Die Zusammenarbeit zwischen Unternehmergenerationen ist oft von Spannungen geprägt. Unterschiedliche Erfahrungen, Prioritäten und Perspektiven treffen aufeinander mit dem Risiko, dass Entscheidungsprozesse ins Stocken geraten. Doch genau aus dieser Konstellation kann auch eine besondere Dynamik entstehen. In meinem Fall führte sie zu Morpheus Logistik: einer Drohnen-Airline mit EU-Zulassung, die heute medizinische Transporte in Nordrhein-Westfalen durchführt.

Ich selbst konnte schon wichtige Erfahrung sowohl im Mittelstand als Geschäftsführer in vierter Generation bei der Karl Koerschulte Group als auch im Start-up-Wesen damals während meiner Zeit bei Germanwings. Meine Stationen führten mich durch technologiegetriebene Branchen, geprägt von hohem Tempo, Unsicherheit und einer Begeisterung für Lösungen, die bestehende Systeme infrage stellen. Mein Vater hingegen steht für klassische mittelständische Unternehmensführung. Über Jahrzehnte hinweg hat er die Koerschulte GmbH in Lüdenscheid mit aufgebaut – ein Handelsunternehmen mit über 500.000 Produkten im Sortiment und tiefen Wurzeln in der Region.
Trotz, oder gerade wegen unserer Unterschiede entschieden wir uns zur gemeinsamen Gründung von Morpheus Logistik. Wir wollten etwas schaffen, das Bestand hat und gleichzeitig neue Wege geht. Eines unserer zentralen Themen ist die medizinische Notfallversorgung. Dieses gesellschaftlich enorm wichtige Feld hat für mich auch eine persönliche Bedeutung: Durch meine überstandene Krebserkrankung ist mir der Wert funktionierender Versorgungswege besonders bewusst geworden. Umso mehr freut es mich, dass wir heute als Branchenpioniere dazu beitragen können, Leben zu retten. Ergänzt wird dieses Engagement durch unsere Lösungen für zeitkritische Transporte – etwa für dringend benötigte Ersatzteile – die wir in Kooperation mit der Koerschulte Group zuverlässig an Unternehmen in der Region liefern.
Zwei Perspektiven, ein Unternehmen
Was uns unterscheidet, hat sich als Stärke erwiesen. Mein Vater bringt die Strukturiertheit und Erfahrung aus Jahrzehnten Unternehmensführung mit, inklusive eines klaren Blicks auf Prozesse, Finanzierungsmodelle und Risiken. Neben meiner ebenfalls langjährigen Erfahrung als Geschäftsführer im Mittelstand, die ich nun in die Startup-Welt übertrage, ergänze ich zusätzlich die Vision, die Technologie und die Bereitschaft, neue Märkte zu erschließen.
Unser gemeinsames Unternehmen ist ein Produkt dieser Spannung. Bei Morpheus Logistik heben keine Drohnen ab, ohne dass alle Parameter durchdacht sind. Gleichzeitig entwickeln wir uns in einem hochinnovativen Umfeld weiter, in dem Skalierung, Regularien und technologische Weiterentwicklung tägliche Herausforderungen darstellen.
Was andere Unternehmerinnen und Unternehmer daraus mitnehmen können
Ich glaube, dass unser Modell auch für andere mittelständische Unternehmen ein Weg sein kann: nicht zwingend in der klassischen Nachfolge, sondern in Form eines unternehmerischen Nebeneinanders. In unserem Fall bedeutete das: keine Revolution des Familienunternehmens, sondern eine wirtschaftlich unabhängige Firma mit eigener Dynamik, aber mit Rückhalt und Ressourcen aus dem Mittelstand.
Technologische Disruption muss nicht im Widerspruch zur mittelständischen Kultur stehen. Im Gegenteil: Gerade die Kombination aus Verlässlichkeit und Innovationsfähigkeit macht neue Geschäftsmodelle tragfähig.
Transformation braucht beides: Erfahrung und Vision
Natürlich gab es Reibung. Aber gerade diese Reibung hat Entscheidungen belastbarer gemacht. Wir mussten einander zuhören, Argumente liefern, die andere Seite ernst nehmen. Das hat Morpheus Logistik immer besser gemacht.
Ich bin überzeugt: Transformation ist kein Selbstzweck. Sie muss Probleme lösen und sich in der Realität bewähren. Wenn Mittelstand und Technologieentwicklung sich nicht gegenseitig ausschließen, sondern konstruktiv aufeinandertreffen, kann daraus etwas entstehen, das langfristig tragfähig ist.
Für mich und meinen Vater ist Morpheus Logistik genau das: ein Unternehmen an der Schnittstelle von Versorgungssicherheit und technologischem Fortschritt – gegründet in dem Glauben, dass Unterschiede nicht trennen müssen, sondern ergänzen können.





