort Lahr. „Galvanoform ist ein führender Hersteller in einem relevanten Wirtschaftssegment, der mit einer jahrzehntelangen Erfahrung und einer Spezialisierung auf die Herstellung von Präzisionswerkzeugen punkten kann“, sagt Pehl. Diese Kombination mache den Werkzeughersteller für den Einstieg potenzieller Investoren interessant.

Ursachen der finanziellen Schieflage

Grund für den Insolvenzantrag sind laut Geschäftsführung unvorhersehbare und kurzfristige Umsatzrückgänge. Diese resultieren aus der wirtschaftlichen Schwäche in den Branchen, in denen die Kunden von Galvanoform tätig sind. „Weniger Umsätze in den Branchen unserer Kunden bedeuten zwangsläufig auch weniger Aufträge für uns als Werkzeughersteller“, sagt Geschäftsführer Hans-Günter Bayer. Erhebliche Belastungen entstanden zudem durch den verstärkten Wettbewerb aus China sowie durch gestiegene Kosten für Energie und Rohstoffe. Die daraus entstandene Liquiditätslücke konnte die Gesellschaft aus eigener Kraft nicht mehr schließen. Das Unternehmen durchlief bereits in den Jahren 2019 und 2022 Insolvenzverfahren. Die aktuellen Gesellschafter hatten den Betrieb im Rahmen eines Asset Deals übernommen.

Suche nach neuen Investoren

Für eine langfristige Perspektive ist der Einstieg eines Investors laut Pehl essenziell. Der Experte prüft derzeit die wirtschaftlichen Voraussetzungen für eine Sanierungslösung. Ohne ein neues Konzept und frisches Kapital müsste der Betrieb nach Ende des Insolvenzgeldzeitraums im Mai voraussichtlich kontrolliert heruntergefahren werden. Ein Investor müsse neben Kapital idealerweise auch neue Aufträge für den Standort mitbringen. Der Investorenprozess steht laut dem vorläufigen Insolvenzverwalter allen interessierten Parteien offen. Galvanoform beliefert Kunden in Branchen wie dem Automobilbau, der Luftfahrt und der Sanitärtechnik.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Tech-Start-ups.

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