ifo-Institut sieht Ende der Erholung

ifo-Geschäftsklimaindex
(c) Андрей Журавлев

„Die zweite Corona-Welle hat die Erholung der deutschen Wirtschaft vorläufig beendet“, lautet das nüchterne Fazit von ifo-Präsident Clemens Fuest nach der Veröffentlichung des Geschäftsklimaindex durch sein Institut. Der sogenannte ifo-Geschäftsklimaindex ist im Januar auf 90,1 Punkte gefallen, nach 92,2 Punkten im Vormonat. Mit diesen Zahlen vom ifo-Institut beginnt unser aktueller Überblick über die Wirtschaftsprognosen.

Der zweite Lockdown zeigt Wirkung: Die rund 9.000 befragten Unternehmer in Deutschland beurteilten ihre aktuelle Lage nach der Befragung durch die ifo-Experten im Januar schlechter als im Vormonat. Auch die Erwartungen der Manager für die Zukunft ihrer Unternehmen fallen schlechter aus. Im verarbeitenden Gewerbe ist der Index nach zuletzt acht Anstiegen in Folge wieder gesunken. Dies war auf deutlich weniger optimistische Erwartungen zurückzuführen. Der ifo-Präsident warnte zugleich vor einem harten Lockdown in der Industrie: „Es wäre Wahnsinn, die Industrie still zu legen“.

Fallende Werte in allen Sektoren der Wirtschaft

Im Dienstleistungssektor ist der Geschäftsklimaindikator um vier Punkte merklich gesunken. Die Unternehmen korrigierten ihre Einschätzungen zur aktuellen Lage nach unten. Zudem nahm der Pessimismus mit Blick auf die kommenden Monate deutlich zu. Der Auftragsbestand, insbesondere im Bereich Transport und Logistik, entwickelte sich schwächer. Im Handel ist der Geschäftsklimaindex geradezu eingebrochen. Der Indikator zur aktuellen Lage stürzte in den negativen Bereich auf -17,2 Punkte. Dies war der stärkste Rückgang seit April 2020. Auch die Erwartungen fielen deutlich pessimistischer aus.

IHS Markit sieht die Perspektiven nicht ganz so schwarz

„Alles in allem ist Deutschland auf schwachem Fuß ins neue Jahr gestartet und die Verlängerung der jüngsten Eindämmungsmaßnahmen bis mindestens Mitte Februar bedeutet, dass sich daran auch in den kommenden Wochen nicht viel ändern dürfte“, erklärt Phil Smith, Associate Director bei IHS Markit, bei der Veröffentlichung des Einkaufsmanagerindexes seines Instituts. „Die Industrie ist weiter der Lichtblick, unterstützt vom nachhaltigen Wachstum der Exporte. Die Hersteller strotzen nur so vor Zuversicht, wie der Rekordwert bei den Geschäftsaussichten zeigt. Anscheinend lassen sie sich dabei auch nicht von den zunehmenden Unterbrechungen in den Lieferketten abschrecken, die im Januar zu einer beispiellosen Verlängerung der Lieferzeiten führte“, fährt er fort. IHS Markit befragt rund 1.000 Firmen in Deutschland für die Erstellung seiner aktuellen Prognosen. Besonders bei den Zukunftsaussichten sehen die Experten bei IHS Markit nicht so schwarz: Die Unternehmen hoffen darauf, dass mit den Lockerungen der Beschränkungen im weiteren Jahresverlauf auch die Konjunktur und die Nachfrage wieder in Schwung kommen. Gestiegen sei die Zuversicht bei der Industrie auf den höchsten Wert seit Beginn der Erhebung dieser Daten im Juli 2012.