Laut dem aktuellen Allianz Risk Barometer 2026 stellen Cybervorfälle weltweit das größte Risiko für Unternehmen dar. Nach Angaben der Allianz Commercial belegt diese Gefahr mit 42% der Antworten das fünfte Mal in Folge den ersten Platz. Cyberrisiken lagen vor einem Jahrzehnt noch auf dem achten Rang und betreffen heute Betriebe aller Größenordnungen. Ein rasanter Aufstieg zeigt sich bei den Risiken durch künstliche Intelligenz. Diese kletterten im globalen Vergleich von Platz 10 auf den zweiten Platz. Nach Einschätzung der Befragten sorgt die tiefe Integration dieser Technologie in die Kernprozesse für wachsende operative Risiken.
Thomas Lillelund, CEO von Allianz Commercial, kommentiert: „2025 war geprägt von Volatilität und Unsicherheit. Auch in diesem Jahr sehen sich Unternehmen mit einem sich schnell verändernden Umfeld mit verknüpften und hochkomplexen Risiken konfrontiert. Angesichts des anhaltenden Aufstiegs von KI in Gesellschaft und Wirtschaft ist es nicht verwunderlich, dass sie im Allianz Risk Barometer eine wichtige Rolle spielt. KI bringt nicht nur enorme Chancen mit sich, sondern verändert durch ihr transformatives Potenzial und ihre rasante Entwicklung sowie Verbreitung auch die Risikolandschaft. Sie wird damit neben anderen etablierteren Bedrohungen weltweit zu einem herausragenden Thema für Unternehmen jeder Größe.“
Sicherheitsdefizite belasten Betriebe
Die anhaltende Bedrohung durch Cyberangriffe betrifft laut der Studie vor allem kleine sowie mittelgroße Firmen. Diesen fehlt es nach Angaben von Allianz Commercial häufig an den notwendigen Ressourcen für eine umfassende Cybersicherheit. Große Unternehmen konnten hingegen durch gezielte Investitionen ihre Resilienz stärken. Dadurch gelingt es ihnen besser, Angriffe frühzeitig zu erkennen und abzuwehren. Michael Bruch, Global Head of Risk Consulting Advisory Services bei Allianz Commercial, erklärt: „Die Investitionen großer Unternehmen in Cybersicherheit und Resilienz haben sich ausgezahlt und sorgen dafür, dass sie Angriffe frühzeitig erkennen und darauf reagieren können. Allerdings entwickeln sich Cyberrisiken ständig weiter. Unternehmen sind zunehmend auf Drittanbieter für kritische Daten und Dienste angewiesen, während KI die Bedrowhungen verstärkt, die Angriffsfläche vergrößert und bestehende Schwachstellen noch verschärft“.
Risiken durch automatisierte Entscheidungsmodelle
Die rasche Verbreitung generativer Systeme führt laut Allianz zu neuen rechtlichen Herausforderungen. Durch die zunehmende Nutzung der Technologie in der Praxis entsteht ein neues Bewusstsein für Haftungsfragen. Nach Angaben des Chefökonoms Ludovic Subran konfrontiert der Einsatz von KI die Betriebe mit Problemen bei der Systemzuverlässigkeit und der Datenqualität. Zudem fehlen qualifizierte Fachkräfte auf dem Markt. Es entstehen neue Haftungsrisiken durch automatisierte Entscheidungsprozesse, voreingenommene Modelle und den Missbrauch von geistigem Eigentum.
Betriebsunterbrechungen fallen laut der Umfrage erstmals aus der absoluten Spitzengruppe heraus. Sie belegen mit 29% den dritten Platz, bleiben jedoch eng mit geopolitischen Risiken verknüpft. Nur 3% der befragten Manager bewerten ihre eigenen Lieferketten als sehr widerstandsfähig. Aufgrund einer ruhigeren Hurrikan-Saison im Jahr 2025 sinkt das Risiko von Naturkatastrophen auf den fünften Platz. Dennoch belaufen sich die versicherten Schäden laut Allianz zum sechsten Mal in Folge auf 100 Milliarden US-Dollar.
Steigende Unsicherheiten?
Unter den deutschen Teilnehmern zeigen sich laut der Studie spezifische Entwicklungen. Cyber-Attacken und Betriebsunterbrechungen verteidigen nach Angaben der Allianz die ersten beiden Plätze. Neu auf den dritten Rang springen Änderungen in der Gesetzgebung und Regulierung. Dies deutet laut den Studienautoren auf wachsende bürokratische Pflichten hin. KI-Risiken steigen in Deutschland neu auf Platz 4 in das Ranking ein. Überraschend fallen politische Risiken und Gewalt im Jahresvergleich von Platz 6 auf den zehnten Platz. Dies geschieht trotz politisch motivierter Anschläge auf die Infrastruktur.
Politische Risiken klettern weltweit auf den siebten Platz des Barometers. Mehr als die Hälfte der Betriebe sieht im Krieg das gefährlichste Risiko in diesem Sektor. Ein geopolitischer Konflikt gilt laut der Umfrage für 51% der Befragten als wahrscheinlichstes Black-Swan-Szenario. Ein solcher Konflikt könnte in den kommenden fünf Jahren zu einer Lähmung der Handelswege führen. Laut Allianz Trade haben sich die Handelsbeschränkungen im vergangenen Jahr bereits verdreifacht.
Finanzielle Einbußen durch Unruhen
Die finanziellen Konsequenzen von Unruhen und Sabotageakten sind laut Allianz Commercial erheblich. Die Ausschreitungen in Indonesien im August 2025 verursachten versicherte Schäden von über 50 Millionen US-Dollar. Im September 2025 folgten Proteste in Nepal, deren Schäden das dortige Erdbeben von 2015 übersteigen könnten. Zudem nehmen laut der Analyse staatlich unterstützte Sabotageakte auf kritische Infrastrukturen wie Unterseekabel zu. Über 70% der Unternehmen sehen in Logistikstörungen die kritischste Auswirkung politischer Gewalt.
Srdjan Todorovic, Global Head of Political Violence and Hostile Environment Solutions bei Allianz Commercial, sagt: „In einer Phase erhöhter Unsicherheit war es noch nie so wichtig, die Auswirkungen dieser Risiken zu verstehen und sie in unseren vernetzten Geschäftsökosystemen zu begrenzen. Versicherungen spielen dabei eine zentrale Rolle und wir sehen ein deutlich gesteigertes Interesse und mehr Käufer als je zuvor in diesem Marktsegment. Das stellt einen deutlichen Wandel gegenüber dem Markt- und Käuferverhalten vor dem Krieg in der Ukraine dar, der durch die nachfolgenden Ereignisse zusätzlich verstärkt wurde.“









