Feneberg Lebensmittel insolvent

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Feneberg Lebensmittel GmbH hat beim Amtsgericht Kempten ein Schutzschirmverfahren nach § 270d InsO beantragt. Das Unternehmen strebt laut einer heute verschickten Pressemeldung eine wirtschaftliche und strukturelle Neuaufstellung in Eigenverwaltung an. Rund 3000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind von diesem Schritt direkt betroffen. Nach Angaben des Unternehmens dient das Verfahren der umfassenden Sanierung unter eigener Verantwortung.

Restrukturierung beginnt

Ein Team der Kanzlei Grub Brugger berät den Lebensmittelhändler während des gesamten Prozesses. Partner Dr. Frank Schäffler leitet die rechtliche Begleitung des Verfahrens. „Das Schutzschirmverfahren bietet den rechtlichen Rahmen, um die notwendigen Sanierungsschritte strukturiert umzusetzen“, sagt Frank Schäffler. Er möchte das Unternehmen wirtschaftlich stabilisieren und möglichst viele Filialen erhalten. Jochen Sedlitz fungiert in der aktuellen Phase als Generalbevollmächtigter. Die Sanierung verantwortet Stephan Leibold als Sanierungsgeschäftsführer. Er leitet das operative Geschäft gemeinsam mit Amelie Feneberg. Das Gericht bestellte Prof. Dr. Martin Hörmann von der Kanzlei Anchor zum vorläufigen Sachwalter.

Gründe für die Krise

Das Unternehmen reagiert mit diesem rechtlichen Schritt auf eine seit längerer Zeit angespannte wirtschaftliche Lage. Laut Firmenangaben wirken sich Verluste und hohe Pensionsverpflichtungen negativ auf das Ergebnis aus. Zudem belasten strukturelle Defizite im Filialnetz die finanzielle Situation der Gesellschaft. Ein weiterer Faktor ist die Insolvenz der ehemaligen Tochtergesellschaft Allgäu Fresh Foods. Diese Ereignisse führten zu einer notwendigen Neuausrichtung des traditionsreichen Händlers. Auch die allgemeine Konsumflaute und steigende Kosten beeinflussen die wirtschaftliche Entwicklung des Einzelhändlers negativ.

Zukunft des Filialnetzes offen

Die Sanierung konzentriert sich vor allem auf die Überprüfung der vorhandenen Standorte. Dauerhaft unwirtschaftliche Filialen werden laut Unternehmensangaben kritisch bewertet. Das Management prüft Schließungen sowie Übertragungen einzelner Märkte an Investoren. Ziel bleibt die Fortführung möglichst vieler Standorte in einer geeigneten Struktur. Ein Investorenprozess soll zusätzliche Finanzierungslösungen und strategische Optionen für die Zukunft sichern. Nach Angaben der Kanzlei Leibold Consulting werden maßgeschneiderte Beratungsdienstleistungen in diesem Umbruch angeboten. Diese Unterstützung soll die Transformation und das Management im Betrieb dauerhaft stärken.

Fortführung des Geschäftsbetriebs

Das operative Kerngeschäft läuft während des laufenden Verfahrens ohne Einschränkungen weiter. Nach Angaben des Generalbevollmächtigten ist die Versorgung der Kunden in den Märkten sichergestellt. Die Lohnzahlungen der Angestellten sind über die Sanierung hinweg gesichert. Laut Jochen Sedlitz ist der gesamte Geschäftsbetrieb für die geplante Neuausrichtung durchfinanziert. „Unser Anspruch ist es, den Sanierungsprozess lösungsorientiert und mit Augenmaß zu führen“, so Stephan Leibold. Der Händler kooperiert bereits seit 1993 mit Edeka und festigte diese Partnerschaft im Jahr 2018.

es lebt Die Geschichte des Unternehmens reicht bis in das Jahr 1947 zurück. Damals wandelte Theodor Feneberg den Käse-Großhandel seines Vaters in ein Lebensmittelgeschäft um. Laut historischen Berichten stellte er seine Läden früh auf moderne Selbstbedienungssupermärkte um. Mit den Jahren expandierte der Händler im Allgäu und in der näheren Umgebung. Das Filialnetz erstreckt sich heute vom Bodensee bis in den Raum München. Gemeinsam mit Hannes Feneberg und Christof Feneberg wurde die regionale Ausrichtung stets betont. Mit der Bio-Eigenmarke setzte das Unternehmen früh auf eine Kombination aus Bio und Regionalität. Trotz dieser Marktpositionierung machten die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen den nun eingeleiteten Schritt erforderlich. Die Sanierung soll die Zukunft des Händlers nachhaltig sichern.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Tech-Start-ups.

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