„Der Markt ist wieder aktiv und dynamisch“

Interview mit Frank Hüther, Geschäftsführer Abacus alpha GmbH

Foto: © Bijac_AdobeStock

Abacus alpha unterstützt seine Small-Cap-Beteiligungen mit einem langen Anlagehorizont, Expertise und Kapital. Das vergangene Jahr stand im Zeichen der Weiterentwicklung und des Ausbaus der unternehmerischen Aktivitäten.

Unternehmeredition: Wie hat sich Ihre Beteiligungsgesellschaft nach den vergleichsweise schwierigen Jahren 2020 bis 2022 entwickelt?
Frank Hüther: Das Jahr 2023 war nach drei durchaus anspruchsvollen Vorjahren eine Phase der Weiterentwicklung unseres eigenen Geschäftsmodells und des Ausbaus der eigenen unternehmerischen Aktivitäten. So haben wir den Company Builder Abacus neo mit Fokus auf neue Innovationen und deren Weiterentwicklung zu skalierbaren Geschäftsideen abgetrennt von unserem Geschäftsfeld Unternehmensnachfolgen und Wachstumsfinanzierungen im Small-Cap-Bereich. Mit der Ausgründung unseres eigenen Inkubators unterstreichen wir einerseits unsere Ambitionen, Ideen in frühen Phasen zu langfristig erfolgreichen Unternehmen zu entwickeln. Andererseits konzentrieren wir uns auf die Gesellschaften in unserem Portfolio und schaffen dort neue Perspektiven für deren Geschäftsmodelle und unsere Unternehmergemeinschaft als Ganzes. Für uns zählt die Zukunft und damit die Sicherung des Fortbestands unserer Beteiligungen durch neue Chancen und langfristiges Wachstum.

Gab es im Jahr 2023 auch Direktbeteiligungen?
Zum Jahresende haben wir die Mehrheit an der auf Online-PR und Social Media Relations spezialisierte Kommunikationsagentur Smart PR GmbH aus Düsseldorf übernommen. Diese Beteiligung verstehen wir als einen strategischen Gewinn für unsere Unternehmergemeinschaft, denn diese Zusammenarbeit soll neben der Weiterentwicklung von Smart PR vor allem die Expertise der Abacus-alpha-Gruppe in den Bereichen Onlinekommunikation und Contenterstellung stärken.

Damit folgen wir unseren Kernzielen Austausch, Erfahrung und Expertise und damit Wertschöpfung durch Synergieeffekte zu schaffen und für die Portfoliounternehmen nutzbar zu machen. Im Falle von Smart PR sind das hochwertige Dienstleistungen durch Stärkung der Marketing- und Kommunikationskompetenz.

Wie geht es nach einer Beteiligung weiter?
Wir verstehen uns als langfristigen Sparringspartner. Das bedeutet, dass wir unseren Mitgliedsunternehmen ihre unternehmerische und operative Freiheit lassen und uns nicht in die Tagesarbeit einmischen. Vielmehr unterstützen wir unsere Tochterunternehmen bei Managementaufgaben, Finanzierungsfragen und Kapazitätserweiterungen. Auch bei Smart PR ist das bestehende Managementteam nach wie vor an Bord, weil wir überzeugt sind, dass Eigenverantwortung, Freiheit und Handlungsspielraum der Geschäftsführung wichtige Erfolgsfaktoren des Unternehmens sind. Abacus alpha berät, unterstützt bei der strategischen Ausrichtung des Unternehmens und schlägt Brücken zu weiteren Portfoliounternehmen.

Nach welchen Kriterien wählen Sie Ihre Beteiligungen aus?
Bei unseren Investitionen achten wir darauf, uns an profitablen Unternehmen zu beteiligen, die uns mit soliden Finanzkennzahlen, einer einzigartigen Marktposition und natürlich dem Potenzial für nachhaltiges Wachstum überzeugen. Small-Cap-Investments, die für größere Private-Equity-Fonds zu klein sind, bieten oft attraktive Chancen, da sie weniger im Fokus stehen und somit möglicherweise unterbewertet sind.

