Experten warnen: Erbschaftsteuerpläne belasten Betriebe

5,2 Millionen Beschäftigte betroffen

Die SPD-Bundestagsfraktion plant, mittlere und große Familienunternehmen stärker mit Erbschaftsteuern zu belasten.
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Die SPD-Bundestagsfraktion plant, mittlere und große Familienunternehmen stärker mit Erbschaftsteuern zu belasten. Nach aktuellen Schätzungen der Stiftung Familienunternehmen und Politik, die auf Daten des ZEW-Unternehmenspanels basieren, wären von diesen Steuererhöhungen rund 83.000 Familienunternehmen mit insgesamt 5,2 Millionen Beschäftigten betroffen. Damit liege die Zahl der betroffenen Betriebe fast doppelt so hoch wie die ursprünglich angenommenen 44.000 Unternehmen. Dass weitaus mehr Betriebe belastet würden, läge unter anderem daran, dass das Mannheimer Unternehmenspanel auch Auslandsumsätze erfasse, was zu einer höheren Bewertung der Unternehmen führe.

Verschärfung der steuerlichen Rahmenbedingungen

Konkret beabsichtigt die SPD, Betriebsvermögen ab einem Freibetrag von 5 Mio. EUR der Erbschaftsteuer zu unterwerfen. Nach Einschätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) würde die Steuer damit bereits für Unternehmen ab einem Jahresumsatz von etwa 10 Mio. EUR relevant werden. Besonders kritisch wird das Vorhaben bewertet, die bisherigen Verschonungsregeln abzuschaffen. Nach geltendem Recht können Erben von Betrieben bisher weitgehend von der Steuer befreit werden, sofern sie den Betrieb fortführen und die Beschäftigung stabil halten. Dieser Mechanismus, der die Substanz der Unternehmen schützen soll, fiele nach dem Willen der SPD künftig weg.

Warnung vor Investitionsstopp und Beschäftigungsabbau

Prof. Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen und Politik, bezeichnet die Pläne als Gefahr für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Er kritisiert, dass Steuererhöhungen vor allem mittlere und große Familienunternehmen träfen, die in ländlichen Regionen oft die wichtigsten Arbeitgeber seien. Da die für die Steuerzahlung notwendigen Mittel meist nicht liquide vorlägen, müssten diese dem Betrieb entnommen werden, was zulasten notwendiger Investitionen in Fabriken, Maschinen und Patente ginge. Kirchdörfer warnt, dass dieses Konzept den wirtschaftlichen Niedergang beschleunige und letztlich zu einem verstärkten Beschäftigungsabbau führen werde, bei dem auch die Arbeitnehmer die Zeche zahlen müssten.

Familienunternehmen als Jobmotor gegenüber DAX-Konzernen

Die enorme Bedeutung dieser Unternehmen für den deutschen Arbeitsmarkt belegen aktuelle Daten der Stiftung: Allein auf die 500 größten Familienunternehmen entfallen im Inland rund 2,97 Millionen Beschäftigte – mehr als doppelt so viele wie bei den DAX-Konzernen in Streubesitz, die lediglich auf 1,08 Millionen Mitarbeiter kommen. Die Dynamik der vergangenen Jahre unterstreicht diesen Kontrast: Während die Top 500 zwischen 2013 und 2022 rund 620.000 neue Arbeitsplätze in Deutschland schufen, bauten die DAX-Konzerne im gleichen Zeitraum rund 57.000 Stellen ab. Weltweit beschäftigen diese 500 größten Familienunternehmen rund 6,4 Millionen Menschen.

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Moritz Voss
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