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Das Coronavirus stürzt die deutsche Wirtschaft in die tiefste Rezession seit dem Zweiten
Weltkrieg. Ein Rückgang der Wirtschaftsleistung um circa 6,5% wird seitens der
Bundesregierung erwartet. VON CARLO RIES

Vielzählige Unternehmer kämpfen daher aktuell an mehreren Fronten. Einerseits geht es um die Sicherung des wirtschaftlichen Überlebens, andererseits um die Entwicklung neuer Strategien zur Bewältigung der Coronakrise. Instrumente wie Kurzarbeit oder die Verlagerung von Arbeit ins Homeoffice sind an der Tagesordnung.

Dennoch befürchten Experten, dass jeder zweite mittelständische Betrieb akut gefährdet ist – trotz der seitens der Bundesregierung zur Verfügung gestellten Finanzhilfen. Laut KfW Research (28. April) „büßte der Mittelstand im März 75 Mrd. EUR an Umsätzen ein“. Besonders betroffen hiervon sind die gesamte Reisebranche, das Hotel- und Gaststättengewerbe, Messebauer, aber auch viele exportorientierte Industrien. Es ist davon auszugehen, dass die milliardenschweren Schutzschirmmaßnahmen – wie Kurzarbeitergeld, steuerliche Erleichterungen oder die Möglichkeit der Beantragung von KfW-Krediten beziehungsweise staatlichen Überbrückungskrediten – nicht dazu ausreichen werden, eine drastische Erhöhung der Insolvenzen zu verhindern.

Mittlerweile hat laut Handelsblatt vom 16. April die Hälfte der Firmen Soforthilfen sowie 19% Steuerstundungen beantragt und 35% der Betriebe Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Nichtsdestoweniger stellen die Finanzierungshilfen des Staates momentan ein wichtiges Instrument zur Generierung zusätzlicher Liquidität dar.

Große Bedeutung in diesen Zeiten hat aber auch ein funktionierendes ganzheitliches Liquiditätsmanagement, um frühzeitig Entwicklungen zu erkennen und sofort entsprechend darauf reagieren zu können. Laut einer Umfrage des DIHK über die Auswirkungen des Coronavirus sieht sich demnach „fast jedes fünfte Unternehmen von einer Insolvenz bedroht. 40% haben mit Liquiditätsengpässen zu kämpfen.“

Besonders gravierend empfinden Unternehmer die Unsicherheit, nicht einschätzen zu können, wann diese Krise so weit vorüber ist, dass internationale Netzwerke wieder arbeiten. Die Konzentration in unserer globalisierten und eng vernetzten Welt auf „Just in Time-Produktion“, um große Lagerhaltungen zu vermeiden, fällt vielen Betrieben jetzt auf die Füße.

Da das Coronavirus mittlerweile die meisten Länder der Welt erfasst und viele Volkswirtschaften zum Erliegen gebracht hat, fehlen wichtige Bauteile zum Wiederanfahren unserer produzierenden Industrie.

Deutschland ist eine Exportnation – wir können nur aus der Rezession kommen, wenn die Nachfrage weltweit wieder anzieht. Eine internationale Rezession wird daher auch bei uns zu einem immensen Anstieg der Arbeitslosenzahlen führen und damit zu einem starken Rückgang der Binnennachfrage, welche sich in den letzten Jahren als ein positiver Treiber der Konjunktur herausgestellt hat. Um diesen Zeitraum erfolgreich überbrücken zu können, muss die Versorgung besonders des Mittelstands mit ausreichend Liquidität noch eine längere Zeit eine zentrale Aufgabe der Regierung sein.


ZUM AUTOR

Carlo Ries ist Geschäftsführer der Südvers Kreditversicherungsmakler GmbH. www.suedvers.de