Zudem ist die Unabhängigkeit von konjunkturellen Schwankungen und geopolitischen Unsicherheiten ein wichtiger Faktor, auf den wir achten. Wir schauen auf eine gewisse Krisenresilienz, die sich darin zeigt, ob ein Unternehmen beispielsweise mit den Erfahrungen aus der Coronazeit wirtschaftliche und politische Herausforderungen überstanden hat und dadurch oft widerstandsfähiger gegenüber solchen Schocks ist.

Insgesamt streben wir ein ausgewogenes Portfolio aus Beteiligungen an, die eine diversifizierte und robuste Performance versprechen, unabhängig von äußeren Einflüssen. Die sehen wir vorrangig in technologiebasierten, eher etablierten, mittelständischen Unternehmen aus den Bereichen Automatisierung und Digitalisierung, Cleantech/Greentech wie auch innovative Werkstoffe und Fertigungsverfahren sowie Dienstleistungen im Investitionsvolumen von 2 Mio. bis 20 Mio. EUR.

Wie entwickelt sich das Neugeschäft?
Wir haben in den letzten Monaten in unserem Investitionssegment eine deutliche Belebung gesehen, in Form von zahlreichen interessanten Beteiligungen, die uns angeboten werden. Seit Mitte 2023 ist die Anzahl der Angebote durchschnittlich um 50% im Vergleich zu den vier bis fünf Jahren zuvor gestiegen. Dieser Trend zeigt, dass der Markt wieder aktiv und dynamisch ist.

Die Diversität und Heterogenität unserer Beteiligungen sind dabei ein wesentlicher Vorteil. Durch unsere Investments über verschiedene Branchen und Regionen hinweg können wir Risiken besser streuen und gleichzeitig von unterschiedlichen Wachstumstreibern profitieren. Insgesamt zeigt die Entwicklung unseres Neugeschäfts, dass unsere Investitionsstrategie robust ist und wir gut positioniert sind, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein.

Private Equity bietet bei allen Herausforderungen nach wie vor interessante Chancen. Unsere Finanzierungsschwerpunkte auf nicht-zyklische Industrien wie Technologie, Fertigung und Business Services haben es dabei leichter als Konsumgüterindustriezweige. Das erlaubt uns, uns auf das mittel- und langfristige Wachstum der Tochterunternehmen zu fokussieren.

Was sind aus Ihrer Sicht die Treiber für diesen Anstieg auf der Angebotsseite?

Wir setzen nicht vorrangig, aber vermehrt auch auf Firmen-Nachfolgeregelungen, bei denen in den letzten Jahren die Akzeptanz für Beteiligungskapital gestiegen sind. Das liegt einerseits daran, dass die jüngere Unternehmergeneration sich heute besser mit einem Verkauf des ererbten Familienunternehmens oder mit der Aufnahme eines Partners anfreunden kann.

Andererseits hat es sich herumgesprochen, dass Beteiligungsgesellschaften maßgeblich dazu beitragen können, sowohl Werte und Arbeitsplätze zu erhalten als auch als Wachstumsfinanzierer neue Geschäftsfelder zu erschließen und einem Unternehmen mit frischem Kapital für notwendige Investitionen zu neuem Wachstum zu verhelfen.

Herr Hüther, wir danken Ihnen für die interessanten Einblicke!


ZUR PERSON

Foto: © Abacus alpha GmbH

Frank Hüther,
Geschäftsführer,
Abacus alpha GmbH
frank.huether@ab-alpha.de

 

 

 

Dieses Interview ist in der aktuellen Ausgabe des Spezials “Investoren im Mittelstand” erschienen.

Autorenprofil
Dr. Christina Jacob

Dr. Christina Jacob ist Geschäftsführerin der SMART PR GmbH. Nach mehreren Jahren in verantwortlicher Position bei Unternehmen wie Procter & Gamble und Coca-Cola gründetet sie 2008 erst eine Strategie-Beratung für Kommunikation und später ihre eigenen Social Media Kommunikationsagentur.

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