Krisenmodus!

Kapitalmärkte am Tropf der Nachrichtenlage

Die Welt, wie wir sie zuvor kannten, hat sich seit Weihnachten mehr als spürbar verändert: Sie ist im Krisenmodus.
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Unsere Headline an dieser Stelle zur vorherigen Ausgabe (Vgl. „Aufziehende Wolken über der Spielwiese“; UE 4/2021, S. 66ff.) hätte passender kaum sein können. Die Welt, wie wir sie zuvor kannten, hat sich seit Weihnachten mehr als spürbar verändert: Sie ist im Krisenmodus.

Plötzlich beherrschen Meldungen über einen Krieg die Schlagzeilen – innerhalb Europas, wohlgemerkt. Das hätte vor einigen Monaten kaum jemand prognostiziert. Corona ist aus den Top-Headlines verdrängt, Sondersendungen auf einen Schlag verschwunden und durch Kriegsberichte ersetzt. Kein Wunder, es geht nach Prioritäten: Eine unmittelbare Gefahr schlägt eine nur mittelbare.

Damit ist das wirtschaftliche, poli­tische und gesellschaftliche Umfeld erheblich unwirtlicher geworden. Am ­Ende der Kette schlägt sich die im wahrs­ten Sinne brandaktuelle Gemengelage auf die Kapitalmärkte durch: Tages­veränderungen an Börsen im Bereich mehrerer Prozentpunkte sind seit Anfang des Jahres nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel.

Der Grad der neuen Nervosität lässt sich gut am sogenannten V-DAX messen: Er spiegelt die Kursschwankungen pro Beobachtungszeitraum im deutschen Leitindex DAX. Im Fünfjah­res­chart ist gut der dramatische Aus­schlag im März/April 2020 zu sehen, als Corona über die Welt hereinbrach. Werte unter 20 gelten als geradezu gemüt­lich. Zwischenzeitlich lagen wir in den vergangenen Tagen bei über 40, was in den letzten drei Jahrzehnten ­weniger als zwei Handvoll Male erreicht wurde.

El Dorado für Fondsmanager?

Fondsmanager, die eine Outperformance gegenüber Börsenindizes – oder damit auch gegenüber passiver Anlage, wie sie ETFs bieten – erzielen wollen, finden derzeit reichlich Betätigungsspielraum. Dafür sind sie schließlich da, und das sind die Zeiten, in denen sie ihre Management Fees rechtfertigen sollten.

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Die Realität sieht häufig anders aus. Eine Börsenweisheit besagt, in guten Zeiten benötige man keinen Ratgeber oder Fondsmanager – das könne man auch allein; in schlechten Zeiten wie­derum glänzen sie häufig durch eine schlechtere Performance als die bekannten Börsenindizes. Nur wenige Fondsmanager schlagen die Märkte wirklich nachhaltig, also über viele ­Jahre hinaus. Auf Eintagsfliegen möchte in seiner Vermögensanlage sicherlich niemand setzen.

Auf die richtige Auswahl kommt es aktuell mehr denn je an – deswegen heißt diese Rubrik schließlich „Musterdepot“, mit Betonung auf „Muster“. Tem­poräre Highflyer stellen wir daher an dieser Stelle bewusst nicht vor.

Was zeichnet einen „guten“ Fonds aus?

Natürlich haben Experten auch dafür eine Kennzahl, nämlich das soge­nannte Sharpe-Ratio. Es setzt die Performance ins Verhältnis zu den beobachteten Kursschwankungen des Fonds, ganz nach dem Motto: Wer eine Out­performance erzielen möchte, muss auch größeres Risiko eingehen. Höhere Durchschnittsrenditen gehen daher lehr­buch­mäßig mit der Inkaufnahme hö­herer Volatilitäten einher. Ein „guter“ Fonds vermag also, bei sonst gleichen Parame­tern andere Fonds in ­puncto Sharpe-­Ratio zu schlagen, zum Beispiel durch identische Rendite bei weniger Schwankungsfreude – oder ­höhere Rendite bei gleicher Schwan­kungs­freude.

Die gute Nachricht an dieser Stelle: Nach knapp zweijährigem Bestehen dieser Rubrik und jüngst hochvolatiler Märkte liegt das Unternehmeredition Musterdepot weiterhin im grünen Bereich. Die schlechte: Es hat sich seit vergangener Ausgabe bereits deutlich reduziert. Dramatisch ist dies indes nicht, nur betrüblich zu beobachten. Die handelsübli­chen Indizes wie etwa der DAX40 liegen trotz des aktuellen Kurseinbruchs noch circa 10% im Plus, seit die Un­ter­neh­mer­edition Ende Mai 2020 das Unter­nehmeredition Musterdepot lancierte.

