Die German Bionic Systems GmbH hat beim Amtsgericht Augsburg einen Antrag auf Eröffnung eines Regelinsolvenzverfahrens gestellt. Das Gericht bestellte den Rechtsanwalt und Sanierungsexperten Oliver Schartl von der Kanzlei Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Das Unternehmen mit Sitz in Augsburg zählt zu den führenden Anbietern KI-gestützter Exoskelette und intelligenter Robotiklösungen. Der Geschäftsbetrieb mit rund 70 Mitarbeitenden läuft nach Unternehmensangaben uneingeschränkt weiter. Laut German Bionic-Geschäftsführer Armin G. Schmidt war nicht die operative Lage des Unternehmens entscheidend für die Insolvenzanmeldung, sondern die kurzfristige Rücknahme zugesagter Investitionen. Die letzte Finanzierungsrunde sei gescheitert und habe zu einem akuten Liquiditätsengpass geführt. „Trotz einer sehr positiven Umsatzentwicklung und eines dynamisch wachsenden Marktes sahen wir uns mit der unerwarteten Rücknahme von Investitionszusagen konfrontiert. Das Scheitern einer letzten Finanzierungsrunde löste einen Liquiditäts-Engpass aus, der die Anmeldung der Insolvenz unumgänglich machte“, erklärte Schmidt. Das Unternehmen hatte ursprünglich erwartet, im Sommer 2026 den Break-even zu erreichen.
Technologische Führungsrolle
German Bionic wurde 2017 gegründet und ist für seine intelligenten Kraftanzüge wie das Exoskelett EXIA bekannt. Diese Systeme entlasten Beschäftigte in körperlich fordernden Berufen, etwa in der Logistik, im Bauwesen, im Handwerk oder in der Pflege. Das Unternehmen verfügt über ein breites Patentportfolio sowie über erfahrene Teams an den Standorten Augsburg und Berlin. Seine Technologie, die Robotik mit künstlicher Intelligenz verbindet, gilt als international führend. Die Systeme sind bereits weltweit im Einsatz, unter anderem an Flughäfen oder in Pflegeeinrichtungen.
Nach Einschätzung von Insolvenzverwalter Oliver Schartl ergeben sich durch die bestehende Marktposition, die technologische Führerschaft und das hochqualifizierte Personal gute Perspektiven für eine Investorenlösung. „Wir werden in Kürze einen strategischen Investorenprozess starten, um einen geeigneten Investor zu finden. Angesichts der Tatsache, dass das Produkt technologieführend und bereits weltweit im Markt etabliert ist und dass German Bionic über hochqualifiziertes Personal verfügt, sehe ich gute Chancen, dass uns dies bereits im ersten Quartal 2026 gelingen wird“, sagte Schartl.
Finanzierungspartner aus Industrie und Tech
Zu den bisherigen Hauptinvestoren von German Bionic zählten nach Unternehmensangaben der Automobilzulieferer Mubea, der im Jahr 2023 eine Finanzierungsrunde anführte, sowie der Samsung Catalyst Fund, der bereits 2020 als Lead-Investor in Erscheinung trat. Weitere Kapitalgeber waren MIG Capital, Storm Ventures, Benhamou Global Ventures, IT-Farm und Bayern Kapital. Diese Investoren stammen aus den Bereichen Industrie, Deep Tech und staatliche Förderprogramme.
Die Produkte von German Bionic adressieren zentrale Herausforderungen im Arbeitsmarkt. Die Systeme entlasten Mitarbeitende bei körperlich belastenden Tätigkeiten, verbessern ergonomische Bedingungen und helfen, die Gesundheit langfristig zu erhalten. Im Kontext einer alternden Gesellschaft, wachsendem Fachkräftemangel und steigendem Bedarf in der Pflegebranche gewinnt diese Technologie weiter an Bedeutung. Die Insolvenz hat laut Angaben des Unternehmens keine Auswirkungen auf bestehende Systeme im Markt oder laufende Kundenprojekte.
Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Tech-Start-ups.





