Familienunternehmen fordern Steuersenkungen für ihre Mitarbeiter

Studie der Stiftung Familienunternehmen zeigt dringenden Reformbedarf

Die Steuer- und Abgabenlast für Arbeitnehmer ist für deutsche Familienunternehmen derzeit das größte Hindernis im Steuersystem.
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Mehr als 80 % der Unternehmen in Deutschland meinen, ihre Belegschaft sei durch Steuern und Abgaben stark oder sehr stark belastet. Das zeigt der neue „Jahresmonitor“ der Stiftung Familienunternehmen, eine jährliche Umfrage unter 1.700 überwiegend Familienunternehmen aller Größen und Branchen, durchgeführt vom ifo Institut in München. Dieser Faktor wird von den Firmen nicht nur als Kostenfaktor, Leistungsbremse und große Ungerechtigkeit wahrgenommen, sondern mittlerweile sogar schwerwiegender eingestuft als die direkte steuerliche Belastung der Unternehmen selbst.

Leistungsbremse durch Lohnnebenkosten

Die Autoren der Studie betonen, dass es den Unternehmen dabei nicht nur um die eigenen Beschäftigungskosten gehe. Vielmehr werde die Abgabenlast als „Leistungsbremse“ wahrgenommen, die das Arbeitsangebot verknappt und die Motivation der Mitarbeiter dämpfe. Neben den Steuern auf Arbeit identifiziert die Umfrage die Gewerbesteuer sowie die Energieabgaben als weitere zentrale Belastungsfaktoren.

Besonderes Augenmerk richten die Betriebe zudem auf die Komplexität des deutschen Steuerrechts. Hohe Befolgungskosten und eine bürokratische Erbschaftsteuer erschweren laut Umfrage vor allem die Unternehmensnachfolge und führen zu ineffizienten Anpassungsreaktionen innerhalb der Betriebe.

Grafik: © Stiftung Familienunternehmen, 2025

Forderung nach Reformen der Einkommen- und Körperschaftsteuer

Als wichtigste Option für eine Steuerreform nennen rund 70 % der Befragten eine Senkung der Einkommensteuer. Dies würde sowohl die Gewinne der Inhaber von Personenunternehmen entlasten als auch den Faktor Arbeit attraktiver machen.

Darüber hinaus plädiert die Wirtschaft für eine Senkung der Stromsteuer, die Abschaffung des Solidaritätszuschlags sowie die Verstetigung der (derzeit befristeten) degressiven Abschreibung von 30 %. Um die Investitionskraft nachhaltig zu stärken und die Attraktivität des Steuerstandorts zu erhöhen, wäre eine Entlastung bei der Körperschaftsteuer unabdingbar, die bisher erst 2028 und in kleinen Schritten geplant ist.

Forscher empfehlen strukturelle Umorientierung

Das ifo Institut stützt die Forderungen der Unternehmen nach mehr Bürokratieabbau und Planungssicherheit. Die Forscher empfehlen eine strukturelle Umorientierung: Die hohen direkten Steuern sollten gesenkt und stattdessen durch moderat höhere indirekte Steuern kompensiert werden, sofern ein Ausgleich für einkommensschwächere Haushalte erfolgt.

Prof. Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen, mahnte angesichts der Ergebnisse, dass Deutschland als Hochsteuerstandort den Anschluss verloren habe. Die aktuellen Rahmenbedingungen nähmen sowohl Arbeitgebern als auch Arbeitnehmern die „Freude an der Leistung“.

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Moritz Voss
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