Sternschnupfen

In diesen Wochen verlieren diverse Fonds den einen oder anderen Rating­stern von Bewertungspapst Morning­star. Für hohe Kursschwankungen in Fonds gibt es einen Malus. Vier unserer sieben Musterdepotmitglieder haben ein Morningstar-Rating. Unser Top-Performer Alpha Star Dividenden hat von der Top-­Bewertung fünf Sterne nunmehr einen wie­der eingebüßt. Vier Sterne ­haben auch der Fidelity Greater China sowie der Nor­dea I European High Yield Bonds. Sowohl der Bantleon Select Infra­structure als auch der KFM Europäischer Mittelstandsanleihen Fonds verfügen noch nicht über eine hinreichend lange Historie für ein Morning­star-Rating.

Währenddessen kamen beim Ban­tleon und beim DJE Gold & Stabili­tätsfonds im Dezember die jährlichen Ausschüttungen hinzu. Der Alpha Star schüttet gar auf Quartalsbasis aus. Diese Cashflows sind der Spalte „Erträge bis dato“ zugeordnet. Der nächste folgt bei BB Biotech, unserem aktiennotierten Biotechnologiefonds. Die Schweizer hal­ten ihre Generalversammlung tra­ditionell Mitte März ab, was eine Dividende von 5% auf den durchschnitt­lichen Kurs des Dezembers zur Folge haben wird. Bei einer vorgeschlagenen Ausschüttung von 3,71 EUR – umgerech­net aus dem Schweizer Franken – entspricht dies aktuell sogar einer höheren Quote als die angepeilten jährlichen 5%.

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BB Biotech ist zugleich unser jüngster Depottitel wie auch der einzige, der momentan im Minus notiert – selbstverständlich inklusive Ausschüttungen. Wir stocken deshalb unsere Position angesichts der ungebrochen vielversprechenden Aussichten um ein Drittel auf 2.250 Anteile auf. Die Küssnachter haben in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten eindrucksvoll unter Beweis gestellt, was sie können – und das trauen wir ihnen auch weiterhin zu. Die Depotposition wächst auf ­einen Anteil von nunmehr 11,9% und liegt damit nach wie vor im Durchschnitt, ist also keineswegs übergewich­tet aufgrund des Nachkaufs. Den finalen Nachkaufkurs – am Erscheinungstag dieser Ausgabe – tragen wir im nächsten Magazin beziehungsweise ­einem Zwischen­update auf der Web­site nach. Gerade aktuell schwanken die Kurse enorm: Der Nachkaufkurs kann gut 5% höher oder niedriger ausfallen, je nach Börsen­laune.

Passenderweise liegt der DJE Gold & Stabilität mit rund 17% Musterdepot­gewichtung einigermaßen vorne. Sicher­lich kein zu konservativer Umstand in Zeiten wie diesen: Gold erreichte Anfang März sein vorläufiges Allzeithoch, sowohl in US-Dollar als auch auf Eurobasis. Das Währungsverhältnis sollte man stets im Auge behalten, sonst währt die Freude nur kurz. Überhaupt profitieren sämtliche Rohstoffe derzeit von der „temporären Inflation“ – quod est demonstrandum.

Russland ist bei zahlreichen Rohstof­fen wichtigster oder mindestens wichti­ger Lieferant. Entsprechend bewegte sich zuletzt Palladium Richtung 3.000 USD pro Unze; für eine Unze Palladium erhält man aktuell also 120 Unzen Silber – und nur geübte Augen können überhaupt eine Palladium- von einer Silbermünze unterscheiden. Es kommt jedoch auf die chemischen Eigenschaften an, die Palladium zu einem überaus wichtigen Industriemetall machen.

AUSBLICK

Unsere Investitionsquote liegt selbst nach dem Nachkauf bei BB Biotech erst bei 82%. Damit halten wir weiterhin etwas Pulver trocken: Wer kann heute schon sagen, was in nächster Zeit noch auf uns zukommt? An dieser Stelle dürfen wir eine solch hohe Cashquote vor­halten und damit Optionen offenhalten, Fondsmanager dagegen häufig nicht: Sie werden schließlich nicht für das Verwalten von Bargeld bezahlt, das Anleger ihnen anvertra uten. Beim Investment in Eigenregie würde ich stets in besten Börsenzeiten eine Quote von 10% bis 25% Reserve empfehlen – jede Börsenerfahrung über mehr als wenige Jahre besagt zu 100%, dass man sie früher oder später benötigen wird.

redaktion@unternehmeredition.de

Autorenprofil
Falko Bozicevic

Falko Bozicevic ist Redakteur des GoingPublic Magazins sowie verantwortlich für das Anleihen-Portal BondGuide. Seine Schwerpunkte liegen vor allem auf makroökonomischen Themen sowie Investment-Fragen rund um IPOs, Anleihen und Fonds.

 

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