„Ich gebe es zu: Ich verliere nicht gerne“

7 Fragen an Manuel Neuer, Torwart und Mannschaftskapitän des FC Bayern sowie Stammtorhüter und Kapitän der deutschen Fußballnationalmannschaft

Foto: © firo sportphoto

Manuel Neuer gilt als bester Torwart seiner Zeit und vielleicht sogar aller Zeiten. Mit seiner offensiven Interpretation des Torhüterjobs definierte er die Position völlig neu. Nicht umsonst wurde der gebürtige Polizistensohn aus dem Ruhrpott bereits vier Mal zum Welttorhüter geehrt. Wir haben das Fußballgenie zu Erfolgen und Niederlagen befragt.

Unternehmeredition: Von der Vereinsjugend beim FC Schalke 04 zum Mannschaftskapitän des FC Bayern und Kapitän der Nationalmannschaft – sind Sie stolz auf Ihren Weg?

Manuel Neuer: Stolz ist ein großes Wort. Auf jeden Fall bin ich sehr zufrieden, weiß aber auch, dass ich diesen Weg nie allein hätte gehen können.

Was bezeichnen Sie persönlich als Ihren größten Erfolg?

Erfolg definiert sich häufig allein an Sieg oder Niederlage. Persönlich stelle ich als Teamplayer die Erfolge mit meinen jeweiligen Mannschaften weit über die persönlichen Auszeichnungen. Die größten Erfolge, die ich mit meinen jeweiligen Teams erringen konnte, waren sicherlich der Pokalsieg mit Schalke 04, zwei Mal die Champions League mit dem FC Bayern und der WM-Titel mit der Nationalmannschaft.

Was war für Sie die größte Niederlage?

Ich gebe es zu: Ich verliere nicht gerne. Ich kassiere auch nicht gerne Gegentore. Das verlorene Champions-League-Finale „dahoam“ 2012 in unserem eigenen Stadion war sicherlich eine große Niederlage, weil wir so viele Menschen enttäuscht haben. Es war aber zugleich eine große Motivation, die dazu geführt hat, dass wir ein Jahr später die Champions League gewonnen haben.

Warum sind Sie Torhüter geworden und worauf kommt es dabei an?

Als ich neu zum FC Schalke 04 kam, war ich der letzte der Gruppe, die keinen Torhüter hatte. In der „Pampersliga“ auf Asche wollte auch keiner ins Tor – also wurde ich praktisch zu meinem Glück gezwungen. Ich habe dann mit sehr guten Trainern meinen eigenen Stil entwickelt, sehe mich heute als Organisator und Stabilisator des Defensivverbunds und weiß, dass ich mich auch auf meine fußballerischen Qualitäten verlassen kann.

Sie wirken auch in den hektischsten Spielminuten wie ein Fels in der Brandung und überzeugen mit Spitzenparaden. Gibt es dafür ein Rezept?

Viel harte Arbeit, Ruhe bewahren und auf die eigenen Qualitäten vertrauen, aber ebenso auf jene der Mitspieler. Und – egal ob in der Box oder außerhalb – auch dem Gegner vermitteln, dass es kein Vorbeikommen gibt. Diese Ausstrahlung ist auch in psychologischem Sinn wichtig.

Was ist Ihnen im Leben wichtig und sehen Sie sich als Profifußballer diesbezüglich in einer besonderen Rolle?

Ich habe frühzeitig eine eigene Stiftung gegründet, in der wir uns um sozial benachteiligte Kinder kümmern. Ich selbst hatte eine sorgenfreie Kindheit, für die ich meinen Eltern und meinem Umfeld dankbar bin. Viele Kids aber rutschen völlig unverschuldet in schwierige Situationen und wir wollen ihnen helfen, da wieder herauszukommen. Das geht bis zu dem Punkt, dass wir Jugendliche bei der Ausbildungsplatzsuche unterstützen. Vielleicht ist dieses Interview da auch eine gute Maßnahme!

Sie sind 35 für viele ist da schon Schluss. Wie lange wollen Sie noch aktiv sein und was sind Ihre Pläne für danach?

Meinen aktuellen Vertrag habe ich 2020 unterschrieben und er läuft noch bis 2023. Danach soll auf keinen Fall Schluss sein. Solange ich fit bin, Leistung bringe und Spaß habe, gibt es keinen Grund, diesen wunderbaren Beruf aufzugeben. Pläne für danach reifen natürlich schon, sind aber noch nicht spruchreif.

Lieber Herr Neuer, wir danken Ihnen für diese interessanten Einblicke!


ZUR PERSON

Manuel Neuer
Foto: © firo sportphoto

Insgesamt 20 Jahre hatte der gebürtige Gelsenkirchener Manuel Neuer für den FC Schalke 04 gespielt, bevor er im Jahr 2011 zum FC Bayern München wechselte. Neben zwei Champions-League-Siegen holte er mit den Bayern unter anderem neun Deutsche Meisterschaften. Sein erstes Spiel in der Bundesliga machte Neuer im August 2006; 2010 wurde er von Joachim Löw bereits zum festen Torwart gewählt. Seine Rolle als Stammtorhüter behielt Neuer auch bei den folgenden Europameisterschaften 2012, 2016 und 2020 sowie bei den Weltmeisterschaften 2014 in Brasilien und 2018 in Russland. Nach dem Rücktritt von Bastian Schweinsteiger als Nationalspieler ist Neuer seit September 2016 Kapitän der Nationalmannschaft.


KURZPROFIL

Geboren: 1986 in Gelsenkirchen

Beruf: Torwart und Mannschaftskapitän beim FC Bayern; Torwart und Kapitän der deutschen Fußballnationalmannschaft

Hobbys: Radfahren, Paddeltennis, Wandern

Größte Erfolge: 1x Weltmeister, 1x U21-Europameister, 2x Champions-League-Sieger, 9x Deutscher Meister, 6x DFB-Pokalsieger

www.manuel-neuer.com



Dieser Beitrag ist in der Rubrik „7 Fragen an…“ in der Unternehmeredition-Ausgabe 1/2022 erschienen.

Autorenprofil

Als Redaktionsleitung der Unternehmeredition berichtet Eva Rathgeber regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Sie verfügt über langjährige Erfahrung im Wirtschaftsjournalismus und in der PR.

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